Den Schnee steu­ern

Be­schnei­en, Was­ser pum­pen, Ski­fah­rer be­för­dern: Ein Blick in die Kom­man­do­zen­tra­le am Berg.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON MA­DE­LEI­NE NAPETSCHNIG

Der Schnee, auf dem wir heu­te tal­wärts fah­ren, stammt zum Teil schon aus dem Spät­herbst. Das galt zu­min­dest für die ver­gan­ge­nen Sai­so­nen. Im­mer­hin ka­men im Jän­ner ein gro­ßer Schub an Na­tur­schnee plus die nö­ti­ge Käl­te, um mit tech­ni­schem Schnee den Pis­ten­be­lag auf­sto­cken zu kön­nen. Nor­ma­ler­wei­se wird im No­vem­ber mit der Her­stel­lung von Schnee be­gon­nen, er­klärt Christian Kir­cheb­ner, Pis­ten­chef am Hoch­zei­ger im Pitz­tal. „Denn man kann das Ri­si­ko nicht ein­ge­hen, dass es nicht schneit.“Aber die Lan­zen und Ka­no­nen lau­fen nicht die gan­ze Sai­son, son­dern nur bei Be­darf: „Bis En­de Fe­bru­ar soll­te die Be­schnei­ung ab­ge­schlos­sen sein. Da­mit am En­de der Sai­son nicht noch gan­ze Ber­ge an tech­ni­schem Schnee da­lie­gen“, er­läu­tert Fried­rich Ei­ter, der tech­ni­sche Be­triebs­lei­ter, bei ei­ner Tech­nik­füh­rung (don­ners­tags um 13 Uhr) in der Kom­man­do­zen­tra­le in der Mit­tel­sta­ti­on.

Der ma­schi­nen­ge­mach­te ist näm­lich kom­pak­ter als der na­tür­li­che Schnee, und auch tro­cke­ner, wenn er län­ger liegt. Letz­te­ren gilt es auch an­ders zu be­han­deln, schil­dert Kir­cheb­ner: „Man soll ihn ein paar Ta­ge lie­gen las­sen und spä­ter erst ver­schie­ben, das ist das Ge­heim­nis der Be­schnei­ung.“ Die idea­le Men­gen­be­rech­nung ist ein­fa­cher als die tat­säch­li­chen Fak­to­ren in der Schnee­pro­duk­ti­on: Ein Ku­bik­me­ter Was­ser er­gibt 2,2 Ku­bik­me­ter Schnee. Und es kos­tet vier bis fünf Euro, ei­nen Ku­bik­me­ter tech­ni­schen Schnee zu pro­du­zie­ren, 500.000 bis 600.000 da­von braucht es pro Sai­son auch in ei­nem so hoch­ge­le­ge­nen Ski­ge­biet wie hier im Pitz­tal. Schnee, nur wenn es Sinn macht. Die­se Rech­nung lässt sich op­ti­mie­ren. In der Mit­tel­sta­ti­on, im Bü­ro, sit­zen Ei­ter und sei­ne Kol­le­gen am Lap­top, vor Bild­schir­men, voll im Bil­de über al­le De­tails im Ski­ge­biet – über den Be­trieb der Lif­te, den tech­ni­schen Zu­stand der An­la­gen, die Ka­pa­zi­tät der Schnee­ma­schi­nen, die Leis­tung in der Pump­sta­ti­on und das Rohr­sys­tem vom Spei­cher­teich, aus dem das Was­ser für den Schnee kommt, der nur pro­du­ziert wird, wenn es Sinn macht. Ein Vo­ka­bel bei der ein­stün­di­gen Tech­nik-Lek­ti­on am Berg fällt da­bei öf­ters: „Feucht­ku­gel­tem­pe­ra­tur“, die sich aus Luft­tem­pe­ra­tur und Luft­feuch­te (sprich Luft­tem­pe­ra­tur und Was­ser­tem­pe­ra­tur) in Pro­zent er­gibt. Je tro­cke­ner es ist, des­to wär­mer darf es sein, da­mit noch Schnee aus den Dü­sen sprüht.

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