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Die Presse am Sonntag - - Leben -

Zehn Män­ner

röhr­ten in Salz­burg um den Ti­tel des Staats­meis­ters im Hir­sch­ru­fen. Dar­un­ter wa­ren nicht nur Be­rufs­jä­ger, son­dern un­ter an­de­rem auch ein Bä­cker, ein Bank­an­ge­stell­ter, ein Un­ter­neh­mer und ein Tisch­ler.

Der Be­werb

fin­det in drei Ka­te­go­ri­en statt: Zu­erst muss ein Hirsch imi­tiert wer­den, der im Herbst in der Br­unft­zeit ein Weib­chen sucht. Als nächs­tes kommt das Röh­ren ei­nes Platz­hir­sches, die drit­te Ka­te­go­rie ist ein Du­ell zwei­er gleich star­ker Hir­sche.

Heu­te

fin­det ab 14.30 Uhr in der Mes­se Salz­burg die in­ter­na­tio­na­le Meis­ter­schaft im Hir­sch­ru­fen statt. Et­wa 20 Per­so­nen, un­ter an­de­rem aus Tsche­chi­en und Frank­reich, wer­den teil­neh­men.

Als In­stru­ment für das Röh­ren ist üb­ri­gens al­les er­laubt, was in ei­nem Ruck­sack Platz hat. Be­son­ders be­liebt ist das Horn ei­nes un­ga­ri­schen Grau­rinds. Das ist groß und re­la­tiv teu­er: et­wa 300 Euro muss man da­für be­zah­len. Das Ge­häu­se ei­ner Mee­res­schne­cke oder ein Och­sen­horn sind bil­li­ger. Frü­her ver­wen­de­te man auch das Horn ei­ner Zie­ge, die Bun­des­fors­te ha­ben En­de ver­gan­ge­nen Jah­res ein hand­ge­ar­bei­te­tes, mehr als 100 Jah­re al­tes in ei­ner Jagd­hüt­te im Na­tio­nal­park Kal­k­al­pen ent­deckt. Auf der weit­läu­fi­gen Jagd­mes­se in Salz­burg kann man sich auch spe­zi­ell ge­form­te Plas­tik­hör­ner kau­fen – oder ei­ne CD.

Ein Hirsch in den Do­nau­au­en klingt ganz an­ders als ei­ner aus dem Hoch­ge­bir­ge.

Das Ge­heim­nis ei­nes gu­ten Hir­schröh­rers ist, dass er nicht all­zu gut ist. „Man darf den Hirsch nicht ver­schre­cken“, sagt Ot­to Haitz­mann, pen­sio­nier­ter Be­rufs­jä­ger aus Lo­fer und Mit­glied der Ju­ry. „Wenn man all­zu mäch­tig röhrt, ver­treibt man ihn, weil er glaubt, hier ist ein weit­aus stär­ke­rer Ri­va­le.“Man müs­se al­so Ton­la­ge und Stimm­vo­lu­men an die Ge­ge­ben­hei­ten des je­wei­li­gen Re­viers an­pas­sen – ein Hirsch in den Do­nau­au­en klingt für den Pro­fi ganz an­ders als ei­ner aus dem Hoch­ge­bir­ge –, und auch an das Al­ter. Äl­te­re Hir­sche klin­gen bei­spiels­wei­se hei­ser und zor­nig, ih­re Ton­la­ge ist viel tie­fer. Als Ju­ror ach­te er spe­zi­ell dar­auf, wie breit die Dar­bie­tung des Hir­sch­ru­fers sei, sagt Haitz­mann.

An die­sem Tag röhrt Christian Hoch­leit­ner wie kein an­de­rer. Sei es ein su­chen­der Hirsch, ein Platz­hirsch oder auch beim Du­ell der Hir­sche – der 53-Jäh­ri­ge kas­siert die meis­ten Punk­te und da­mit sei­nen vier­ten Ti­tel als Staats­meis­ter im Hir­sch­ru­fen. Sohn Alex­an­der be­legt Platz vier.

Christian Hoch­leit­ner bie­tet üb­ri­gens Kur­se im Hir­sch­ru­fen an, neu­lich et­wa in ei­nem Ho­tel in St. Pöl­ten. Wenn knapp 50 Per­so­nen in ei­nem nüch­ter­nen Se­mi­nar­raum mit Whi­te­board und Pro­jek­tor ste­hen und röh­ren – das ist dann doch eher selt­sam.

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