Shen Yun: Tän­ze in himm­li­schen Sphä­ren

Die Presse am Sonntag - - Leben -

Chi­nas an­ti­ke Le­gen­den, My­then und Ge­schich­ten er­wa­chen in ei­nem spek­ta­ku­lä­ren Auf­tritt zu neu­em Le­ben – mit dem welt­weit bes­ten klas­si­schen chi­ne­si­schen Tanz­ensem­ble und ei­nem Orches­ter, das Ost und West har­mo­nisch mit­ein­an­der ver­bin­det. Der Zu­schau­er tritt ein in ei­ne Welt himm­li­schen Wun­ders, in der Schön­heit und Rein­heit nie ver­lo­ren ge­gan­gen sind.

Er­he­ben­der Tanz

Der klas­si­sche chi­ne­si­sche Tanz bil­det das Herz­stück von Shen Yun. Be­rühmt für sei­ne un­glaub­li­chen Über­schlä­ge und Mehr­fach­um­dre­hun­gen so­wie sanf­te Ele­ganz ist er ei­ne der aus­drucks­stärks­ten Kunst­for­men der Welt. Seit Tau­sen­den von Jah­ren wur­de er fort­lau­fend in­ner­halb des Kai­ser­pa­las­tes so­wie in chi­ne­si­schen Thea­tern und der Oper wei­ter­ge­ge­ben. Wäh­rend der Tanz tief­grün­di­ges Wis­sen aus je­der Ära und Dy­nas­tie auf­nahm, wur­de er zu ei­nem voll­stän­di­gen Tanz­sys­tem, das tra­di­tio­nel­le äs­the­ti­sche Prin­zi­pi­en ver­kör­pert.

In der Qing-Dy­nas­tie (1644– 1911) leb­ten jun­ge kai­ser­li­che Prin­zes­sin­nen und mand­schu­ri­sche Da­men in der Ver­bo­te­nen Stadt. Die­se Frau­en wa­ren be­rühmt für ih­re Ele­ganz und ih­ren Sinn für Mo­de. Sie tru­gen auf­wen­di­gen Kopf­schmuck mit Quas­ten. Be­reits im 17. Jahr­hun­dert be­weg­ten sie sich auf ho­hen Ab­sät­zen, die in der Mit­te der Schu­he an­ge­bracht wa­ren. Die­se Schu­he sind aus Sei­de ge­fer­tigt und mit Blu­men­sti­cke­rei­en ver­ziert. In dem Tanz­stück „Mand­schu­ri­sche Ele­ganz“schwin­gen die Tän­ze­rin­nen ih­re Ar­me sanft und voll­füh­ren klei­ne, be­hut­sa­me und an­mu­ti­ge Schrit­te mit gro­ßer Ge­schick­lich­keit. „Shen Yuns Tän­ze, vol­ler An­mut und Ele­ganz, zei­gen ein an­de­res Chi­na als das heu­ti­ge“, er­klärt die pro­mi­nen­te ja­pa­ni­sche Tän­ze­rin und Tanz­leh­re­rin Ta­chi­ba­na Shi­no. „Es er­in­nert mich an die zeit­lo­se Stim­mung des klas­si­schen Chi­nas: fein, no­bel und gran­di­os.“

Brü­cke zur Har­mo­nie

GDas Orches­ter von Shen Yun ver­eint west­li­che und öst­li­che In­stru­men­te auf ein­zig­ar­ti­ge Wei­se, un­ter an­de­rem sind Pi­pa, Suo­na, chi­ne­si­sche Flö­te, Gong und die Er­hu zu hö­ren. Die Pi­pa ist ein Zupf­in­stru­ment, das in der Tang-Dy­nas­tie (618–907) sehr po­pu­lär war. Man glaub­te da­mals, dass die Pi­pa ein Ge­schenk des Him­mels sei. Auf den Wand­ma­le­rei­en der Sei­den­stra­ßen­grot­ten in Dun­huang et­wa sieht man gött­li­che Fe­en, auf der Pi­pa spie­lend, tan­zen.

Das Mu­sik­in­stru­ment Er­hu hat ei­ne Ge­schich­te von über 4000 Jah­ren. Ob­wohl die Er­hu nur zwei Sai­ten hat, kann das In­stru­ment al­le Ge­füh­le, die das Herz be­rüh­ren, zum Aus­druck brin­gen. Die herz­er­grei­fen­de Er­hu und die fein­füh­li­ge Pi­pa fär­ben die Me­lo­die des west­li­chen Orches­ters und er­zeu­gen da­bei ei­nen har­mo­ni­schen, au­ßer­ge­wöhn­lich schö­nen Klang.

Der Kom­po­nist Ste­ven Hal­pern sagt: „Ich weiß, dass Mu­si­ker von der Ge­sell­schaft im al­ten Chi­na sehr re­spek­tiert wur­den. Mu­sik ist mehr als Un­ter­hal­tung. Am wich­tigs­ten ist, dass sie die Men­schen mit dem Gött­li­chen und dem Schöp­fer ver­bin­det.“– „Die ShenYun-Mu­sik ist ei­ne Brü­cke zu himm­li­scher Har­mo­nie“, meint auch der US-ame­ri­ka­ni­sche Ra­dio­mo­de­ra­tor Eu­ge­ne Do­lan da­zu.

Ei­ne Dy­nas­tie, ein Stil

Seit al­ter Zeit ist Chi­na als „Himm­li­sches Reich“be­kannt. „Je­de Dy­nas­tie hat ih­re ei­ge­ne Ho­fe­ti­ket­te“, be­sagt ei­ne chi­ne­si­sche Re­dens­art. Die Al­ten glaub­ten, dass sich in den himm­li­schen Pa­ra­die­sen Uns­terb­li­che be­fin­den, die zu un­ter­schied­li­chen Zei­ten als Men­schen auf der Er­de wie­der­ge­bo­ren wer­den. Ei­ni­ge wur­den Kai­ser und Be­am­te ver­schie­de­ner Dy­nas­ti­en und form­ten das Land und sei­ne Kul­tur. Sie brach­ten der Mensch­heit gött­li­che Ga­ben wie Weis­heit, Fer­tig­kei­ten und Er­fin­dun­gen, die die Dy­nas­ti­en auf­blü­hen lie­ßen.

Shen Yun zeigt die fei­ne Kunst der chi­ne­si­schen Kul­tur. Al­lein die Ko­s­tü­me der Tän­zer glei­chen ei­nem Wun­der. Hun­der­te Ko­s­tü­me und Ac­ces­soires sind aus­schließ­lich hand­ge­fer­tigt. Die Far­ben, die Stof­fe und die fei­ne Hand­werks- kunst ver­set­zen das Pu­bli­kum in die Tang-Dy­nas­tie, die Blü­te­zeit der chi­ne­si­schen Ge­schich­te, zu­rück. „Das ist das bes­te Bei­spiel, wie Stoff, Klei­dung und Är­mel die Be­we­gung be­rei­chern kön­nen und wie sie Ge­schich­ten er­zäh­len“, sagt die De­si­gne­rin Nor­ma Ka­ma­li.

Naht­lo­se In­ter­ak­ti­on

Die Büh­nen­bil­der von Shen Yun sind ma­gi­sche Fens­ter zu voll­kom­men ver­schie­den­ar­ti­gen Rei­chen: Von wei­ten, of­fe­nen Wei­de­län­dern in dem ei­nen Tanz bis hin zur Ele­ganz der Tang-Dy­nas­tie in ei­nem an­de­ren; von stau­bi­gen gel­ben Schlacht­fel­dern bis hin zu tro­pi­schen Strän­den, von Hi­ma­la­ja­gip­feln zu den Ufern des Gel­ben Flus­ses. Da­von schwärmt auch der mehr­fa­che To­ny-Award-Ge­win­ner und CEO des New Yor­ker Pa­lace Thea­t­re, Stewart F. La­ne: „Shen Yun ist ei­ne Show der Spit­zen­klas­se! Ich mag die Sze­nen­wech­sel wie schwe­ben­de Wol­ken und flie­ßen­des Was­ser sehr – ei­ne naht­lo­se In­ter­ak­ti­on. Das Büh­nen­bild ist ei­ne le­ben­di­ge Ein­heit. So ei­ne ori­gi­nel­le Pro­duk­ti­on ha­be ich noch nie er­lebt.“

Kör­per und Geist un­trenn­bar

„Re­spek­tie­re den Him­mel, um dein Schick­sal zu ken­nen.“Chi­ne­sen spre­chen von „Tian Ren He Yi“– Men­schen und Him­mel in Ein­klang brin­gen. Im al­ten Chi­na leg­ten Künst­ler Wert auf Tu­gend, Ler- nen und Me­di­ta­ti­on, sie nah­men sich den al­ten chi­ne­si­schen Glau­ben zu Her­zen: „Um ech­te Kunst zu er­schaf­fen, die dem Him­mel wür­dig ist, müs­sen erst in­ne­re Schön­heit und Rein­heit da sein.“

Die Künst­ler von Shen Yun fol­gen die­ser no­blen Tra­di­ti­on der in­ne­ren Kul­ti­vie­rung und ge­ben die es­sen­zi­el­len Kul­tur­ele­men­te Chi­nas an ih­re Mit­men­schen wei­ter. Prin­zi­pi­en wie An­stand, Wahr­haf­tig­keit, To­le­ranz, Gü­te und Weis­heit er­wa­chen zum Le­ben und in­spi­rie­ren das Pu­bli­kum. Die USWirt­schafts­wis­sen­schaft­le­rin Ca­rol Fran­ces sagt da­zu: „Hier er­le­be ich Re­spekt, Al­tru­is­mus, Selbst­dis­zi­plin und his­to­ri­sche Weit­sicht – ei­ne Er­run­gen­schaft von ho­hem Ni­veau und Per­fek­ti­on, und dass Kör­per und Geist un­trenn­bar sind.“

Die Mi­ni­dra­men, die Shen Yun aus Ge­schich­ten und Le­gen­den zeich­net, span­nen sich durch Chi­nas Ge­schich­te vom Gel­ben Kai­ser über die Tang- und Song-Dy­nas­tie bis in die Mo­der­ne. Be­rührt äu­ßern sich Zu­schau­er im­mer wie­der über die Weis­heit der dar­ge­stell­ten Er­zäh­lun­gen.

„Das Stück über ‚Die Pil­ger­rei­se nach dem Wes­ten‘ ist wie ei­ne Rei­se der Mensch­heit“, er­klärt Thea­ter­di­rek­tor Jo­sé Eli­as Mo­re­no aus Me­xi­co Ci­ty. Die ver­schie­de­nen Rol­len zei­gen ver­schie­de­ne Aspek­te der mensch­li­chen Na­tur: „Der Mönch ist ei­ne Ver­kör­pe­rung der Spi­ri­tua­li­tät, das Schwein Pig­sy stellt die ir­di­sche Sei­te des Men­schen dar und der Af­fen­kö­nig die Weis­heit. Die Auf­füh­rung spie­gelt die end­gül­ti­ge Rei­se nach in­nen wi­der. Es ist ei­ne aben­teu­er­li­che Rei­se der Spi­ri­tua­li­tät: Am En­de bil­den die ver­schie­de­nen Cha­rak­te­re ein Gan­zes.“

Ein glo­ba­les Phä­no­men

Mil­lio­nen ha­ben Shen Yun ge­se­hen: Stan­ding Ova­tions in den bes­ten Thea­tern welt­weit, An­ge­hö­ri­ge von Kö­nigs­häu­sern be­such­ten Shen Yun in Eu­ro­pa. Aus­ver­kauf­te Shows in ganz Nord­ame­ri­ka und vol­le Häu­ser in Asi­en ha­ben Shen Yun zu ei­nem in­ter­na­tio­na­len Phä­no­men wer­den las­sen.

„Das künst­le­ri­sche Ni­veau, aber auch die Kraft der über­lie­fer­ten Ori­gi­na­le und der Er­zäh­lun­gen war ver­blüf­fend“, meint auch die Schau­spie­le­rin und Os­car-Preis­trä­ge­rin Ca­te Blan­chett. „Ich ha­be schon über 3000 Shows ge­se­hen, aber nichts ist mit dem zu ver­glei­chen, was ich bei Shen Yun sah“, schreibt der Broad­way-Kri­ti­ker Richard Con­ne­ma. „Das Höchs­te und Bes­te, das ein Mensch pro­du­zie­ren kann“, fin­det die Mu­si­ke­rin Ole­va Brown-Klahn.

Wer viel­leicht schon ein­mal in Chi­na ge­we­sen ist und das Land mit ei­ge­nen Au­gen ge­se­hen hat, so, wie es heut­zu­ta­ge ist: Bei Shen Yun spürt man, das ist das wah­re Chi­na, die al­te Kul­tur, die See­le ei­ner Na­ti­on.

FO­TO: SHEN YUN PER­FOR­MING ARTS 2016

Hun­der­te hand­ge­fer­tig­te Ko­s­tü­me und Ac­ces­soires be­to­nen die Be­we­gun­gen der Tän­zer und er­zäh­len ih­re ei­ge­nen Ge­schich­ten.

FO­TOS: SHEN YUN PER­FOR­MING ARTS 2016

Die künst­le­ri­sche Dar­bie­tung bei Shen Yun ist ei­ne Rei­se durch al­le chi­ne­si­schen Dy­nas­ti­en bis ins Heu­te.

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