AL­TE STADT

Die Presse am Sonntag - - Österreich -

ge­fähr. Noch ein Blick auf die Ge­bäu­de am Lands­knecht­platz ge­gen­über des Parks. Der run­de, spät­ro­ma­ni­sche Kar­ner steht wuch­tig auf der ei­nen Sei­te, da­ne­ben die spät­ba­ro­cke Pfarr­kir­che mit ro­ma­ni­schem Fun­da­ment, und ge­gen­über das erst spä­ter ba­ro­cki­sier­te, schön re­no­vier­te Rat­haus. Wie drei ru­hen­de al­te Her­ren ste­hen sie da.

Et­was über ei­ne St­un­de dau­ert der be­schau­li­che Weg in das Zen­trum von Lan­gen­lois. Den Kaf­fee gibt es im Ur­sin-Haus am zen­tra­len Korn­platz, dort war­tet auch schon der Stadt­his­to­ri­ker Jo­hann Enn­ser, der his­to­ri­sche Tou­ren an­bie­tet. Dicht be­sie­delt war Lan­gen­lois ja schon im Mit­tel­al­ter, das Markt­recht wur­de im Jahr 1310 ver­lie­hen. Das In­ter­es­san­te da­bei: Vier­zig Häu­ser bzw. ih­re Be­sit­zer er­hiel­ten ei­nen An­teil vom um­lie­gen­den Wald als Le­hen. Und aus die­sen Vier­zi­gern wur­de ge­wis­ser­ma­ßen das Pa­tri­zi­at von Lan­gen­lois. Man war au­to­nom und wohl­ha­bend, auch dank des Wein­baus. Das Selbst­be­wusst­sein der Vier­zi­ger lässt sich an ih­ren Häu­sern rund um den zen­tra­len Korn­platz ab­le­sen, sagt Enn­ser. Da wä­re bei­spiels­wei­se das Ur­sin-Haus mit den Gie­beln in Tra­pez­form oder auch das Sgraf­fi­to-Haus ein paar Schrit­te wei­ter.

Bei der Re­no­vie­rung wur­den un­ter dem Ver­putz gro­ße Sgraf­fi­ti ent­deckt, die, so­weit es ging, wie­der­her­ge­stellt wur­den. Ei­gen­wil­lig sieht das klei­ne Ge­bäu­de aus, doch sehr an­ders als die an­de­ren Pracht­häu­ser am Korn­platz. Die Fas­sa­de zie­ren vier Frau­en, es sind die bi­bli­schen Ge­stal­ten Batseba, Ju­dith und Ja­el¨ so­wie Lu­kre­tia aus der rö­mi­schen Früh­zeit. Als bür­ger­li­che Ober­schicht moch­te man nun ein­mal Sgraf­fi­ti, scha­de, dass nicht mehr er­hal­ten ge­blie­ben ist. Enn­ser er­zählt auf dem Weg in die Pfarr­kir­che, dass es die Vier­zi­ger heu­te noch gibt. Nur sind es mitt­ler­wei­le dop­pelt so vie­le. Kno­chen­hŻu­fen. Vor­bei geht es an der im­po­san­ten Drei­fal­tig­keits­säu­le. Weil die Pest im Jahr 1713 Lan­gen­lois ver­schont hat, wa­ren es die Bür­ger selbst, die aus Dank­bar­keit die Säu­le ha­ben er­rich­ten las­sen. Und dann über den Lois-Bach, den Na­mens­ge­ber der Stadt. Hin­ter vie­len Häu­sern, das ist auf den ers­ten Blick nicht er­sicht­lich, er­stre­cken sich wun­der­bar idyl­li­sche Ar­ka­den­hö­fe. Vor der Pfarr­kir­che holt Enn­ser die Schlüs­sel her­vor und bit­tet durch die en­ge Trep­pe in das Ge­wöl­be. Hier wur­de 1982 bei Re­no­vie­rungs­ar­bei­ten ein rie­si­ger Kno­chen­hau­fen ent­deckt. Es muss der Kar­ner ge­we­sen sein, von dem in den his­to­ri­schen Qu­el­len oft die Das weiß-graue Ur­sin-Haus und die Drei­fal­tig­keits­säu­le. Re­de ist, der aber nie lo­ka­li­siert wer­den konn­te. Der da­ma­li­ge Pfar­rer hat die Kno­chen sorg­sam auf­ein­an­der­ge­sta­pelt, ganz oben die Schä­del. Ein we­nig un­heim­lich ist es schon, hier un­ten im Halb­dun­kel. Haupt­säch­lich die Ober­schen­kel­kno­chen wur­den hier ver­wahrt, sagt Enn­ser. Was mit dem Rest pas­siert ist? Wir wis­sen es nicht.

Die selbst­be­wuss­te Au­to­no­mie von Lan­gen­lois lässt sich auch an­hand der klei­nen jü­di­schen Ge­mein­de nach­zeich­nen, die ab 1623 fünf Jahr­zehn­te lang hier exis­tier­te, bis zur gro­ßen Ver­trei­bung aus Wi­en und Nie­der­ös­ter­reich. Die jü­di­schen Händ­ler Abra­ham und Isak Ries ba­ten Lan­gen­lois um Er­laub­nis für ih­re Nie­der­las­sung, und die da­ma­li­ge Markt­ge­mein­de sag­te Ja. Es ist der ein­zi­ge Fall, der uns be­kannt ist, in der ei­ne Kom­mu­ne auf dem Land der Bis ins Mit­tel­al­ter hin­ein ist der Wein­bau in be­legt. 1310 er­hielt Lan­gen­lois Markt­recht und wur­de zu ei­ner wohl­ha­ben­den Ge­mein­de. Die Ober­schicht bil­de­ten die Vier­zi­ger, al­so 40 Häu­ser, die mit Land aus­ge­stat­tet wor­den sind. Rund um den zen­tra­len

sind ei­ni­ge der Vier­zi­ger-Häu­ser gut er­hal­ten.

LŻn­gen­lois

Korn­plŻtz

Der Stadt­his­to­ri­ker Jo­hann Enn­ser bie­tet Tou­ren durch Lan­gen­lois an. Kon­takt über die Tou­ris­mus­stel­le im Ur­sin-Haus. Tel.: 02734 2000-0 oder in­fo@ursin­haus.at Nie­der­las­sung von Ju­den und ih­rer frei­en Re­li­gi­ons­aus­übung zu­stimm­te. Man fürch­te­te of­fen­bar nicht, wie an­dern­orts, die Kon­kur­renz, schließ­lich wa­ren man die Lan­gen­loi­ser Wein­bau­ern und die Ju­den vor­nehm­lich Händ­ler. Viel ist vom jü­di­schen Lan­gen­lois nicht üb­rig ge­blie­ben. Die Ru­dolf­stra­ße war die al­te Ju­den­gas­se, und im Gast­haus zur Wei­ßen Ro­se dürf­te ein ehemaliges jü­di­sche Bet­haus ein­ge­rich­tet ge­we­sen sein. Kin© ©es Teu­fels, wer sich nicht freut. Enn­ser steht vor dem ehe­ma­li­gen Gast­hof und deu­tet auf ein Wap­pen hin, das der Er­bau­er des Ge­bäu­des, Leo­pold Tan­ner, 1548 für sich an­brin­gen ließ. In der In­schrift heißt es sinn­ge­mäß, dass je­ner ein Kind des Teu­fels sein muss, der sich nicht an Es­sen und Trin­ken er­freut. Für den ei­nen oder an­de­ren Be­woh­ner mag es da­mals ein Fingerzeig Got­tes ge­we­sen sein, dass Tan­ner just in dem Jahr starb, als die In­schrift ent­stand. Die An­ek­do­te soll die Be­su­cher aber nicht da­von ab­hal­ten, zum Ab­schluss der Tour doch ein Glas Wein zu trin­ken. Man ist ja in Lan­gen­lois.

In der Kir­che wur­de der Kar­ner ent­deckt, der lan­ge Zeit nicht lo­ka­li­siert wer­den konn­te.

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