Al­te Hen­nen auf Wod­ka

Le­ge­hen­nen. Wer in sei­nem Gar­ten Hüh­ner hal­ten will, der braucht ge­nug Platz. Die Wie­se ist die Wei­de des Fe­der­viehs, doch ir­gend­wann kommt je­de Hen­ne in die Jah­re. Und was dann?

Die Presse am Sonntag - - Garten - VON UTE WOL­TRON

Des Früh­lings hol­der, be­le­ben­der Blick schweift ein­deu­tig schon um­her, und die Vor­ah­nung von Os­tern geis­tert schon seit Wo­chen durch die Su­per­märk­te. Leu­te, die ein paar Hüh­ner hal­ten und in drei Wo­chen an­läss­lich des Fes­tes Eier fär­ben wol­len, be­gin­nen jetzt, die wei­ßen un­ter ih­nen zu sam­meln. Die Er­wäh­nung die­ses ab so­fort täg­lich zu wie­der­ho­len­den Eier­hams­terns wirft bei in­ter­es­sier­ten Noch-nicht-Hüh­ner­hal­tern er­fah­rungs­ge­mäß so­gleich meh­re­re Fra­gen auf: War­um jetzt schon Eier sam­meln? Wel­che Hen­nen le­gen ei­gent­lich wei­ße Eier? Le­gen sie sie auch oh­ne Hahn? Und über­haupt, zahlt sich das Hüh­ner­hal­ten im ei­ge­nen Gar­ten aus? Die stets zö­ger­lich zu­letzt ge­stell­te Fra­ge: Wie alt wer­den Hüh­ner ei­gent­lich, und muss man sie et­wa ir­gend­wann ein­mal schlach­ten, Gott be­wah­re?

Hier die Ant­wor­ten in über­sicht­li­cher Chro­no­lo­gie: Die Eier wer­den recht­zei­tig ge­sam­melt, weil sie zu­min­dest ei­ne Wo­che alt sein müs­sen, will man sie nach dem Ko­chen auch schä­len kön­nen. Das fri­sche Ei gibt sein In­ne­res nur den Ge­dul­digs­ten preis, al­so je­nen, die auch vor ein­zeln ab­zu­lö­sen­den qua­drat­mil­li­me­ter­klei­nen Eier­scha­len­fit­zeln nicht ka­pi­tu­lie­ren.

Zur Scha­len­far­be: Nur Hen­nen, de­ren Haut rund um die Ohr­lö­cher weiß ist, le­gen wei­ße Eier. Die Fe­der­far­be hin­ge­gen sagt gar nichts aus. Häh­ne brau­chen sie da­zu üb­ri­gens be­glü­cken­der­wei­se nicht. Le­ge­hen­nen spen­die­ren je nach Hüh­ner­ras­se auch als zuf­rie­de­ne Singles bis zu 300 Eier pro Jahr. Das be­ant­wor­tet auch die nächs­te Fra­ge, und zwar ein­deu­tig mit Ja: Das Hal­ten von ein paar Hüh­nern ist bei we­nig Ar­beit sinn­voll. Auch glück­li­che Singles le­gen Eier. Zum ei­nen ist das Bio-Ei aus ei­ge­ner Pro­duk­ti­on in ku­li­na­ri­scher Hin­sicht an Gü­te und Köst­lich­keit mit kei­nem an­de­ren ver­gleich­bar. Zum an­de­ren er­freu­en sich Hüh­ner an fast al­lem, was in der Kü­che ab­fällt. Ein se­gens­rei­cher Kreis­lauf, doch nur, wenn ge­nug ein­ge­zäun­ter Wie­sen­platz und Gar­ten­aus­lauf vor­han­den sind. Min­des­tens vier Hen­nen soll­ten bei­sam­men sein, und zwar nicht aus Ei­gen­nutz, weil man ge­nug Eier ha­ben will, son­dern weil das Huhn Ge­sell­schaft braucht.

Nach die­sem An­lauf nun zur Sa­che: Ja, auch die in die Jah­re ge­kom­me­ne Le­ge­hen­ne wird ge­schlach­tet. Das vie­le Eier­le­gen hat ih­re In­ne­rei­en er­mü­det, das al­te Huhn neigt zu bö­sen Er­kran­kun­gen des Le­ge­darms, und wer ein paar Hüh­ner auf die­se Wei­se in gro­ßer Pein ver­en­den sah, über­win­det sei­ne Vor­be­hal­te samt der Idee, der na­tür­li­che Tod des Le­ge­huhns sei mo­ra­lisch hoch­wer­ti­ger, schnell.

Als das Schlach­ten vor Jah­ren hier zum ers­ten Mal an­stand, kam mir, war­um auch im­mer, Hans Hu­cke­bein in mei­nen be­trüb­ten Sinn: Der voll­trun­ke­ne Rabe des Wilhelm Busch – was für ein Vor­bild. Ich wür­de mei­nen bra­ven Hen­nen ei­nen ful­mi­nan­ten Ab­schied gön­nen. Ich wür­de sie ein letz­tes Mal mit den von ih­nen zeit­le­bens so ge­lieb­ten Sem­mel­wür­feln füt­tern, dies­mal al­ler­dings nicht mit But­ter­milch, son­dern mit den un­ge­lieb­ten Schnaps­be­stän­den ge­tränkt, die oh­ne­hin seit Jah­ren sinn­los in ih­ren ein­ge­staub­ten Fla­schen her­um­stan­den. Die­se treff­li­chen Hüh­ner wür­den lu­xu­ri­ös im Rausch da­hin­schei­den und, oh­ne et­was zu be­mer­ken, in den Hüh­ner­him­mel ein­ge-

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