LE­XI­KON

Die Presse am Sonntag - - Garten - UTE WOL­TRON

hen. Die Nach­ba­rin as­sis­tier­te – zwar äu­ßerst un­gern, doch als Teil­ha­be­rin und Ge­nie­ße­rin ei­nes täg­li­chen Früh­stücks­eis konn­te sie nicht so leicht um­hin. Wir tra­fen uns früh­mor­gens vor dem Ge­he­ge, gos­sen die ur­al­ten Wod­ka-, Te­qui­la- und Obst­ler­be­stän­de über die Sem­mel­wür­fel und bo­ten sie dem Fe­der­vieh dar. Es fraß sie gern auf.

Die Nach­ba­rin und ich war­te­ten, doch es passierte nichts. Die Hüh­ner zeig­ten kei­ne An­zei­chen ei­nes Schwip­ses. Sie brau­chen mehr, sag­te ich und schob ei­ne Par­tie ge­tränk­ter Sem­meln nach. Wie­der nichts. Mög­li­cher­wei­se, arg­wöhn­ten wir, war der Al­ko­hol ver­raucht, die Schnäp­se nur noch Wäs­ser­chen. Wir kos­te­ten ein biss­chen aus al­len Fla­schen, und da es früh­mor­gens war und noch vor der Früh­stücks­zeit, be­merk­ten wir sehr schnell, dass durch­aus noch ge­nug Al­ko­hol vor­han- über mit ei­nem sehr fe­schen weiß ge­tüp­fel­ten Laub. Ro­bust und hübsch ist auch die Schaum­blü­te, Tia­rel­la cor­di­fo­lia, die sich selbst un­ter Bäu­men wohl­fühlt. Die vor Kur­zem an die­ser Stel­le er­wähn­te El­fen­blu­me ver­trägt auch Tro­cken­heit und ist, wenn ein­mal ein­ge­wur­zelt, un­ver­wüst­lich. Auch auf den ra­sant die Um­ge­bung er­obern­den Bal­kan-Storch­schna­bel dür­fen Ho­he­lie­der ge­sun­gen wer­den. Oder ein­fach ein Stück Wie­se. Bo­den­de­cker für son­ni­ge Stand­or­te gibt es auch, et­wa tep­pich­bil­den­de Thy­mia­ne, Gold­körb­chen und Sil­ber­wurz, Woll­zies­te in meh­re­ren Grö­ßen, Mau­er­pfef­fer und die far­ben­fro­hen Pols­ter­phlo­xe. Letz­te Va­ri­an­te: Las­sen Sie ein Stück Wie­se ste­hen, freu­en Sie sich am sum­men­den Le­ben da­rin und ge­nie­ßen Sie es, nur zwei­mal jähr­lich mä­hen zu müs­sen.

Le­ge­huhn.

In kom­mer­zi­el­len Be­trie­ben wer­den Le­ge­hen­nen be­reits nach zwölf bis 15 Mo­na­ten ge­schlach­tet, weil die Le­ge­leis­tung nach­lässt.

Fleisch­huhn.

Das Hendl aus dem Su­per­markt ist auf Mus­kel­mas­sen­pro­duk­ti­on ge­züch­tet und hat sich bin­nen 33 Ta­gen auf Schlachtrei­fe her­an­ge­fres­sen. Nicht hy­bri­de, al­te Hüh­ner­ras­sen brau­chen da­für Mo­na­te.

Ethik.

Die hei­mi­schen Stan­dards in Sa­chen Hüh­ner­hal­tung sind deut­lich hö­her als je­ne im EU-Aus­land, was man beim Ein­kauf doch auch be­den­ken soll­te. Wel­che Hen­ne legt wei­ße Eier? Die Fe­der­far­be ist egal, wich­tig ist die Haut um die Ohr­lö­cher. den war. Wäh­rend wir denn bald un­ter ei­nem Ap­fel­baum im Gras la­gen, Ma­ri­en­kä­fer in Au­gen­hö­he be­trach­te­ten und recht gut ge­launt wa­ren, pick­ten die Hen­nen auf der an­de­ren Sei­te des Hüh­ner­zauns in nüch­ter­nem Ernst wei­ter nach Kör­nern und Kä­fern, als ob nichts ge­we­sen wä­re. Trink­fes­te Hüh­ner. „Die sind trink­fes­ter als al­te See­bä­ren“, be­merk­te die Nach­ba­rin, an ei­nem Gras­halm kau­end. „Je­den­falls trink­fes­ter als wir“, sag­te ich und be­schloss, ein Vor­mit­tags­schläf­chen ein­zu­le­gen. Die­ses Ex­pe­ri­ment, das war bei spä­te­rer nüch­ter­ner Be­trach­tung nicht von der Hand zu wei­sen, war miss­glückt. Doch las­sen Sie bit­te Mil­de mit uns wal­ten. Wir stan­den da­mals erst am An­fang. Mitt­ler­wei­le sind wir Pro­fis. Bis da­hin wa­ten die Hüh­ner bauch­tief im Wie­sen­glück.

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