Spiel­raum

EIN STEIL­PASS IN DIE TIE­FE DES SPORTS

Die Presse am Sonntag - - Sport -

Sport wur­de frü­her an sich mit Schweiß, Leis­tung und Fair­ness as­so­zi­iert. Er steht aber auch für Ge­sund­heit, wie ei­ne jüngs­te Stu­die der ös­ter­rei­chi­schen Bun­des­sport­or­ga­ni­sa­ti­on (BSO) mit Zah­len er­neut ein­drucks­voll be­leg­te. Die Ent­wick­lung in den ver­gan­ge­nen Jah­ren stimmt je­doch nach­denk­lich, Sport wird zu­se­hends von Be­trug und Lü­gen ge­prägt, Heu­che­lei macht sich breit.

Die Ver­lo­gen­heit im Sport ver­ur­sacht ein kal­tes Schau­dern, was und wem kann man, darf man denn noch glau­ben? Der Fisch fängt wie so oft am Kopf zu stin­ken an. Fuß­ball-WM-Ver­ga­ben sind ein ab­ge­kar­te­tes Spiel, selbst das deut­sche Som­mer­mär- chen wirft wei­ter­hin sei­ne Schat­ten. Von den um­strit­te­nen End­run­den in Russ­land 2018 und in Ka­tar 2022 ganz zu schwei­gen.

Der Ur­sprung des Be­trugs im Sport wur­zelt wohl im Do­ping, Fäl­le und ge­fal­le­ne Stars gibt es zu­hauf; auch in Ös­ter­reich, hier ist Sport auch wahr­lich kei­ne In­sel der Se­li­gen. Fuß­ball­spie­le wur­den ma­ni­pu­liert, es gab und gibt Do­ping­fäl­le und den Miss­brauch von För­der­gel­dern. Auch die Par­tei­po­li­tik hat mehr Ein­fluss, als nai­ve Be­ob­ach­ter glau­ben. Wer hin­ter die Ku­lis­sen blickt, der wird fest­stel­len, dass hier­zu­lan­de ei­ni­ges nicht stimmt. Vor al­lem in Sa­chen Sport­för­de­rung: Bei der Un­zahl an För­der­töp­fen ist das Di­ckicht kaum zu ent­wir­ren. Das wird auch Sport­mi­nis­ter Hans Pe­ter Do­sko­zil bald fest­stel­len. Er wird auf Pro­porz sto­ßen, ei­ne Heer­schar voll­kom­men ah­nungs­lo­ser Selbst­dar­stel­ler. Die Aus­sicht auf Bes­se­rung ist nur ei­ne Il­lu­si­on.

Auch im in­ter­na­tio­na­len Sport kann man sich über ei­ni­ge Din­ge nur noch wun­dern, et­wa über die Wahl des neu­en Fifa-Prä­si­den­ten. Blat­ter-Nach­fol­ger wur­de Gi­an­ni In­fan­ti­no, ein Mann des Sys­tems, des­sen Fort­be­stand er eher be­wah­ren denn be­en­den dürf­te. In­fan­ti­no hat­te zu­vor schon mit dem ge­sperr­ten Ue­fa-Chef Mi­chel Pla­ti­ni ver­hin­dert, dass sich im in­ter­na­tio­na­len Fuß­ball et­was in Rich­tung Good Go­ver­nan­ce, gu­ter Un­ter­neh­mens­füh­rung, be­wegt.

Nach­denk­lich stim­men ei­nen auch die bis­lang harm­lo­sen Re­ak­tio­nen des in­ter­na­tio­na­len Leicht­ath­le­ti­kver­bands auf die auf­ge­deck­te Do­ping­pro­ble­ma­tik. Afri­kas nicht zu leug­nen­de Sün­den wur­den die­ser Ta­ge kur­zer­hand mit dem Er­halt ei­nes pres­ti­ge­träch­ti­gen Dia­mond-Le­ague-Mee­tings be­lohnt. Es geht um Glo­ba­li­tät, Geld, Wer­bung – das Ge­schäft. Dass rus­si­sche Leicht­ath­le­ten we­gen der Do­ping­sper­re im Au­gust tat­säch­lich nicht zu Olym­pia in Rio de Janei­ro fah­ren wer­den, will/kann doch auch nie­mand ernst­haft glau­ben. Da der Sport kaum noch glaub­wür­dig ist.

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