Ma­schi­nen­raum

VOL­LE KRAFT VOR­AUS DURCH DIE TECH­NIK­WELT

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug -

Da­mit da ja kei­ne Be­schwer­de auf­kommt: Selbst­ver­ständ­lich ha­be ich die Re­gis­trier­kas­sen­mes­se der Wirt­schafts­kam­mer be­sucht. An ei­nem Ort, den ich noch als tol­le Lo­ca­ti­on für Rock­kon­zer­te und Club­bings in Er­in­ne­rung ha­be: den So­phi­en­sä­len in Wi­en. Dass die­ses 2001 ab­ge­brann­te und mit Kul­tur­gel­dern re­no­vier­te Bau­denk­mal heu­te vor­ran­gig als schnö­de Bu­si­ness­lo­ca­ti­on dient, tut im Her­zen weh.

Aber es soll ja hier um Re­gis­trier­kas­sen ge­hen. Sie gab es dort ein paar Ta­ge lang auf ei­nem Fleck kon­zen­triert zu se­hen, zu prü­fen und zu be­wer­ten. Für je­den Un­ter­neh­mer, der im­mer noch nicht die Vor­ga­ben des Fi­nanz­mi­nis­ters er­füllt, aber auch für ei­nen Tech­nik­ko­lum­nis­ten, der sich seit Mo­na­ten mit dem The­ma her­um­plagt, ei­ne gu­te Sa­che. Ver­meint­lich. Denn bei nä­he­rer Be­trach­tung ver­dich­tet sich das Cha­os eher, als dass sich die Ne­bel lich­ten. „He, Un­ter­neh­mer, du Op­fa!“, brüllt, winkt und blinkt es ei­nem schon von Wei­tem ent­ge­gen (hier kon­kret am Stand von web­kas­se.at), aber auch „Wir hel­fen Dir!!!“. Drei Ruf­zei­chen, wohl­ge­merkt.

Kon­kret be­deu­tet dies, dass ei­nem freund­li­che Men­schen Vi­si­ten­kar­ten über­rei­chen, Pro­spekt­ma­te­ri­al in die Hand drü­cken und zu­min­dest an­fäng­lich in­ter­es­siert wir­ken. Stellt man aber läs­ti­ge Fra­gen wie „Läuft Ih­re Soft­ware auch auf MacOSX?“, „Wie geht Ihr Sys­tem mit Dif­fe­renz­be­steue­rung um?“, „Was pas­siert bei ei­nem Netz­aus­fall?“oder „Wo­für ge­nau ver­lan­gen Sie die jähr­li­che Ser­vice­pau­scha­le?“, geht die Stim­mung rasch in den Kel­ler. Man merkt – auch an An­bie­ter­na­men wie Cab­cash, Gas­tro­no­vi oder GastroAs­sis­tent –, dass man als Ne­ben­er­werbs­schall­plat­ten­händ­ler nicht zur en­ge­ren Ziel­grup­pe ge­hört. Und sich Se­cond Hand-LPs von Pink Floyd, Aphex Twin oder Wolf­gang Am­bros nicht oh­ne ab­sur­den Auf­wand in Wa­ren­grup­pen zwän­gen las­sen, oh­ne die es aber meis­tens nicht geht.

Üb­ri­gens: Die Fra­ge, wer die Soft­ware pro­gram­miert hat und war­um die Be­nut­zer­ober­flä­chen viel­fach so kin­der­gar­ten­mä­ßig kun­ter­bunt, un­ele­gant und rasch ge­strickt wir­ken, kommt nicht an. Fa­zit: Da wit­tern ei­ni­ge die Chan­ce, mit­ten im To­hu­wa­bo­hu Rei­bach zu ma­chen, aber das ist nicht ver­bo­ten. Was ich jetzt schon zu pro­gnos­ti­zie­ren wa­ge: Das wird noch lus­tig – nicht zu­letzt für die Fi­nanz­be­am­ten, die sich mit manch vier­tel­durch­dach­ter und halb­fer­ti­ger Lö­sung und de­ren gries­grä­mi­gen Nut­zern her­um­schla­gen wer­den dür­fen.

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