»Man darf nur nicht lang­wei­len«

Die Presse am Sonntag - - Menschen -

Ei­gent­lich war Mark Ruf­fa­lo, der nächs­tes Jahr sei­nen 50er fei­ert, schon knapp dar­an, das mit der Schau­spie­le­rei ganz zu las­sen – trotz ei­ni­ger viel be­ach­te­ter Per­for­man­ces („You Can Count on Me“, „30 über Nacht“) blie­ben die wirk­lich in­ter­es­san­ten An­ge­bo­te aus, die Kar­rie­re woll­te ein­fach nicht ab­he­ben. Und dann wur­de bei Ruf­fa­lo 2002 auch noch ein Hirn­tu­mor dia­gnos­ti­ziert, ei­ne Ge­sichts­hälf­te war ge­lähmt. Das En­de? Mit­nich­ten: Heu­te ist der cha­ris­ma­ti­sche Wahl-New-Yor­ker wie­der voll­stän­dig ge­sund, hat drei Os­carno­mi­nie­run­gen („The Kids Are All Right“, „Fox­cat­cher“, „Spot­light“), ei­nen Su­per­hel­den-Dau­er­ver­trag (als Hulk in den Mar­vel-Ver­fil­mun­gen) in der Ta­sche und da­zu ei­ne grund­so­li­de Ein­stel­lung: „Für mich zählt im Le­ben die Wahr­heit. Und mei­ne Frau und mei­ne drei Kin­der.“ In „Spot­light“spie­len Sie den Jour­na­lis­ten Mi­ke Re­zen­des, der mit sei­nem Team An­fang der Nul­ler­jah­re ei­nen Pä­do­phi­lieskan­dal in der ka­tho­li­schen Kir­che in den USA auf­deck­te. Ha­ben Sie Re­zen­des ken­nen­ge­lernt? Mark Ruf­fa­lo: Ja, ich ha­be auch ziem­lich viel Zeit mit ihm ver­bracht und ihm bei der Ar­beit zu­ge­se­hen. Ich ha­be viel von ihm ge­lernt. Re­zen­des ist ein fas­zi­nie­ren­der Typ, sehr fo­kus­siert, in­tel­li­gent und hart­nä­ckig im­mer auf der Su­che nach der Wahr­heit. Da­bei hat er auch was von ei­nem Out­law, ei­nem Punk. Wie per­sön­lich war die­se Sto­ry für ihn? Sein Ver­hält­nis zur ka­tho­li­schen Kir­che war si­cher ein we­sent­li­cher An­trieb, kei­ne Fra­ge. Er war als Ju­gend­li­cher gläu­bi­ger Ka­tho­lik, trat aber dann aus, aus Pro­test ge­gen die po­si­ti­ve Hal­tung der Kir­che zum Viet­nam­krieg: Er fand, die Kir­che wür­de mit der­ar­ti­gen po­li­ti­schen Kom­men­ta­ren ein­deu­tig ih­ren Ver­ant­wor­tungs­be­reich über­schrei­ten. Und dann wähl­te er den Jour­na­lis­mus als sei­ne Platt­form, um für das Gu­te in der Welt zu kämp­fen. Sie ha­ben schon öf­ters re­al exis­tie­ren­de Per­so­nen ge­spielt. Ja, weil de­ren Ge­schich­ten oft in­ter­es­san­ter und fas­zi­nie­ren­der sind als al­les, was man er­fin­den könn­te. Die Rea­li­tät hält sich ja nicht an Er­zähl­struk­tu­ren und Sto­ry-Bö­gen. Au­ßer­dem fin­de ich es span­nend, ei­ne tat­säch­lich exis­tie­ren­de Per­son ei­ner­seits mög­lichst na­he am Vor­bild zu spie­len, und an­de­rer­seits trotz­dem all mei­ne künst­le­ri­sche Krea­ti­vi­tät da­bei ein­zu­set­zen.

Mark Ruf­fa­lo,

ge­bo­ren 1967, wuchs in Wis­con­sin auf. Als Te­enager zog er mit sei­nen El­tern nach San Die­go und stu­dier­te nach der High­school am Stel­la Ad­ler Con­ser­va­to­ry in L.A.

Ab dem Jahr 2000

wur­de er, der schon neun Jah­re als Büh­nen­schau­spie­ler tä­tig war, be­kann­ter und spielt seit­her in er­folg­rei­chen Ki­no­fil­men. Seit 2000 ist Mark Ruf­fa­lo mit Schau­spie­le­rin Chris­ti­na Sun­ri­se Coi­g­ney ver­hei­ra­tet. Die bei­den sind El­tern von drei Kin­dern. Wenn Sie Fi­gu­ren wie den Su­per­hel­den Hulk in den Mar­vel-Block­bus­tern spie­len, ist Ih­re Her­an­ge­hens­wei­se dann ganz an­ders als an ei­ne Cha­rak­ter­rol­le? Ei­gent­lich nicht. Als man mir da­mals den Hulk an­ge­bo­ten hat, glaub­te ich ja so­wie­so zu­erst an ei­nen Irr­tum. Aber dann hat mir Re­gis­seur Joss Whe­don er­klärt, war­um sie ge­nau mich woll­ten: weil sie die Fi­gur so glaub­wür­dig wie mög­lich ma­chen woll­ten. Es ist ja nicht so, dass man da aufs Set geht, dir je­mand ein Dreh­buch in die Hand drückt und sagt: „Spiel das!“Auch Su­per­hel­den­fil­me sind ein krea­ti­ver Pro­zess. Und wis­sen Sie, letzt­lich kommt es für mich bei je­der Rol­le auf das­sel­be an: Was im­mer du tust, mach es nie lang­wei­lig. Man darf al­les tun, nur nicht das Pu­bli­kum lang­wei­len. Hat­ten Sie kei­ne Be­den­ken, dass man Sie auf die Su­per­hel­den­rol­le fest­ma­chen wür­de? Ehr­lich ge­sagt schon, ja. Ich ha­be mit ei­nem Kol­le­gen dar­über ge­spro­chen, und der mein­te zu mir: „Glaubst du wirk­lich, dass all die in­ter­es­san­ten Re­gis­seu­re nach dei­nen Block­bus­ter-Auf­trit­ten noch mit dir ar­bei­ten wol­len?“ Aber an­schei­nend wol­len sie doch im­mer noch (lacht). Sie ha­ben für „Spot­light“ih­re drit­te Os­car­No­mi­nie­rung be­kom­men und sind ein Star – doch noch vor nicht all­zu lan­ger Zeit konn­ten Sie nicht von der Schau­spie­le­rei le­ben. Ja, ich ha­be mein Geld als Bar­mann ver­dient und im­mer ge­hofft, dass bald die gro­ßen Rol­len kom­men wür­den. Und dann, 2002, wur­de bei mir ein Hirn­tu­mor fest­ge­stellt. „Das war’s dann wohl“, dach­te ich und stell­te mich auf ei­ne Lauf­bahn als Kell­ner und Re­gis­seur von In­de­pen­dent-Fil­men ein (lacht). Lus­ti­ger­wei­se be­gan­nen kurz dar­auf je­de Men­ge An­ge­bo­te ein­zu­tru­deln. Und zwar wirk­lich in­ter­es­san­te Sa­chen. Und jetzt ha­ben Sie es ge­schafft. Kell­nern wer­den Sie wohl nie mehr müs­sen. Viel­leicht ist das al­les pas­siert, weil ich eben nicht mehr dar­an ge­glaubt ha­be? Es ist wohl wie mit der Lie­be: Wenn man es mit al­ler Kraft will, dann funk­tio­niert es nicht. Man muss ganz lo­cker blei­ben. Oder we­nigs­tens sehr gut da­rin sein, so zu tun, als ob man ganz lo­cker wä­re.

Reu­ters

– und dann schon fast ab­ge­schlos­sen sei­ner Schau­spiel­kar­rie­re Mark Ruf­fa­lo hat­te mit

in­ter­es­san­ten An­ge­bo­te. ka­men plötz­lich die rich­tig

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