Sou­lig ver­ton­te Ero­tik

Im­mer noch be­liebt: die Por­no­film-Sound­tracks der Sieb­zi­ger.

Die Presse am Sonntag - - Kultur - SA­MIR H. KÖCK

Als die Ra­re Groo­ves der afro­ame­ri­ka­ni­schen Sze­ne En­de der Acht­zi­ger­jah­re bei­nah al­le wie­der auf­ge­legt wa­ren, ka­men Plat­ten­la­bels dar­auf, dass auch die Por­no­fil­me der Sieb­zi­ger hoch­wer­ti­ge Sound­tracks hat­ten. In ra­scher Fol­ge ka­men die Film­songs von ero­ti­schen Strei­fen wie „Deep Throat“, „Deb­bie Does Dal­las“und „The De­vil in Miss Jo­nes“her­aus. Es ent­wi­ckel­te sich ei­ne Art „Por­no­groo­ve“, cha­rak­te­ri­siert durch ex­zes­si­ven Ein­satz von Ham­mond­or­geln, Sa­xo­fo­nen, Bon­gos und mit Wah-Wah-Pe­dal ge­spiel­ten E-Gi­tar­ren. Wenn die un­be­kann­ten Vo­ka­lis­ten in Ger­ard Da­mia­nos „Deep Throat“ei­ne Zei­le wie „De­eper and de­eper, in­si­de of you my lo­ve grows“san­gen, dann hat­te das er­staun­lich sou­li­ge, fast ro­man­ti­sche Qua­li­tä­ten.

Die Up­tem­po-Stü­cke füll­ten in den Neun­zi­ger­jah­ren die Tanz­flä­chen schi­cker Clubs auch in Wi­en. Die Mu­si­ker zo­gen es meist vor, an­onym zu blei­ben. Ei­ne Aus­nah­me war der Schlag­zeu­ger Ber­nard Pret­ty Pur­die, der für Gran­den von Are­tha Fran­klin bis Mi­les Da­vis spiel­te. Er hat­te kei­ne mo­ra­li­schen Pro­ble­me, sich zur aus­ge­zeich­ne­ten Mu­sik von „Lial­eh“(1974) zu be­ken­nen, in der sich rol­len­de Shuf­fle-Beats zu ge­fähr­lich tö­nen­den Soul-Jazz-Groo­ves leg­ten. Ru­hi­ger ging es in den Sound­tracks der ero­ti­schen Film­rei­he „Ema­nu­el­le“zu. Das von Ni­co Fi­den­co kom­po­nier­te „Black Ema­nu­el­le“be­sitzt heu­te noch al­ler­größ­ten Charme. Klän­ge für Ta­ran­ti­no. Mit­te der Neun­zi­ger­jah­re wur­de die von den deut­schen Mu­si­kern Man­fred Hüb­ler und Sieg­fried Schwab ge­stal­te­te, ziem­lich psy­che­de­li­sche Mu­sik zu „Vam­py­ros Les­bos“und „Sie tö­te­te in Ek­s­ta­se“neu auf­ge­legt. 1997 setz­te Re­gis­seur Qu­en­tin Ta­ran­ti­no Aus­zü­ge die­ser Sounds in sei­nem Strei­fen „Ja­ckie Brown“ein. Beim glei­chen La­bel wie die Mu­sik zu „Vam­py­ros Les­bos“er­schie­nen spä­ter Gert Wil­dens Klän­ge zur Rei­he „Schul­mäd­chen-Re­port“. Und von ele­gan­tes­ter Mach­art ist die Mu­sik, die Ber­to­luc­cis „Last Tan­go in Pa­ris“1972 ve­re­del­te. Kein Ge­rin­ge­rer als der ar­gen­ti­ni­sche Jazz-Sa­xo­fo­nist Ga­to Bar­bie­ri schuf da mit ele­gi­schen Tan­go­k­län­gen je­ne Stim­mung, die die Haupt­dar­stel­ler Ma­ria Schnei­der und Mar­lon Bran­do welt­ver­ges­sen „das Tier mit den zwei Rü­cken“(Sha­ke­speare) ma­chen ließ.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.