Trump, »der blon­de Ber­lus­co­ni« der USA

Aus ©er Dis­tŻnz se­hen bri­ti­sche Wo­chen­zeit­schrif­ten ©en re­puã­li­kŻ­ni­schen Spit­zen­rei­ter Żls ein Żã­sto­ßen©es Bei­spiel für ©en US-WŻhl­kŻmpf. Am h´rtes­ten geht ein LeiããlŻtt ©er Kon­ser­vŻ­ti­ven mit ©em Mil­liŻr©´r um – FŻ­schis­mus­ver©Żcht.

Die Presse am Sonntag - - Medien - VON NOR­BERT MAY­ER

Kann Do­nald Trump tat­säch­lich Prä­si­dent der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka wer­den? Der Me­dia­tor meint: Aber ja! „It’s a free coun­try.“Im­mer­hin ist es doch schon fast zwölf Jah­re her, dass ein ver­hal­tens­auf­fäl­li­ger Mul­ti­mil­lio­när ins Ren­nen ge­schickt wur­de, der die Wahl für die Re­pu­bli­ka­ner dann auch ge­won­nen hat. War­um sol­len sie al­so nicht ei­nen dem­ago­gi­schen Mul­ti­mil­li­ar­där no­mi­nie­ren, der so tut, als wür­de er nicht zum Esta­blish­ment ge­hö­ren?

Um­bruch­zei­ten be­güns­ti­gen Bi­zar­res. Al­lein in den ver­gan­ge­nen 40 Jah­ren gab es ei­nen blau­äu­gi­gen Erd­nuss­far­mer, ei­nen cha­ris­ma­ti­schen B-Mo­vie-Star und ein Trai­ler-Park-Kid, die den (trü­ge­ri­schen) Ein­druck ver­mit­tel­ten, sie er­neu­er­ten das Sys­tem. Die al­ten Netz­wer­ke aber be­sorg­ten ih­nen Geld und Ap­pa­ra­te für Wahl­kämp­fe.

Die Schön­heit der De­mo­kra­tie be­steht nicht zu­letzt da­rin, dass sich al­le ir­ren dür­fen. Wie aber se­hen bri­ti­sche Me­di­en, Blät­ter al­so aus dem neu­zeit­li­chen Mut­ter­land von Frei­heit und Gleich­heit, die lau­fen­den Kam­pa­gnen in ih­ren seit 1776 ab­spens­ti­gen Ex-Ko­lo­ni­en? Was fan­gen die fei­nen Ma­ga­zi­ne in Lon­don mit der Kunst­fi­gur Do­nald Trump an, nach­dem der Su­per Tu­es­day die­se Wo­che ah­nen ließ, dass der Spit­zen­rei­ter der Rech­ten und Kon- ser­va­ti­ven, wie­wohl bei vie­len in der ei­ge­nen Par­tei un­ge­liebt, ja so­gar ver­ach­tet, im No­vem­ber ge­gen die de­mo­kra­ti­sche Kan­di­da­tin Hil­la­ry Cl­in­ton um das höchs­te Amt kämp­fen wird?

Der kon­ser­va­ti­ve Spec­ta­tor ist ent­setzt über Trump. Auf dem Ti­tel­blatt ist er als Frei­heits­sta­tue ab­ge­bil­det, die Fri­sur wur­de zur Ka­ri­ka­tur, das Ge­sicht zur Gri­mas­se ver­zerrt. Er streckt dem Be­trach­ter den rech­ten Mit­tel­fin­ger ob­szön ent­ge­gen: „Ame­ri­ca turns nas­ty“lau­tet die Schlag­zei­le. In ei­nem Fea­tu­re er­klärt Fred­dy Gray, dass in Trumps Ame­ri­ka „Gier groß und Ge­mein­heit schön ist“. Man müs­se die Rea­li­tät er- ken­nen: Trump wer­de am 8. No­vem­ber der Kan­di­dat der Re­pu­bli­ka­ner sein, „ein wet­tern­der Dem­ago­ge mit mehr als nur dem Hauch ei­nes ver­rück­ten Dik­ta­tors an sich könn­te in der mäch­tigs­ten Na­ti­on der Welt das Sa­gen ha­ben“. Das ver­stört den bri­ti­schen Be­ob­ach­ter. Trump wer­de fast si­cher ge­gen Cl­in­ton an­tre­ten – ge­gen ei­ne Frau, die noch nie ei­ne wich­ti­ge Wahl ge­won­nen ha­be, „ein per­fek­tes Bei­spiel für die üb­le Eli­te, die von US-Wäh­lern so sehr ver­ach­tet wird“. Für den Spec­ta­tor ist das Ehe­paar Cl­in­ton „ge­nau­so ver­dor­ben wie Trump“. Wer an ei­ne li­be­ra­le De­mo­kra­tie glau­be, müss­te nun alar­miert sein. Zi­vi­li­sier­tes ha­be kei­nen Platz im Wahl­kampf: „Trump bie­tet nur ei­ne Art An­ti­mo­ral.“Der Be­griff „Fa­schist“pas­se gut zu ihm.

Re­la­tiv ge­las­sen re­agiert der recht weit links ste­hen­de New Sta­tes­man auf den ra­bia­ten Im­mo­bi­li­en­hai. Pe­ter Wil­by meint dort, man sol­le sich kei­ne Sor­gen we­gen Trump ma­chen, denn das po­li­ti­sche Sys­tem der USA sei so kon­stru­iert, dass es den Prä­si­den­ten auf­hal­ten kön­ne. Das jüngs­te Bei­spiel: Ba­rack Oba­ma. Der ha­be z. B. den Ver­kauf von Waf­fen nicht kon­trol­lie­ren kön­nen. Ähn­li­che Pro­ble­me wer­de Trump ha­ben, wenn er il­le­ga­le Im­mi­gran­ten raus­schmei­ßen wol­le. Wen im­mer auch die Ame­ri­ka­ner wähl­ten – „Wirt­schaft und Gel­de­li­te wer­den die wich­ti­gen Ent­schei­dun­gen tref­fen“. Nicht un­ter­schät­zen. Der li­be­ra­le Eco­no­mist sieht gar ei­nen Hoff­nungs­schim­mer, ob­wohl die Aus­sicht auf Trump vs. Cl­in­ton fins­ter sei. Zu­neh­mend ha­be der Re­pu­bli­ka­ner Ab­sto­ßen­des ge­sagt, aber: „Er wech­selt sei­ne Ver­kaufs­ar­gu­men­te so flink wie sei­ne So­cken.“Es wä­re un­klug, Trumps Fä­hig­keit zu un­ter­schät­zen, Wür­de vor­zu­täu­schen und sich zum Zen­tris­ten zu wan­deln. Cl­in­ton aber soll­te um mo­de­ra­te Re­pu­bli­ka­ner wer­ben, um „den blon­den Ber­lus­co­ni“auf­zu­hal­ten. Dann könn­ten die De­mo­kra­ten nicht nur die Prä­si­dent­schaft ein­deu­tig ge­win­nen, son­dern auch wie­der die Kon­trol­le im Se­nat. Das Zau­ber­wort: Kon­sens. Auf je­den Fall brau­che es ei­ne Er­neue­rung der bei­den gro­ßen Par­tei­en, um die Sta­gna­ti­on in Wa­shing­ton zu über­win­den.

Get­ty ImŻ­ges

Kei­ne Scheu vor MŻs­sen: DonŻl© Trump führt bei ©en Re­pu­bli­kŻ­nern im Vor­wŻhl­kŻmpf zur US-Pr´si©ent­schŻft be­reits ©eut­lich.

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