Cap bleibt bei New La­bour: »Wir brau­chen den Wett­be­werb«

Lie­ber Blair als Da­ra­bos, lie­ber Cl­in­ton als San­ders: Ex-Klub­ob­mann Jo­sef Cap über die SPÖ und de­ren neu­es Par­tei­pro­gramm.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON THO­MAS PRIOR

Bis März 2016 soll­te der ers­te Text­ent­wurf des neu­en SPÖ-Pro­gramms ei­gent­lich schon aus­dis­ku­tiert sein – al­ler­dings gibt es noch nicht ein­mal den Ent­wurf. War­um ist man da so im Ver­zug? Jo­sef Cap: Wir sind nicht im Ver­zug, wir ha­ben ge­sagt: Bis zum Früh­jahr 2016 sol­len die zehn Ar­beits­grup­pen ih­re Teil­tex­te fer­tig­stel­len, über die dann – mit Ex­per­ten und auch öf­fent­lich – dis­ku­tiert wird. Beim Kick-off im Jän­ner 2015 hat der da­ma­li­ge Bun­des­ge­schäfts­füh­rer, Nor­bert Da­ra­bos, ge­sagt, dass die­ser Pro­zess bis März 2016 ab­ge­schlos­sen sein wird. Dem­nach ist man al­so spät dran. Ob wir im März oder im April fer­tig sind, ist nicht ent­schei­dend. Wich­ti­ger ist ei­ne brei­te De­bat­te, da­mit wir ei­nen or­dent­li­chen Text vor­le­gen kön­nen. Ei­ne Ver­zö­ge­rung durch die Bun­des­prä­si­den­ten­wahl schlie­ßen Sie aus? Na­tür­lich sind vie­le, die an der Pro­gramm­de­bat­te teil­neh­men, jetzt in der Wahl­be­we­gung ak­tiv. Das hat beim Zeit­plan ei­ne Rol­le ge­spielt, kei­ne Fra­ge. Aber der ein­zi­ge Ter­min, der fix war, ist der Par­tei­tag im Spät­herbst: Da wird das neue Pro­gramm be­schlos­sen. Das ak­tu­el­le stammt aus dem Jahr 1998, der Zeit To­ny Blairs, der den Drit­ten Weg – New La­bour – ge­prägt hat. Da­mals hat sich auch die SPÖ stär­ker markt­wirt­schaft­lich aus­ge­rich­tet. Da­ra­bos hat das als Feh­ler be­zeich­net. Tei­len Sie die­se Mei­nung? Die Zu­kunft der Ar­beit und die Fra­ge, wie Wachs­tum or­ga­ni­siert und fi­nan­ziert wer­den kann, wer­den zen­tra­le Ele­men­te im Pro­gramm sein müs­sen. Aber da­zu brau­chen wir ei­ne so­zi­al und öko­lo­gisch re­gu­lier­te Markt­wirt­schaft, die Wett­be­werb ga­ran­tiert. Al­so war New La­bour doch kein Feh­ler. Na ja, der Da­ra­bos wird ge­meint ha­ben, dass die Drit­te-Weg-Phi­lo­so­phen an der De­re­gu­lie­rung der Fi­nanz­märk­te mit­ge­wirkt ha­ben. Und das war in der Tat ein Feh­ler. Aber er hat auch ge­meint, dass sich die SPÖ wie­der stär­ker um den so­ge­nann­ten klei­nen Mann be­mü­hen muss, der im­mer öf­ter FPÖ wählt. Es gibt kei­nen klei­nen Mann und kei­ne klei­ne Frau. So will kein Mensch be­zeich­net wer­den. Ge­meint sind die Mo­der­ni­sie­rungs­ver­lie­rer. Ich bin ein An­hän­ger der Kreis­ky-Phi­lo­so­phie, mög­lichst vie­le ge­sell­schaft­li­che Grup­pen da­für zu ge­win­nen, ein Stück des We­ges mit uns zu ge­hen. Al­so soll die SPÖ nicht zu­rück zum Klas­sen­kampf und zur Ver­staat­lich­ten. Die SPÖ muss nie zu­rück, son­dern im­mer nach vorn. Ich glau­be, dass wir die Syn­the­se zwi­schen Ar­bei­tern, Pen­sio­nis­ten und den vie­len neu­en Un­ter­neh­mern wie­der schaf­fen müs­sen. Die Ge­sell­schaft ist viel stär­ker un­ter­neh­mer­be­ein­flusst als frü­her. Das müs­sen wir un­be­dingt be­rück­sich­ti­gen. über die Ober­gren­ze bei den Asyl­an­trä­gen Der Ab­wärts­trend der SPÖ zeigt, dass das ein sehr schwie­ri­ger Spa­gat ist. Ich se­he kei­nen Ab­wärts­trend, ich se­he ei­ne star­ke Wäh­ler­be­we­gung. Die SPÖ kann al­so nichts da­für, dass sie auf 26,8 Pro­zent zu­rück­ge­fal­len ist? Das sa­ge ich nicht. Wir müs­sen noch flei­ßi­ger und noch über­zeu­gen­der in der Ta­ges­po­li­tik wer­den. Und des­halb ent­wi­ckeln wir – als Grund­la­ge da­für – ein neu­es Pro­gramm. Wir wol­len die Lust auf blaue Aben­teu­er mi­ni­mie­ren. Kön­nen Sie uns so ein Über­zeu­gungs­bei­spiel aus dem neu­en Pro­gramm ge­ben? Ich kann nichts vor­weg­neh­men. Aber wir brau­chen auch in­ter­na­tio­nal Ver­bün­de­te, um et­wa Steu­er­schlupf­lö­cher schlie­ßen zu kön­nen. Da­mit sa­ge ich jetzt nicht, dass Ber­nie San­ders in den USA ge­win­nen muss. Es reicht schon, wenn Hil­la­ry Cl­in­ton ge­winnt. Aber San­ders wä­re Ih­nen lie­ber? Der will zu­min­dest nicht, dass man in den USA Hun­dert­tau­sen­de Dol­lar Schul­den ma­chen muss, um stu­die­ren zu kön­nen. Aber ich wür­de Cl­in­ton wäh­len, weil ich glau­be, dass Eu­ro­pa in ihr ei­ne stär­ke­re Ver­bün­de­te hät­te. Wie Cl­in­ton hat auch die SPÖ ein Pro­blem bei den jun­gen Wäh­lern. Wel­ches An­ge­bot wer­den Sie de­nen ma­chen? Die Jun­gen von heu­te wol­len mit neu­en Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men neu ge­won­nen wer­den. Und zwar im­mer wie­der. Das wer­den wir pro­bie­ren. Liegt es wirk­lich nur an der Kom­mu­ni­ka­ti­on? Viel­leicht füh­len sich jun­ge Men­schen von ei­ner struk­tur­kon­ser­va­ti­ven Funk­tio­närs- und Pen­sio­nis­ten­par­tei wie der SPÖ ein­fach nicht mehr an­ge­spro­chen. Das ist ein agi­ta­to­ri­scher Be­griff, den die Kon­kur­renz ent­wi­ckelt hat, um un­se­re Wirk­sam­keit ein­zu­schrän­ken. Nein, das ist ei­ne Be­ob­ach­tung. Ich kann trotz­dem nichts da­mit an­fan­gen. Ei­ne Par­tei, die ge­wählt wer­den will, muss auf vie­le Grup­pen Rück­sicht neh­men, auf Ge­werk­schaf­ter, Pen­sio­nis­ten, Fa­mi­li­en, Stu­den­ten etc. Gott sei Dank ist das so in der SPÖ. Wird ei­gent­lich die Ober­gren­ze Ein­gang ins neue Par­tei­pro­gramm fin­den? Wir wer­den die Wan­de­rungs­be­we­gun­gen grund­sätz­lich be­leuch­ten. Es wird ein Be­kennt­nis zu ei­ner klu­gen In­te­gra­ti­ons­po­li­tik ge­ben: Die, die schon da sind, dür­fen nicht den Ein­druck ha­ben, dass uns die Neu­en wich­ti­ger sind. Und dass für kri­mi­nel­le Asyl­wer­ber kein Platz ist, ist auch Kon­sens. Aber die Ober­gren­ze nicht. Die Wie­ner SPÖ hat Kanz­ler Wer­ner Fay­mann aus­ge­pfif­fen. Auf wes­sen Sei­te ste­hen Sie? Wir kön­nen stolz auf das sein, was wir ge­leis­tet ha­ben. Aber es gibt auch so et­was wie ei­ne Über­for­de­rungs­gren­ze. Ich sa­ge: Über­for­de­rung. Wir kön­nen nicht ei­ne Mil­li­on Men­schen auf­neh­men – das schafft der So­zi­al­staat nicht. Das Ziel von Fay­manns Po­li­tik ist ei­ne ge­rech­te Flücht­lings­ver­tei­lung in der EU. Das kann ich nur un­ter­stüt­zen. Das war not­wen­dig, sonst hät­te es hu­ma­ni­tä­re Ka­ta­stro­phen an der Gren­ze ge­ge­ben. Men­sch­lich­keit und Ord­nung schlie­ßen ein­an­der nicht aus. Die­ses Prin­zip wird jetzt um­ge­setzt.

4 Fa­b­ry

„Wir brau­chen die Ar­bei­ter und die Un­ter­neh­mer“, sagt Cap.

Al­so ist die Ober­gren­ze rich­tig. Aber Fay­mann hat sei­ne Mei­nung ra­di­kal ge­än­dert. An­fangs war er für of­fe­ne Gren­zen, dann hat er sie doch schlie­ßen las­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.