Nach dem Po­ker ist vor dem Po­ker

Kärn­ten. Das An­ge­bot an die Hy­po-Gläu­bi­ger ist ge­schei­tert. Jetzt wer­den die Kar­ten neu ge­mischt. Dem Land Kärn­ten droht mehr denn je die Plei­te.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON MAR­TIN FRITZL

Noch ist das Schei­tern nicht of­fi­zi­ell. Aber wenn der Kärnt­ner Lan­des­haupt­mann Pe­ter Kai­ser Mon­tag­nach­mit­tag vor die Me­di­en tritt, wird ihm wohl nichts an­de­res üb­rig blei­ben, als ein­zu­ge­ste­hen, dass sein An­ge­bot an die Gläu­bi­ger der Hy­po Al­pe Adria auf we­nig Ge­gen­lie­be ge­sto­ßen ist und das Land Kärn­ten sei­ne Haf­tun­gen über elf Mil­li­ar­den Euro im­mer noch nicht los­ge­wor­den ist. Rund 24 Mil­lio­nen Euro hat der Spaß ge­kos­tet: 7,3 Mil­lio­nen hat Kärn­ten für den Aus­gleichs­fonds auf­ge­wen­det, der das An­ge­bot of­fi­zi­ell er­stellt hat, 17 Mil­lio­nen der Bund für die In­vest­ment­ban­ken, die den De­al be­glei­tet ha­ben.

An­ge­sichts der Mil­li­ar­den, die die Hy­po schon ge­kos­tet hat, ist das wohl ei­nes der ge­rin­ge­ren Pro­ble­me der Prot­ago­nis­ten. Schwe­rer wiegt: So­wohl Schel­ling als auch die Kärnt­ner Lan­des­spit­ze um Kai­ser und Fi­nanz­lan­des­rä­tin Ga­by Schau­nig sind nach Ab­leh­nung ih­res Plans schwer an­ge­schla­gen. Und da hilft es auch nichts, dass bei­de jetzt mit schwe­ren Ge­schüt­zen ge­gen die Gläu­bi­ger auf­fah­ren. Kai­ser hat schon im Vor­feld an­ge­kün­digt, jetzt die Box­hand­schu­he an­zie­hen und mit har­ten Ban­da­gen kämp­fen zu wol­len. Schel­ling hat die Gläu­bi­ger ge­warnt: Das, was sie jetzt be­kom­men wer­den, ist we­ni­ger, als sie gera­de aus­ge­schla­gen ha­ben.

Für die Gläu­bi­ger ist die Si­tua­ti­on zwei­fel­los auch mit Ris­ken be­haf­tet. Sie ha­ben ein An­ge­bot ab­ge­lehnt, das mit rund 85 Pro­zent gar nicht so schlecht do­tiert war und müs­sen jetzt jah­re­lan­ge Rechts­strei­tig­kei­ten füh­ren, um mehr her­aus­ho­len zu kön­nen – mit der Ge­fahr, dass es auch deut­lich we­ni­ger wer­den kann. Aber für Kärn­ten und den Bund sind die Ris­ken deut­lich hö­her, da geht es ans Ein­ge­mach­te.

Das wei­te­re Pro­ze­de­re ist ab­seh­bar: Die Fi­nanz­markt­auf­sicht wird in den nächs­ten Wo­chen ei­nen Schul- den­schnitt für die Hy­po-Nach­fol­ge­ge­sell­schaft He­ta be­kannt ge­ben, der kräf­tig aus­fal­len und ver­mut­lich ir­gend­wo zwi­schen 40 und 50 Pro­zent lie­gen wird. Die Gläu­bi­ger wer­den sich dar­auf­hin auf­grund der Haf­tun­gen an das Land Kärn­ten wen­den – und der Rechts­streit kann be­gin­nen. Kärn­ten wird zu­nächst ein­mal die Haf­tun­gen be­strei­ten. Laut ei­nem Gut­ach­ten des Lin­zer Rechts­pro­fes­sors Bru­no Bin­der – er agiert auch als Ver­fah­rens­an­walt im Hy­po-U-Aus­schuss – sind die Haf­tun­gen nicht rechts­wirk­sam zu­stan­de ge­kom­men und auch ver­fas­sungs­wid­rig.

Soll­te man da­mit nicht durch­kom­men, droht tat­säch­lich ei­ne Plei­te des Lan­des. Wie sich die­se ge­nau aus­wir­ken wird, kann heu­te noch nie­mand sa­gen, da es we­der kla­re Re­ge­lun­gen für die In­sol­venz ei­ner Ge­biets­kör­per­schaft gibt, noch ei­nen Prä­ze­denz­fall. Gut­ach­ter kom­men zu völ­lig un­ter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen, wel­che Fol­gen ei­ne Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Lan­des hät­te. In der für das Land freund­lichs­ten Aus­le­gung wä­re kaum et­was pfänd­bar, weil prak­tisch al­le Mit­tel für die Er­fül­lung der ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Auf­ga­ben be­nö­tigt wer­den. Wohl aber könn­te der Mas­se­ver­wal­ter Per­so­nal ent­las­sen. In der un­freund­li­chen Va­ri­an­te wä­ren so­wohl die An­tei­le am Lan­des­en­er­gie­ver­sor­ger Ke­lag als auch die Wohn­bau­för­de­rungs­mit­tel weg. Und die Ab­ge­ord­ne­ten müss­ten das re­prä­sen­ta­ti­ve Land­haus räu­men und in Bil­lig­bü­ros an der Pe­ri­phe­rie über­sie­deln. Mil­li­ar­denkos­ten für den Bund. Aber auch für den Bund hät­te das Plei­tes­ze­na­rio un­an­ge­neh­me Fol­gen. Denn ers­tens wür­den dann ja sämt­li­che Ver­bind­lich­kei­ten des Lan­des von ei­nem Schul­den­schnitt be­trof­fen sein. Und von den drei Mil­li­ar­den Euro, die Kärn­ten der­zeit an Kre­di­ten of­fen hat, ist ein be­trächt­li­cher Teil über die Bun­des­fi­nan­zie­rungs­agen­tur auf­ge­nom­men wor­den. Und zwei­tens sind auch recht­li­che Schrit­te Kärn­tens ge­gen den Bund zu er­war­ten: Da ein be­trächt­li­cher Teil des Scha­dens durch die Un­tä­tig­keit der je­wei­li­gen Fi­nanz­mi­nis­ter nach der Not­ver­staat­li­chung pas­siert ist, könn­te das Land Scha­den­er­satz gel­tend ma­chen.

Kärn­ten hat je­den­falls schon am Wo­che­n­en­de ei­nen Kri­sen­stab ein­ge­setzt, der sich mit den Fol­gen der Nicht-An­nah­me des An­ge­bots be­schäf­tigt. Und auch in den an­de­ren Bun­des­län­dern macht sich Ner­vo­si­tät breit. Da da­mit zu rech­nen ist, dass sich die Län­der und ih­re Hy­pos im Fal­le ei­ner Plei­te Kärn­tens am frei­en Markt nicht mehr fi­nan­zie­ren wer­den kön­nen, ha­ben schon meh­re­re Lan­des­haupt­leu­te ge­for­dert, der Fi­nanz­mi­nis­ter mö­ge rasch ei­ne Lö­sung mit den Gläu­bi­gern fin­den.

Schel­ling und der Kärnt­ner Lan­des­spit­ze wird wohl nichts an­de­res üb­rig blei­ben, als jetzt je­ne Ver­hand­lun­gen mit den Gläu­bi­gern auf­zu­neh­men, die man in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten tun­lichst ver­mei­den woll­te. Das wird ver­mut­lich par­al­lel zu den ers­ten ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zun­gen statt­fin­den und von ent­spre­chen­dem Thea­ter­don­ner be­glei­tet sein. Der Po­ker um das An­ge­bot an die Gläu­bi­ger ist am Frei­tag be­en­det wor­den. Die nächs­te Po­ker­run­de kann be­gin­nen.

Pe­ter Kai­ser will jetzt die Box­hand­schu­he an­zie­hen: Fürch­tet sich je­mand?

APA

Fi­nanz­lan­des­rä­tin Ga­by Schau­nig muss ein­ge­ste­hen: Das An­ge­bot ist ge­schei­tert.

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