FAK­TEN

Die Presse am Sonntag - - Österreich -

DŻs SpitŻl.

Weil sich kein Ge­ne­ral­pla­ner fand, über­nahm der KAV die Pro­jekt­lei­tung des Kran­ken­haus Nord selbst – es gab in der Ver­gan­gen­heit Pro­ble­me mit der Sta­tik, der Haus­tech­nik und ei­ne Fas­sa­den­fir­ma ging plei­te. Die Kos­ten sind von 825 Mio. Euro auf ei­ne 1 Mrd. Euro ge­klet­tert. Die ge­plan­te Er­öff­nung hat sich um zwei Jah­re auf 2018 nach hin­ten ver­scho­ben.

Die StrŻh­lung.

Das Spi­tal ist auf al­len Sei­ten von Schie­nen für Zü­ge und Stra­ßen­bahn um­ge­ben – die­se er­zeu­gen elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der, die me­di­zi­ni­sche Ge­rä­te stö­ren kön­nen. Um das Pro­blem in den Griff zu be­kom­men, wer­den et­li­che Maß­nah­men er­grif­fen. Grund­stück für den Bau des Kran­ken­haus Nord ge­eig­net, heißt es in dem Be­fund von Ar­senal Re­se­arch, ei­ner For­schungs­ein­rich­tung, die 2012 mit dem Aus­tri­an In­sti­tut of Tech­no­lo­gy (AIT) ver­schmol­zen wur­de.

Al­ler­dings wird in dem Schrift­stück auch ex­pli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Stand­ort für die me­di­zin­tech­ni­schen Ge­rä­te zu ei­nem Pro­blem wer­den könn­te. Beim Bau des Ge­bäu­des müs­se da­her dar­auf ge­ach­tet wer­den, die emp­find­li­chen Ge­rä­te in die Mit­te des Ge­bäu­de­kom­ple­xes zu ver­la­gern. „Dar­an ha­ben wir uns in der Pla­nung ge­hal­ten“, sagt Strenn. Auf die Fra­ge, war­um für das Kran­ken­haus Nord über­haupt die­ser Stand­ort aus­ge­wählt wur­de, wenn es sol­che Ri­si­ko­fak­to­ren gibt, ant­wor­tet Strenn: „In ganz Wi­en gibt es elek­tro­ma­gne­ti­sche Fel­der, und ei­gent­lich hat man im­mer ei­ne U-Bahn oder ei­ne Stra­ßen­bahn in der Nä­he.“ StrŻh­len­schutz. Al­ler­dings um­schlie­ßen die­se sel­ten ein Kran­ken­haus von drei Sei­ten. Der KAV be­auf­trag­te im Zu­ge der Pro­jekt­ent­wick­lung meh­re­re Ex­per­ten, die Mes­sun­gen durch­führ­ten und laut Strenn durch­wegs zu un­ter­schied­li­chen Er­geb­nis­sen ka­men.

An­fang 2011 soll­te dann un­ter Mit­wir­kung der TU Graz ei­ne Stra­te­gie zur Ab­schir­mung ent­wi­ckelt wer­den. Ein Pro­jekt­be­tei­lig­ter, der sei­nen Na­men nicht in der Zei­tung le­sen will, er­in­nert sich an die Pla­nun­gen: „Es war nicht so klar, dass die Maß­nah­men funk­tio­nie­ren wür­den, und es hat sich auch erst sehr spät ei­ne Ar­beits­grup­pe ge­bil­det.“

Laut Strenn stan­den be­reits mit dem Ein­reich­plan im März 2011 die kon­kre­ten Maß­nah­men zur Schir­mung fest, in­ter­ne Do­ku­men­te, die der „Pres­se“vor­lie­gen, zeich­nen ein an­de­res Bild. Sie un­ter­strei­chen die Aus­sa­gen des Pro­jekt­be­tei­lig­ten, dass vie­les im Un­ge­wis­sen lag. Noch Mo­na­te spä­ter, im No­vem­ber 2011, ist da­rin von „Kos- ten­un­si­cher­hei­ten: EMV-Maß­nah­men“(Anm. Elek­tro­ma­gne­ti­sche Ver­träg­lich­keit) die Re­de, und es fin­den sich Maß­nah­men in den Pa­pie­ren, die spä­ter nicht um­ge­setzt wur­den.

Schluss­end­lich be­schloss man, be­stimm­te Zim­mer – wie Be­hand­lungs­räu­me in der Ra­dio­lo­gie – zur Gän­ze mit Blech aus­zu­klei­den, um die Strah­lung ab­zu­lei­ten. Ei­ne der­ar­ti­ge Aus­klei­dung ist in man­chen Be­rei­chen wie OPs oh­ne­dies ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben. Von 600.000 Qua­drat­me­tern Flä­che wur­den laut KAV 13.000 Qua­drat­me­ter mit Me­tall ver­klei­det.

Ta­ges­licht in al­len Räu­men ist ein we­sent­li­cher Be­stand­teil der Kran­ken­haus-Ar­chi­tek­tur – da­mit die Strah­lung nicht durch die Fens­ter dringt, wur­den die­se mit ei­ner Me­tall­le­gie­rung be­dampft. Das soll eben­falls strah­lungs­ab­wei­send wir­ken.

Dass die ÖBB die neue S-Bahn­sta­ti­on für ei­ne bes­se­re Er­reich­bar­keit des Spi­tals nä­her zum Ge­bäu­de ver­leg­te – näm­lich 150 Me­ter Rich­tung Os­ten –, macht die Si­tua­ti­on nicht ein­fa­cher. Um die Er­schüt­te­run­gen zu dämp­fen, wur­de ei­ne so­ge­nann­te be­sohl­te Schwel­le ein­ge­baut. Ver­ein­facht ge­sagt, wur­den die Qu­er­stre­ben, auf de­nen die Schie­nen lie­gen, an der Un­ter­sei­te mit ei­ner Soh­le aus Kunst­stoff ver­se­hen. Um den elek­tro­ma­gne­ti­schen Fel­dern ent­ge­gen­zu­wir­ken, wur­den von der ÖBB laut Strenn Vor­rich­tun­gen an den Fahr­draht­mas­ten der S-Bahn an­ge­bracht, an de­nen wei­te­re Ab­schir­mun­gen be­fes­tigt wer­den kön­nen – der­zeit ist das noch nicht pas­siert. „Weil es noch nicht not­wen­dig war“, sagt Strenn. Kran­ken­haus Nor†

2012 schrieb der KAV ei­ne wei­te­re ge­plan­te Schir­mungs­maß­nah­me eu­ro­pa­weit aus und ver­gab den Auf­trag an ein Schwei­zer Un­ter­neh­men: Ein arm­di­cker Kup­fer­ring soll­te um das ge­sam­te Ge­bäu­de ge­legt wer­den. Im Ab­stand von 2,5 Me­tern sind an die­sem Ring Kup­fer­spie­ße an­ge­bracht, die 15 Me­ter in die Er­de rei­chen. Die­se sol­len das elek­tro­ma­gne­ti­sche Feld in die Er­de ab­lei­ten.

„Die­sen Ring ha­ben wir bis­her nur zu ei­nem Teil ge­baut – die ak­tu­el­len Mes­sun­gen er­ge­ben, dass die Maß­nah­men am Ge­bäu­de bis­her so gut sind, dass das nicht not­wen­dig ist“, sagt Strenn. Nach­satz: „Die Wer­te der Mes­sun­gen än­dern sich im­mer wie­der – bis zum heu­ti­gen Tag.“Grün­de da­für sind et­wa, mit wel­chen Zü­gen die ÖBB gera­de auf der Stre­cke fährt. Je schwe­rer die­se sind und je mehr Kraft sie brau­chen, um weg­zu­fah­ren, des­to stär­ker ist die Strah­lung.

„Tat­säch­lich wer­den wir erst in der tech­ni­schen Pro­be­pha­se – al­so be­vor die Pa­ti­en­ten be­han­delt wer­den – se­hen, ob die Maß­nah­men rei­chen. Wir ge­hen zum heu­ti­gen Zeit­punkt da­von aus“, sagt Strenn. Soll­te dem nicht so sein, kön­ne der Kup­fer­ring je­der­zeit ge­schlos­sen und wei­te­re Schir­mun­gen an den Fahr­draht­mas­ten der S-Bahn er­rich­tet wer­den.

Ein Kup­fer­ring run© um ©Żs gŻn­ze SpitŻl soll StrŻh­lun­gen in ©en Bo©en lei­ten.

Kos­ten­fŻk­tor. Bis­her wur­den 3,2 Mil­lio­nen Euro für Schir­mungs­maß­nah­men aus­ge­ge­ben. Für die Fer­tig­stel­lung des Kup­fer­rings wür­den wei­te­re 1,5 Mil­lio­nen Euro an Kos­ten an­fal­len – laut KAV han­delt es sich hier nicht um Zu­satz­kos­ten, son­dern um von vorn­her­ein bud­ge­tier­te Geld­mit­tel. Soll­ten die Tests der me­di­zi­ni­schen Ge­rä­te ne­ga­tiv aus­fal­len – und wei­te­re Ab­schir­mungs­maß­nah­men nö­tig wer­den – ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass dies ei­ne wei­te­re Ver­zö­ge­rung der Spi­tals­er­öff­nung be­deu­ten könn­te.

Durch die Plei­te ei­ner Fas­sa­den­fir­ma, an­geb­li­che Falsch­be­rech­nun­gen bei der Sta­tik und das Clea­ring-Ver­fah­ren mit den Haus­tech­nik­fir­men ver­schob sich die­se be­reits um zwei Jah­re nach hin­ten auf 2018. In­si­der spre­chen da­von, dass ein Voll­be­trieb über­haupt erst 2020 mög­lich sein wird. Vom KAV wird das de­men­tiert, eben­so, dass die Kos­ten noch wei­ter auf 1,5 Mil­li­ar­den Euro stei­gen könn­ten. Bud­ge­tiert wa­ren ur­sprüng­lich 825 Mil­lio­nen Euro. Ein Ver­fah­ren ge­gen die Fas­sa­den­fir­ma ist ge­richts­an­hän­gig, wie viel Geld der KAV for­dert, woll­te man nicht ge­nau preis­ge­ben. „Es han­delt sich um meh­re­re Mil­lio­nen Euro“, wur­de auf „Pres­se“-An­fra­ge mit­ge­teilt.

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