Let’s Ma­ke Mo­ney

EMP­FEH­LUN­GEN FÜR ZEIT­GE­NOS­SEN, DIE AUF IHR GELD SCHAU­EN

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld -

Nor­ma­ler­wei­se ist die Re­ak­ti­on der Bör­se auf No­ten­bank­ent­schei­dun­gen ziem­lich gut kal­ku­lier­bar: Kün­digt die EZB an, ih­ren Leit­zins zu sen­ken und noch mehr Geld in die Märk­te zu pum­pen, dann quit­tie­ren das die Groß­an­le­ger mit ei­nem Kurs­freu­den­feu­er. So ist es zu­min­dest bis­her im­mer ver­läss­lich pas­siert.

Doch dies­mal ist al­les an­ders: Als EZB-Chef Draghi am Don­ners­tag ei­ne sei­ner wohl letz­ten Ba­zoo­kas aus­pack­te, gin­gen die eu­ro­päi­schen In­di­zes zu­erst er­war­tungs­ge­mäß ker­zen­ge­ra­de in die Hö­he – um schon kurz dar­auf wie ein St­ein in den Kel­ler zu fal­len. Sol­che Be­we­gun­gen sieht man nicht all­zu oft. Beim deut­schen DAX be­trug die Schwan­kungs­brei­te 500 Punk­te an ei­nem ein­zi­gen Tag. Wo­bei der Ab­sturz am Frei­tag dann zur Hälf­te wie­der kom­pen­siert wur­de.

Wenn In­di­zes ei­ne Schwan­kungs­brei­te von fünf Pro­zent an ei­nem ein­zi­gen Tag auf­wei­sen, dann herrscht wohl Alarm­stu­fe Rot. Wenn Bä­ren und Bul­len ein­an­der so in die Haa­re ge­ra­ten, dann ist das ein si­che­res Zei­chen da­für, dass auch Groß­in­ves­to­ren, die ja die Märk­te ent­schei­dend be­we­gen, kei­ne Idee ha­ben, in wel­che Rich­tung die Rei­se geht. Die Ve­r­un­si­che­rung ist rie­sig, zu­mal ja die EZB zeit­gleich mit dem wei­te­ren Auf­dre­hen der Geld­schleu­sen ei­ne eher ver­hal­te­ne Kon­junk­tur­ein­schät­zung ab­ge­ge­ben hat.

Wie es wei­ter­geht, wird jetzt we­sent­lich da­von ab­hän­gen, wie die Märk­te den jüngs­ten Draghi-Schritt ein­ord­nen: als Be­frei­ungs­schlag, der end­lich das De­fla­ti­ons­ge­spenst ver­bläst. Oder als wei­te­ren Ver­zweif­lungs­akt ei­ner No­ten­bank, die dem Phä­no­men mit ih­ren tra­di­tio­nel­len In­stru­men­ten nicht mehr bei­kommt – und als Ant­wort dar­auf die Do­sis ih­res un­wirk­sa­men Me­di­ka­ments im­mer wei­ter er­höht. Zu­min­dest Öko­no­men schei­nen der­zeit eher zur zwei­ten The­se zu nei­gen.

Das Auf­wärts­po­ten­zi­al scheint je­den­falls be­grenzt zu sein, und län­ger- fris­tig ori­en­tier­te Pri­vat­an­le­ger ha­ben in ei­nem Markt, der sol­che Bock­sprün­ge ver­an­stal­tet, eher nicht viel ver­lo­ren. Ab­war­ten und be­ob­ach­ten scheint der­zeit noch die bes­se­re De­vi­se zu sein.

Wo­bei heu­te ei­ne Art Rich­tungs­ent­schei­dung für den in Kon­ti­nen­tal­eu­ro­pa doch sehr do­mi­nie­ren­den deut­schen Markt an­steht: Der Su­per­wahl­sonn­tag in drei deut­schen Bun­des­län­dern wird auch von den Bör­sia­nern sehr ge­nau be­ob­ach­tet. Ge­winnt die rechts­po­pu­lis­ti­sche AfD stark und sa­cken die bei­den „Alt­par­tei­en“SPD und CDU, die im Bund ja ei­ne Ko­ali­ti­on bil­den, deut­lich ab, dann steht dem deut­schen Leit­in­dex wohl ei­ne schwie­ri­ge Wo­che be­vor. Und das wird

APA/AFP

Schie­fe Ebe­ne: EZB-Chef Ma­rio Draghi ver­sucht ver­zwei­felt, das Ab­rut­schen in die De­fla­ti­on auf­zu­hal­ten.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.