Spiel­raum

EIN STEIL­PASS IN DIE TIE­FE DES SPORTS

Die Presse am Sonntag - - Sport -

Wür­de heu­te ei­ner die For­mel 1 er­fin­den, er wür­de für ver­rückt er­klärt wer­den. Ein schö­nes Stück Land­schaft asphal­tie­ren und ein paar Wa­ge­mu­ti­gen da­bei zu­se­hen, wie sie ihr Le­ben ris­kie­ren, in Au­tos oh­ne Dach, die 75 Li­ter Sprit auf 100 Ki­lo­me­ter ver­brau­chen? Al­lein schon der Ge­dan­ke dar­an grenzt an Ab­sur­di­tät. Es kann aber auch sein, dass die­ser Mo­tor­sport aus ei­ner Zeit stammt, in der es um Ver­nunft und Sinn­haf­tig­keit nicht all­zu gut be­stellt war.

Der For­mel 1 al­les Sport­li­che ab­zu­spre­chen, wä­re je­doch falsch. Sie sei, sa­gen Kri­ti­ker den­noch, bloß ein Zir­kus, den auch nur der stets ge­win­ne, der das meis­te Geld ha­be. Die­ses Ar­gu­ment kann man auch recht sim­pel auf an­de­re Sport­ar­ten an­wen­den, es stimmt nur in die­ser Ab­so­lut­heit nicht. Fer­ra­ri-Fah­rer ha­ben bei­spiels­wei­se seit 2007 kei­ne WM ge­won­nen. Ob­wohl die Scu­de­ria pro Sai­son et­wa un­ge­fähr so viel Geld aus­ge­ben soll Red Bull und Mer­ce­des zu­sam­men.

Es gibt kei­ne Dis­kus­sio­nen dar­über, dass For­mel 1 Sport ist. Klei­ne Teams ha­ben kei­ne rea­lis­ti­sche Chan­ce auf den Ti­tel, das ist im Fuß­ball (bis auf sel­te­ne Sen­sa­tio­nen) nicht an­ders. Trotz­dem spie­len ge­nau die­se Teams ei­ne wich­ti­ge Rol­le, im­mer wie­der kön­nen sie die gro­ßen är­gern. Im ver­gan­ge­nen Jahr schnapp­te Wil­li­ams den Rei­chen im­mer wie­der Po­dest­plät­ze weg.

Ob das Sys­tem nun un­ge­recht ist oder nicht, Ber­nie Eccles­to­ne dik­tiert die Re­geln, der Rest hat zu sprin­gen. Es gibt vie­les, was an der For­mel 1 nervt. Eccles­to­nes Über­macht, die al­ber­ne Show rund um die Ren­nen und die ab­sur­den Stra­fen, die Fah­rern ih­re Ver­we­gen­heit aus­trei­ben. Aber all das ist ver­ges­sen, wenn am 20. März in Mel­bourne wie­der die ro­ten Am­peln er­lö­schen und 22 Renn­au­tos auf die ers­te, viel zu en­ge Kur­ve zu­ra­sen. Es ist span­nend, weil un­glaub­lich viel pas­siert, wenn fast gleich schnel­le Pi­lo­ten das­sel­be wol­len – we­nigs­tens bis zur ers­ten Kur­ve.

Wer neu­er Welt­meis­ter wird, das ist mir üb­ri­gens ziem­lich egal. Der Kon­su­ment will nur, dass es span­nend bleibt, wenn mög­lich bis zum letz­ten Ren­nen.

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