Sog der Freund­schaft

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Kön­nen sich Freun­de von­ein­an­der tren­nen? Lo¨ıc Mer­le be­han­delt die­se Fra­ge in sei­nem Ro­man über zwei un­glei­che Män­ner, die in ih­rer Be­zie­hung gleich­sam ge­fan­gen sind. Der fran­zö­si­sche Schrift­stel­ler Lo¨ıc Mer­le be­schreibt in sei­nem Ro­man „Al­lein, un­be­siegt“den Sog ei­ner son­der­ba­ren Män­ner­freund­schaft. Was hält zwei Men­schen zu­sam­men? Wie weit ist man be­reit für den an­de­ren zu ge­hen? Kann man sich tren­nen? Das sind ei­ni­ge der Fra­gen, die Mer­le in ei­nem un­ge­wöhn­li­chen Ro­man auf­wirft, des­sen sprach­li­che und in­halt­li­che Gestal­tung mehr an ei­ne Fa­bel er­in­nert als an ei­ne Ge­schich­te aus der Ge­gen­wart.

Im Mit­tel­punkt ste­hen die bei­den un­glei­chen Prot­ago­nis­ten, Ke­rim´ San und Charles Za­lik. Ke­rim´ ist ei­ne an Leuk­ämie er­krank­te düs­te­re Gestalt, die noch in kör­per­lich ge­schwäch­tem Zu­stand von sei­nem Kran­ken­haus­zim­mer aus un­durch­sich­ti­ge Ge­schäf­te tä­tigt. Der un­si­che­re und su­chen­de Charles kehrt von ei­nem sie­ben­jäh­ri­gen Söld­ner­ein­satz im Aus­land zu­rück, der ihm so lang Halt gibt, bis er von der Er­kran­kung sei­nes Ju­gend­freun­des er­fährt.

Zu­rück in der fran­zö­si­schen Kle­in­stadt wird Charles wie von ei­ner un­sicht­ba­ren Hand ins Le­ben des an­de­ren hin­ein­ge­zo­gen: „Ich fra­ge mich, woran er denkt, und ich fra­ge mich, ja, ich wä­re gern ein letz­tes Mal an sei­ner Sei­te, um zu se­hen, was er sieht.“Sei­ne Ver­bun­den­heit zu Ke­rim´ ist stär­ker als al­le an­de­ren Bin­dun­gen – stär­ker als die son­der­ba­re Be­zie­hung Charles’ zu sei­ner Ge­lieb­ten Li­ly und die Schick­sals­ge­mein­schaft von Ke­rims´ Fa­mi­lie und Freun­den, die sich auf des­sen Wunsch in ei­nem Ho­tel ein­fin­det. Oder doch nicht? som Lo¨ıc Mer­le: „Al­lein, un­be­siegt“, über­setzt von Clau­dia St­e­i­nitz, Lie­bes­kind, 207 Sei­ten, 20,60 Euro.

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