Arz­nei zum Löf­feln

Sup­pe ist viel mehr Żls ei­ne Vor- o©er FŻs­ten­spei­se. DŻs Buch »Die Sup­pen-Apo­the­ke« ãe­leuch­tet ©ie vie­len FŻ­cet­ten ©er flüs­si­gen NŻh­rung.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON CLAU­DIA RICH­TER

Sie konn­te kaum noch et­was hal­ten, nicht mehr Haa­re wa­schen oder Zwie­beln schnei­den – so sehr schmerz­ten ih­re Hand­ge­len­ke, die sie sich bei Um­zugs­ar­bei­ten und ei­nem Sturz rui­niert hat­te. Ei­ne Sup­pe half der Deut­schen Anne Si­mons wie­der auf die Bei­ne re­spek­ti­ve ver­half ihr zu schmerz­frei­en Hän­den. „Ei­ne Kno­chen­sup­pe, die nur lang ge­nug kocht, wird wirk­lich zur Me­di­zin“, sagt die 59-Jäh­ri­ge, wohl wis­send, dass Phar­ma­fir­men und de­ren Mit­strei­ter mit sol­chen Aus­sa­gen we­nig Freu­de ha­ben. Ob­wohl die Wir­kung der In­halts­stof­fe von Sup­pen weit­ge­hend er­forscht und ein­zel­ne Be­stand­tei­le iso­liert als Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­tel oder Arz­nei ver­wen­det wer­den. Man den­ke et­wa an Chon­droi­tin und Glu­ko­sa­mi­ne ge­gen Rheu­ma und Ar­thri­tis.

„Ei­ne ech­te Kraft­brü­he, zu der ich ne­ben Kno­chen auch Kalbs- oder Hüh­ner­fü­ße ge­be, hat ei­ne enor­me Nähr­stoff­dich­te. Sie ent­hält un­ter an­de­rem er­wähn­tes Chon­droi­tin, knor­pel­schüt­zen­de Glu­ko­sa­mi­ne, Vit­ami­ne, Mi­ne­ra­li­en, Spu­ren­ele­men­te und vie­le Ami­no­säu­ren“, er­klärt Si­mons in ih­rem Buch „Die Sup­pen-Apo­the­ke. Brü­hen, Fonds und Es­sen­zen, die stär­ken und hei­len“(208 Sei­ten, Knaur Men­sSa­na Mün­chen, 17,50 €). Die flüs­si­ge Me­di­zin lie­fe­re aber auch Hyalu­ron­säu­re, die bei Ar­thro­se in die Ge­len­ke ge­spritzt wer­de und auch in der Schön­heits­me­di­zin hin­läng­lich be­kannt sei. Auch Kol­la­gen, das so ei­ne Sup­pe reich­lich bie­te, wer­de in der Kos­me­tik gern ver­wen­det, au­ßer­dem un­ter­stüt­ze es er­wie­se­ner­ma­ßen die Knor­pel­bil­dung. Die Wir­kung all die­ser In­halts­stof­fe, die die Sup­pe ver­eint, über­stei­ge je­ne von iso­lier­ten Sub­stan­zen bei Wei­tem. „Ei­ne rich­tig zu­be­rei­te­te Kraft­sup­pe ist al­so un­ter an­de­rem po­si­tiv für Kno­chen, Mus­keln, Haut und für das Im­mun­sys­tem.“Kli­ni­schen Stu­di­en zu­fol­ge un­ter­stützt knor­pel­rei­che Brü­he das Im­mun­sys­tem, in­dem sie zur Bil­dung von Fress­zel­len an­regt, die Ein­dring­lin­ge ver­nich­ten. Er­forscht ist wei­ters ei­ne Heil­wir­kung von Ge­la­ti­ne auf den Darm, un­ter an­de­rem bei in­fek­tiö­sen Durch­fall­er­kran­kun­gen. Zu­dem lin­dert Ge­la­ti­ne Schmer­zen und Rei­zun­gen bei Ma­gen­ge­schwü­ren. Si­mons: „Sup­pe hilft er­wie­se­ner­ma­ßen auch ge­gen Grip­pe und Ent­zün­dun­gen.“ Er­höht die Mus­kel­mas­se. Wich­tig ist da­bei im­mer die Qua­li­tät der Zu­ta­ten und st­un­den­lan­ges Kö­cheln, denn erst da­durch wer­den die wert­vol­len Stof­fe frei­ge­setzt. Vier St­un­den sol­len es min­des­tens, mehr dür­fen es sein. Aber: „Die Sup­pe darf nicht rich­tig ko­chen, sie soll nur da­hin­kö­cheln. Beim star­ken Ko­chen wer­den die Kol­la­gen­fa­sern zer­bro­chen und wert­vol­le In­halts­stof­fe zer­stört.“Beim lan­gen Kö­cheln wird in­des un­ter an­de­rem auch Glut­amin frei­ge­setzt, ein Vor­läu­fer des Neu­ro­trans­mit­ters Gaba-Ami­no­but­ter­säu­re. „Ne­ben et­li­chen po­si­ti­ven Wir­kun­gen er­höht die­ser Stoff auch die Kno­chen­und Mus­kel­mas­se und stei­gert das Ener­gie­le­vel“, be­tont die Au­to­rin.

Zahl­rei­che prak­ti­sche Tipps er­gän­zen den theo­re­ti­schen Teil. Et­wa die­ser: Sal­zen erst zum Schluss, „so lö­sen sich die Mi­ne­ra­li­en leich­ter aus Kno­chen und Knor­peln.“Oder: Wer ei­nen er­höh­ten Kal­zi­um­be­darf hat, kann in der Sup­pe Eier­scha­len mit­ko­chen. Und kei­ne Angst vor der Ar­beit. „Das ist gar nicht so schlimm, das kos­tet viel we­ni­ger Zeit, als man an­neh­men möch­te“, sagt Si­mons und er­klärt im Buch, wie man ei­ne Kno­chen- und Fleisch­sup­pe zu­be­rei­tet. „Wer gleich mehr da­von macht, kann die Sup­pe in klei­ne­ren ge­frier­be­stän­di­gen Do­sen ein­frie­ren.“ Aus­lö­ser: Tscher­no­byl. Wie sie auf die Sup­pe kam? Im Jahr der Tscher­no­bylKa­ta­stro­phe, al­so 1986, war die Au­to­rin schwan­ger. Von fri­schen Nah­rungs­mit­teln wur­de Müt­tern in spe drin­gend ab­ge­ra­ten. Da­mals setz­te sich die stu­dier­te An­gli­zis­tin und Ro­ma­nis­tin in­ten­siv mit der Er­näh­rung aus­ein­an­der, mach­te die Heil­prak­ti­ker-Aus­bil­dung, ver­tief­te sich in Stu­di­en rund um pflanz­li­che Mi­kro­nähr­stof­fe und stieß ir­gend­wann auf Stu­di­en und Über­lie­fe­run­gen zur Heil­wir­kung von Sup­pen. „Zur Ge­sund­er­hal­tung soll man ei­ne Tas­se täg­lich trin­ken oder löf­feln, will man da­mit ei­nen Heil­pro­zess be- schleu­ni­gen, trin­ke man zwei bis drei Tas­sen täg­lich“, rät Si­mons, die die Kno­chen- und Fleisch­brü­he zum Buch-Schwer­punkt ge­macht hat. Frei­lich kom­men aber auch Ge­mü­se-, Reis-, Fisch- oder Ge­trei­de­sup­pen in ih­rem Buch vor. De­tail­ver­lieb­ten wird viel­leicht der kur­ze Über­blick über die Ge­schich­te der Sup­pe ge­fal­len und al­len cel­lu­li­te­ge­plag­ten Frau­en Si­mons – wis­sen­schaft­lich nicht ge­fes­tig­ter – Tipp: We­gen ih­res Kol­la­gen- und Knor­pel­ge­halts sei die Sup­pe, in Ver­bin­dung mit aus­rei­chen­der Be­we­gung, ei­ne Mög­lich­keit, die un­schö­ne Oran­gen­haut zu glät­ten.

Ein wei­te­res Buch, das sich mit den ge­sun­den Sei­ten der Sup­pe be­fasst, ist: „Bro­do – Das Brü­hen­koch­buch für Ge­sund­heit & Ge­nuss“, Mar­co Can­o­ra, Süd­west-Ver­lag, 160 Sei­ten, 15,50 €.

Corãis

Sup­pe ist gut für Kno­chen, Mus­keln und das Im­mun­sys­tem.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.