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Die Presse am Sonntag - - Geschichte -

nächst über 300 „cen­tros clan­des­ti­nos de de­ten­ci­on“´ zu ver­schlep­pen. In die­sen in­of­fi­zi­el­len Haft­stel­len er­war­te­te je­den Ver­schlepp­ten die Fol­ter. Von der CIA ge­lernt. Die Tech­ni­ken hat­ten ei­ni­ge Au­ser­wähl­te an der be­rüch­tig­ten „School of the Ame­ri­cas“ge­lernt, je­ner 1961 von John F. Ken­ne­dy ge­grün­de­ten CIA-Aka­de­mie für Re­bel­len­be­kämp­fung in Pa­na­ma. Spä­ter wa­ren es die Ar­gen­ti­ni­er, die An­fang der 1980er Fol­ter in Hon­du­ras und El Sal­va­dor un­ter­rich­te­ten, so vir­tu­os wa­ren sie ge­wor­den in ih­rer jah­re­lan­gen Ge­walt­or­gie aus Ver­ge­wal­ti­gun­gen, Strom­stö­ßen, Schein­exe­ku­tio­nen, Au­s­peit­schun­gen, Ver­bren­nun­gen, Un­ter­küh­lun­gen, Pfäh­lun­gen, Kastra­tio­nen, Es­sens- und Flüs­sig­keits­ent­zug. Die Fol­te­rer hetz­ten Hun­de auf ih­re Op­fer, de­ren Na­men sie in Haft durch Num­mern er­setz­ten. Sie streu­ten Salz in ih­re Wun­den und quäl­ten sie vor den Au­gen der Ver­wand­ten, um Aus­sa­gen zu er­pres­sen. We­ni­ge der Ver­schlepp­ten ka­men da­von, weil ih­re Pei­ni­ger sie für „un­be­las­tet“hiel­ten.

Nicht al­le „Un­be­las­te­ten“über­leb­ten. Man­che Kom­man­dan­ten senk­ten die Dau­men: Im „An­ge­sicht der gro­ßen Auf­ga­be muss­ten Ein­zel­schick­sa­le zu­rück­ste­hen“, wie ein ho­her Mi­li­tär kund­tat. Die meis­ten Op­fer wa­ren zwi­schen 16 und 25. Ar­bei­ter, Stu­den­ten, Leh­rer, Jour­na­lis­ten, Pro­fes­so­ren und ei­ne Ho­ckey-Na­tio­nal­spie­le­rin. Auch Über­res­te äl­te­rer Op­fer wur­den ge­fun­den, wie die ei­ner fran­zö­si­schen Non­ne.

Die Per­ver­si­on der Mi­li­tärs drück­te sich deut­lich im Schick­sal je­ner et­wa 600 Schwan­ge­ren, die ver­schleppt wur­den. Sie wur­den ge­fol­tert, man ach­te­te aber, an­ders als bei an­de­ren Ge­fan­ge­nen, auf aus­rei­chen­de Er­näh­rung. Nach­dem die Kin­der auf die Welt ge­kom­men wa­ren, wur­den sie den Müt­tern ent­ris­sen und die Frau­en er­mor- det. Die Ba­bys ka­men an kin­der­lo­se Fa­mi­li­en, zu­meist aus dem Um­feld des Re­gimes. Seit den 1980er-Jah­ren sam­melt ein La­bor die ge­ne­ti­schen Da­ten al­ler Fa­mi­li­en, die nach ver­miss­ten Kin­dern su­chen. Bis­lang konn­ten 119 Men­schen ih­re wah­re Iden­ti­tät er­fah­ren.

So wie sich die Macht­über­nah­me lan­ge an­ge­deu­tet hat­te, nahm auch die Däm­me­rung der Mi­li­tärs er­heb­li­chen An­lauf. Das öko­no­mi­sche Un­ver­mö­gen woll­te die zwei­te Jun­ta mit der Ein­nah­me der Fal­k­land-In­seln ka­schie­ren. Und fuhr ei­ne ver­hee­ren­de Nie­der­la­ge ein. Das Volk hat­te die „mi­li­cos“der­ma­ßen satt, dass Ar­gen­ti­ni­en als ein­zi­ges Land die Mör­der in Uni­form kurz nach de­ren Ab­gang vor Ge­richt stel­len konn­te. Doch die Mi­li­tärs konn­ten noch Jahr­zehn­te in Frei­heit mit ih­ren En­keln zur Sonn­tags­mes­se ge­hen, bis, viel zu spät, die St­un­de der Ge­rech­tig­keit schlug. Dass Jor­ge Ra­fa­el Vi­de­la im Mai 2013 im Ge­fäng­nis starb, ge­hört zu den Ver­diens­ten des Prä­si­den­ten Nes­tor´ Kirch­ner. Doch des­sen Ge­samt­bi­lanz ist ei­ne an­de­re Ge­schich­te.

Rund 600 Schwan­ge­re wur­den ver­schleppt und nach dem Ge­bä­ren er­mor­det.

Pren­sa La­ti­na/ EPA / pic­tu­re­desk.com

Am 24. März 1976 über­nah­men die Ge­ne­rä­le un­ter ih­rem Putsch­füh­rer, Jor­ge Vi­de­la, die Macht in Bu­e­nos Ai­res. Vi­de­la starb 2013 im Ge­fäng­nis.

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