Kunst­wer­te

WEG­WEI­SER FÜR AUK­TIO­NEN, MES­SEN UND GA­LE­RI­EN

Die Presse am Sonntag - - Kunstmarkt - VON EVA KO­MAREK

Gar nicht ver­staubt. Die Kunst- und An­ti­qui­tä­ten­mes­se Te­faf ver­sucht, jün­ger zu wer­den. Ein op­ti­sches Face­lift hat Sinn; mit Con­tem­pora­ry-Mes­sen zu kon­kur­rie­ren, nicht.

Ge­dämpf­te Farb­tö­ne, opu­len­te Blu­men­ar­ran­ge­ments, zum Teil schwüls­ti­ge Stand­prä­sen­ta­tio­nen do­mi­nier­ten das Bild der Te­faf (The Eu­ro­pean Fi­ne Art Fair) in Maas­tricht. Heu­er zeigt sich ein gänz­lich an­de­res Bild: Hel­le, groß­zü­gi­ge Frei­flä­chen, re­du­zier­te De­ko­ra­ti­on, so­gar der Blu­men­schmuck im Ein­gangs­be­reich wirkt früh­lings­haft leicht statt ba­rock und schwer. Die Mes­se ver­sucht, sich zu mo­der­ni­sie­ren. Tat­sa­che ist: Kunst ver­gan­ge­ner Jahr­hun­der­te ver­liert auf dem Markt an Be­deu­tung. Des­halb be­müht sich die Te­faf dar­um, den zeit­ge­nös­si­schen Be­reich auf­zu­bau­en, mit mä­ßi­gem Er­folg. Markt­füh­rer. Die Te­faf ist die wich­tigs­te Kunst­mes­se für den Han­del mit Kunst und An­ti­qui­tä­ten der Welt, auf der 80 Pro­zent al­ler Alt­meis­ter­wer­ke, die sich gera­de im Han­del be­fin­den, zu se­hen sind. Und auch in den an­de­ren Spar­ten, egal, ob Kunst­kam­mer­ob­jek­te, al­ter Schmuck oder al­te Bü­cher und Ma­nu­skrip­te, ist die Te­faf un­an­ge­foch­ten. Die Zahl der Käu­fer äl­te­rer Kunst wird zwar klei­ner, aber die­je­ni­gen, die sam­meln, su­chen das Ex­zep­tio­nel­le, die her­aus­ra­gen­de Qua­li­tät – und die­se bie­tet die Te­faf. Wie bei­spiels­wei­se beim An­ti­qua­ri­at von He­ri­bert Ten­schert ein St­un­den­buch der Brü­der von Lim­burg, das vor 1406 ent­stan­den ist und ei­ne acht­stel­li­ge Sum­me kos­tet. Des­halb stellt sich die Fra­ge: War­um ver­sucht die Mes­se, zwang­haft den Zeit­ge­nos­sen­markt zu er­obern, in dem sie ver­g­li­chen mit wich­ti­gen Mes­sen wie der Art Ba­sel oder der Frie­ze nicht kon­kur­renz­fä­hig ist? Ei­ne zeit­ge­mä­ße­re Prä­sen­ta­ti­on ist si­cher hilf­reich, und auch ein Mix aus Alt und Mo­dern, wie es be­reits man­che Händ­ler zei­gen, kann An­re­gun­gen schaf­fen. Aber ge­walt­sa­mes En­ter­tain­ment, wie es bei­spiels­wei­se Alt­meis­terSpe­zia­list John­ny Van Ha­ef­ten mit sei­ner rie­si­gen „Hoch­zeit­s­pro­zes­si­on“von Mar­ten van Cle­ve macht, bei dem er das Alt­meis­ter-Ge­mäl­de ver­tont hat, ist wohl mehr als über­zo­gen.

Und al­lein der Pre­view-Tag zeigt, dass sich die Mes­se um Käu­fer nicht sor­gen muss. Der An­drang war rie­sig, und schon nach den ers­ten St­un­den gab es Mil­lio­nen­ver­käu­fe, wie das Blu­men­still­le­ben von Ro­elant Sa­very, das für 6,5 Mil­lio­nen Euro an das Mau­rits­hu­is ging. Auch ös­ter­rei­chi­sche Händ­ler ha­ben ver­kauft, wie der Ju­gend­stil-Spe­zia­list Wolf­gang Bau­er ein Buf­fet von Jo­sef Hoff­mann um 150.000 € und Wie­n­er­roi­t­her & Kohl­ba­cher den „Gar­ten in Dres­den“von Ernst Lud­wig Kirch­ner an ei­nen deut­schen Samm­ler.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.