Lied über das Ver­schwin­den

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - THO­MAS KRAMAR

Mark Prit­chard. »Be­au­ti­ful Peop­le«. „I’m not he­re, this is not hap­pe­ning“, sang Ra­dio­head-Sän­ger Thom Yor­ke 2000 im Song „How to Disap­pe­ar Com­ple­te­ly“, und man glaub­te ihm aufs Wort: Sei­ne Stim­me klingt so kör­per­los, als ob er be­reits ver­schwun­den sei. Dar­um schät­zen ihn ver­geis­tig­te Klang­künst­ler wie Björk, Fly­ing Lo­tus und Mo­de­se­lek­tor. Oder eben Mark Prit­chard, der laut ei­ge­ner Aus­sa­ge „loss, ho­pe­l­ess­ness and cha­os“so­wie „lo­ve and ho­pe“aus­drü­cken will. Zu­min­dest dem ers­ten Sub­stan­tiv wird die­se Num­mer völ­lig ge­recht: Ab den ers­ten Flö­ten­tö­nen – von de­nen nie­mand glau­ben wür­de, dass sie aus ma­te­ri­el­len Röh­ren kom­men – ver­liert sich hier al­les, nach drei Mi­nu­ten auch der be­hut­sa­me Rhyth­mus, dann ver­schwim­men die Tö­ne in vir­tu­el­len Echo­kam­mern. Was Yor­ke da­zu singt? Man meint, et­was von En­geln und von sorg­fäl­ti­gem Lä­cheln zu ver­ste­hen, aber es ist egal. Er ist nicht hier, das pas­siert nicht.

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