Am Herd

BRANDHEISS UND HÖCHST PERSÖNLICH

Die Presse am Sonntag - - Leben - VO N BET­TI­NA ST­EI­NER

Ja, dan­ke der Nach­fra­ge: Mei­ne Kin­der le­sen hier tat­säch­lich mit. Und nicht nur das: Je­de Kolumne muss vor der Ver­öf­fent­li­chung durch die töch­ter­li­che Zen­sur.

Ein­mal ist es mir pas­siert. Das ist al­ler­dings schon Jah­re her: Da­mals schrieb ich an ei­ner Kolumne über ein all­zu zeit­fres­sen­des Hob­by un­se­rer Äl­te­ren, völ­lig harm­los war die­ser Text, fand ich, sehr lus­tig, mein­te mein Mann. Trotz­dem sag­te Han­nah Nein. Ein­fach: Nein. Die Kolumne war fix­fer­tig, so­zu­sa­gen ein­ge­packt und ver­schnürt und zum Ver­sand be­reit, aber Han­nah woll­te un­ter gar kei­nen Um­stän­den, dass ich sie ab­schi­cke. Auch nicht, als ich ihr ver­sprach, es wer­de ihr, soll­te der Text doch er­schei­nen dür­fen, min­des­tens ein Le­ser via Mail bei­sprin­gen und er­klä­ren, dass ich, die Mut­ter, mich nicht so ha­ben soll. Und das war nicht ein­mal ge­lo­gen: Tat­säch­lich hal­ten re­la­tiv vie­le Le­ser im Zwei­fels­fall zu mei­nen Töch­tern.

Aber die Ar­gu­men­te ha­ben nichts ge­nutzt: Ich muss­te ei­ne neue Kolumne schrei­ben. Ein­wän­de in Klam­mer. Das al­les er­zäh­le ich, weil letz­te Wo­che ein Le­ser von mir wis­sen woll­te, ob die Kin­der denn hier mit­le­sen. Ja, das tun sie, und noch mehr: Je­de Kolumne, in der sie er­wähnt oder zi­tiert wer­den, muss näm­lich vor Er­schei­nen durch die töch­ter­li­che Zen­sur. Zum Glück sind die bei­den sel­ten so streng wie Han­nah da­mals. Meis­tens be­ein­spru­chen sie nur De­tails. Dass et­wa die Ho­se, von der ich woll­te, dass sie ge­fäl­ligst aus dem Schlaf­zim­mer ver­schwin­de, wor­auf­hin sie zwar von dort ver­schwand, al­ler­dings auf mei­nem Schreib­tisch wie­der auf­tauch­te, kei­ne Ho­se ge­we­sen sei, son­dern ei­ne Ja­cke. In sol­chen Fäl­len bes­se­re ich die Pas­sa­gen aus. Manch­mal, wenn wir un­ter­schied­li­cher Mei­nung sind („Aber klar hast du mit der Tür ge­knallt! Der Lack ist ge­split­tert!“) stel­le ich ih­re Ein­wän­de in Klam­mer. Und soll­te es doch pas­sie­ren, dass ei­ne feh­ler­haf­te Kolumne durch­rutscht, weil die Kin­der zum Bei­spiel auf Ski­kurs wei­len – dann ha­be ich im­mer noch die Mög­lich­keit, in der Wo­che dar­auf per Postskriptum ein Er­ra­tum an­zu­fü­gen.

Das ist seit 2006 – da hat Han­nah le­sen ge­lernt – nur zwei Mal ge­sche­hen. Test­ob­jekt. Im Üb­ri­gen ist es zwar manch­mal un­be­quem, wenn die Kin­der mi­tent­schei­den dür­fen, was über sie in der Zei­tung steht, un­ter an­de­rem muss ich dar­auf ach­ten, dass ich recht­zei­tig fer­tig wer­de, weil: sie­he oben, so ei­ne Er­satz­ko­lum­ne schütt­le ich nicht so ein­fach aus dem Hand­ge­lenk. Der un­be­streit­ba­re Vor­teil ist aber: Ich ha­be ein Test­ob­jekt. Wenn Han­nah oder Mar­le­ne mei­ne Kolumne le­sen, dann be­ob­ach­te ich sie ge­nau. Drei La­cher? Drei sind su­per! Zwei? Noch okay. Nur ei­ner? Und es geht nicht um Po­li­tik? Dann muss ich den Text noch ein­mal über­ar­bei­ten.

Und das ist, zu mei­nem Leid­we­sen, deut­lich häu­fi­ger vor­ge­kom­men als nur zwei Mal.

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