Boschs hoh­les Ei: So frucht­los wie die Sün­de

Im »Gar­ten der Lüs­te« des Hieronymus Bosch fin­det man mons­trö­se Rie­sen­ei­er. Bei Sal­va­dor Dal´ıs­ind sie auch groß – aber viel ver­hei­ßungs­vol­ler.

Die Presse am Sonntag - - Kultur - VON AN­NE-CA­THE­RI­NE SI­MON

War­um hat der Re­nais­sance­ma­ler Hieronymus Bosch so gern Eier ge­malt – noch da­zu so mons­trö­se? Sie schei­nen je­der heh­ren christ­li­chen Sym­bo­lik zu spot­ten. An die Au­fer­ste­hung Chris­ti, die Er­lö­sung hat Bosch je­den­falls si­cher nicht ge­dacht, als er sein Baum­we­sen in die rech­te Ta­fel sei­nes Tri­pty­chons „Der Gar­ten der Lüs­te“(Bild links) hin­ein­ge­malt hat: ein mensch­li­ches Ge­sicht, baum­ar­ti­ge Bei­ne und ei­nen Ober­kör­per, der aus­sieht wie ein ge­bors­te­nes hoh­les Ei.

Und was soll auf der Mit­tel­ta­fel (sie­he gro­ßes Bild) das Rie­sen­ei, in das wie in ein Haus Men­schen strö­men? Sie schei­nen es gar nicht ei­lig ge­nug zu ha­ben hin­ein­zu­kom­men. Vor dem Frau­en­bad wie­der­um ba­lan­ciert ein Rei­ter ein wei­te­res über­di­men­sio­nier­tes Ei auf dem Kopf. Links, im Höl­len­flü­gel, las­tet ei­nes of­fen­bar drü­ckend auf dem Rü­cken ei­nes Man­nes, mit sei­ner Krü­cke ver­sucht er es her­un­ter­zu­schla­gen. Fül­le – und Völ­le­rei. Hieronymus Bosch lieb­te das Ei als Mo­tiv. Schon lang, be­vor das Chris­ten­tum sie ver­ein­nahm­te, stan­den Eier für Frucht­bar­keit und Fül­le, bei Bosch ver­bin­det sich die­se Be­deu­tung mit christ­li­chen Sün­den­vor­stel­lun­gen. Eier sind bei ihm Bil­der der Völ­le­rei, aber auch der Un­be­stän­dig­keit und Tor­heit, denn man

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.