Eu­ro­pä­ern ist nicht zu trau­en

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - KARL GAUL­HO­FER

Jetzt sor­gen die flei­ßi­gen Schnüff­ler von Wi­ki­Leaks für the­ma­ti­sche Ab­wechs­lung: Sie er­in­nern uns an die ver­dräng­te Kri­se in Grie­chen­land. Im ab­ge­hör­ten Te­le­fo­nat der IWF-Ver­hand­ler heißt es: „Wir wis­sen, die ma­chen nicht, was wir sa­gen.“Mehr noch: „Die ver­ein­ba­ren et­was und ge­ben es am nächs­ten Tag schon auf.“Ach ja, denkt der res­sen­ti­ment­ge­la­de­ne Laie: So sind sie eben, die Grie­chen. Aber halt: Ge­meint sind die Troi­ka-Part­ner des IWF, die eu­ro­päi­schen Geld­ge­ber. Al­les kön­ne sich bei de­nen än­dern, „wenn die Au­to­ri­tä­ten es wol­len“, al­so die Po­li­ti­ker – und die las- sen sich von Um­fra­gen trei­ben, lie­ße sich er­gän­zen. Kri­tik von au­ßen öff­net die Au­gen. Wie er­lebt et­wa die Welt un­se­ren Sin­nes­wan­del in der Flücht­lings­kri­se? Die Zäu­ne wach­sen. Aber das Ver­trau­en, dass Eu­ro­pa ge­eint sei­ne Pro­ble­me löst, schrumpft. Im­mer­hin: Der nächs­te Akt im grie­chi­schen Schul­den­dra­ma bleibt uns noch ein paar Mo­na­te er­spart. Denn das hat der IWF ge­lernt: Ir­gend­et­was ent­schie­den wird in der EU erst dann, wenn den Grie­chen „ernst­haft das Geld aus­geht“. Und jetzt müs­sen wir uns ja erst dar­um küm­mern, dass uns die Bri­ten nicht da­von­lau­fen.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.