Der rot-grü­ne Ma­ria­hil­fer Mi­kro­kos­mos

Der Wohn­be­zirk von Van der Bel­len und Hund­stor­fer ist Sym­bol für den Kampf um die­sel­be Wäh­ler­schicht.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON MAR­TIN STUHLPFARRER

Wenn Alex­an­der Van der Bel­len Zi­ga­ret­ten ho­len geht, kann es durch­aus sein, dass ihm Ru­dolf Hund­stor­fer über den Weg läuft. Dann kön­nen die bei­den Kan­di­da­ten für die Wahl zum Bun­des­prä­si­den­ten ih­re Fly­er aus­tau­schen. Oder auf ein Bier ums Eck ge­hen – wenn sie es noch nicht ge­tan ha­ben. Denn es ist ein klei­ner Be­zirk, in dem Van der Bel­len und Hund­stor­fer le­ben: Nur 31.000 der 1,8 Mil­lio­nen Wie­ner wohnen hier.

Trotz­dem geht die Be­deu­tung des sechs­ten Be­zirks für die Bun­des­prä­si­den­ten­wahl weit über des­sen Grö­ße hin­aus. Das Ge­biet zwi­schen der neu ge­stal­te­ten Ma­ria­hil­fer Stra­ße, al­so dem Sym­bol grü­ner Po­li­tik, und dem Wi­enFluss im Sü­den steht für die rot-grü­ne Aus­ein­an­der­set­zung in Wien: In­ner­halb des Gür­tels kämp­fen SPÖ und Grü­ne um die­sel­ben Wäh­ler. Links ori­en­tier­te, eher Jün­ge­re, Ur­ba­ne mit gu­tem Ein­kom­men, die das städ­ti­sche Flair den Wei­ten der Au­ßen­be­zir­ke vor­zie­hen.

Hier, in den In­nen­stadt­be­zir­ken, le­ben je­ne, die als Bo­bos be­zeich­net wer­den. Und mit durch­schnitt­lich 22.133 Eu­ro Jah­res­net­to in Ma­ria­hilf um fast 3.500 Eu­ro mehr ver­die­nen als in Ru­dolfs­heim-Fünf­haus. Die­se In­nen­stadt­be­woh­ner ha­ben bei der Wien-Wahl 2015 der SPÖ ei­nen über­ra­schend kla­ren Platz eins be­schert – in­dem sie der SPÖ Stim­men ga­ben, um ei­nen FPÖ-Sieg im pro­gnos­ti­zier­ten Kopf-an-Kopf-Ren­nen zu ver­hin­dern.

Die­se Men­schen muss der Wie­ner Ru­dolf Hund­stor­fer er­rei­chen, will er ei­ne Chan­ce auf die Stich­wahl ha­ben. Was für ihn schwer wird, hat sich doch das Sze­na­rio um 180 Grad ge­wen­det. Dies­mal könn­te es hei­ßen, um Nor­bert Ho­fer von der FPÖ zu ver­hin­dern, müs­se Van der Bel­len ge­wählt wer­den, dem mehr Chan­cen als Hund­stor­fer zu­ge­schrie­ben wer­den. Das könn­te den Ex-So­zi­al­mi­nis­ter in sei­ner po­li­ti­schen Hei­mat die Stich­wahl kos­ten.

Wie vo­la­til die Si­tua­ti­on dort ist, zei­gen ver­gan­ge­ne Er­geb­nis­se. Bei der Na­tio­nal­rats­wahl 2013 sieg­ten die Grü­nen mit 29,08 Pro­zent deut­lich vor der SPÖ (22,69 Pro­zent). Bei der EU-Wahl im dar­auf­fol­gen­den Jahr war der Ab­stand noch deut­li­cher, um sich bei der Wien-Wahl 2015 ins Ge­gen­teil zu keh­ren: Die SPÖ lag bei der Ge­mein­de­rats­wahl 16 Pro­zent­punk­te vor Grün, konn­te aber auf Be­zirks­ebe­ne (trotz leich­ter Ver­lus­te) den Be­zirks­vor­ste­her hal­ten. Mit der U-Bahn in die Hof­burg? Dem­ent­spre­chend wird von SPÖ und Grü­nen ein spe­zi­el­ler Wahl­kampf ge­führt. „Vie­le Leu­te wis­sen be­reits, dass Van der Bel­len im sechs­ten Be­zirk wohnt. Und dass er vor­hat, mit der U-Bahn in die Hof­burg zu fah­ren, falls er Bun­des­prä­si­dent wird“, er­klärt die grü­ne Vi­zeBe­zirks­che­fin Susanne Je­ru­sa­lem. Sie hat ge­ra­de ei­ne Zei­tung fer­tig­ge­stellt, die an al­le Be­zirks­be­woh­ner ver­teilt wird. Un­ab­hän­gig da­von gibt sie sich sie­ges­si­cher: „Der Be­zirk wird mehr­heit­lich Van der Bel­len wäh­len.“Ein Kopf-an-Kopf-Ren­nen in Ma­ria­hilf er­war­tet da­ge­gen SPÖ-Be­zirks­chef Mar­kus Ru­mel­hart: „Van der Bel­len spricht hier ge­nau so vie­le an wie Hund­stor­fer.“In we­ni­gen St­un­den wis­sen wir mehr.

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