Ryu¯kyu¯

Die Presse am Sonntag - - Globus -

An­de­re Be­zeich­nung: Oki­na­wa. Ehe­mals un­ab­hän­gi­ges Kö­nig­reich, das ge­gen die ja­pa­ni­sche Vor­herr­schaft auf­be­gehrt. Ge­grün­det: 4. Fe­bru­ar 2015. Haupt­stadt: Na­ha. Ein­woh­ner: 1,4 Mil­lio­nen. Flä­che: 2270 km2. Spra­che: Ja­pa­nisch, Uchi­na­gu­chi. Ze­re­mo­ni­ell über­gab Dr. Ya­su­katsu Matsu­s­hi­ma, Mit­be­grün­der der aka­de­mi­schen Ge­sell­schaft zur Er­for­schung der Un­ab­hän­gig­keit Ryu¯kyu¯s, ei­nem Ver­tre­ter des Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums am Kon­fe­renz­tisch ein Do­ku­ment. Es han­del­te sich um die ers­te di­rek­te For­de­rung ge­gen­über der ja­pa­ni­schen Re­gie­rung, und Matsu­s­hi­ma er­war­te­te his­to­ri­sche Kon­se­quen­zen.

Grund für die Un­zu­frie­den­heit Ryu¯kyu¯s ist die an­hal­ten­de Mi­li­tär­prä­senz der USA auf Oki­na­wa, der Haupt­in­sel des Ar­chi­pels. Die Stütz­punk­te wer­den von Ja­pa­nern und Ame­ri­ka­nern ge­mein­sam ver­wal­tet, und bei­de miss­ach­ten die Be­dürf­nis­se der Be­völ­ke­rung. En­de des 19. Jahr­hun­derts war das einst un­ab­hän­gi­ge Ryu¯kyu¯ dem ja­pa­ni­schen Kai­ser­reich ein­ver­leibt und 1945 von den USA ein­ge­nom­men wor­den. Bei den Kampf­hand­lun­gen starb ein Drit­tel der Ein­hei­mi­schen. Die Ame­ri­ka­ner ent­eig­ne­ten ein Fünf­tel der Flä­che Oki­na­was für ih­re Stütz­punk­te, be­vor sie den Ar­chi­pel 1972 an die Ja­pa­ner zu­rück­ga­ben. Den Stütz­punkt in Oki­na­wa räum­ten sie je­doch nicht.

Ja­pan igno­rier­te die wie­der­hol­ten For­de­run­gen nach Ab­zug der Ame­ri­ka­ner rou­ti­ne­mä­ßig, aber ein un­ab­hän­gi­ges Ryu¯kyu¯, so Matsu­s­hi­ma, wür­de das Pro­blem von selbst lö­sen. Zu­sam­men mit Kol­le­gen re­cher­chier­te er die Rechts­grund­la­gen für die Sou­ve­rä­ni­tät Ryu¯kyu¯s. Das Do­ku­ment, das er dem Ver­tre­ter des Au­ßen­mi­nis­te­ri­ums im Fe­bru­ar 2015 über­gab, weist nach, dass die Anne­xi­on Ryu¯kyu¯s ei­ne Ver­let­zung in­ter­na­tio­na­len Rechts dar­stell­te, und ver­langt die Be­en­di­gung der Ko­lo­ni­al­herr­schaft.

Zu­gleich ver­lang­te der höf­li­che Pro­fes­sor der Öko­no­mie die Aus­hän­di­gung an­de­rer Do­ku­men­te: Der Ori­gi­nal­ver­trä­ge zwi­schen dem Kö­nig­reich Ryu¯kyu¯ und den USA, Frank­reich und den Nie­der­lan­den aus den 1850er-Jah­ren, die sei­ner Mei­nung nach zwei­fels­frei be­wei­sen, dass Ryu¯kyu¯ zum Zeit­punkt der Ko­lo­ni­sie­rung ein sou­ve­rä­ner Staat war.

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