VOLK, LAND, STAATS­GE­WALT

Die Presse am Sonntag - - Globus -

Laut Völ­ker­recht ent­ste­hen Staa­ten, wenn drei Ele­men­te zu­sam­men­kom­men: (1) ein Volk, das sich über­wie­gend als Na­ti­on be­greift; (2) ein Staats­ge­biet – es ge­nügt ein Kern­raum, die Gren­zen müs­sen noch nicht ex­akt sein; (3) ei­ne sou­ve­rä­ne Re­gie­rungs­ge­walt, die auch ef­fek­tiv, al­so wirk­sam, sein muss. Die An­er­ken­nung des neu­en Ge­bil­des durch ei­nen be­ste­hen­den Staat hat kei­ne kon­sti­tu­ti­ve Wir­kung, al­so ei­ne, die qua­si die Staats­qua­li­tät stärkt. Kon­sti­tu­tiv wirk­sam ist aber die Auf­nah­me di­plo­ma­ti­scher Be­zie­hun­gen, ein Vor­gang, auf den näm­lich kein Staat im Prin­zip ei­nen An­spruch hat. Kri­tisch zu be­mer­ken sind ei­ni­ge Feh­ler in Midd­le­tons Buch: So ist Pa­läs­ti­na 2012 dem Hei­li­gen Stuhl nicht „bei­ge­tre­ten“. Frank­reich griff 2013 in Ma­li nicht ein, um den Tuareg­staat Aza­wad zu eli­mi­nie­ren, son­dern um Is­la­mis­ten zu stop­pen, die ganz Ma­li er­obern woll­ten. Und als die si­bi­ri­sche Re­pu­blik Tu­wa En­de 1944 der UdSSR bei­trat, war die deut­sche Ar­mee schon lang nicht mehr „auf dem Vor­marsch nach Moskau“. Im Ge­gen­teil: Da stan­den die Rus­sen schon in Deutsch­land.

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