Blatt­li­nie

NACH­RICH­TEN AUS DER REDAKTIONSKONFERENZ

Die Presse am Sonntag - - Die Seite Zwei - CU

Was bringt der 1. Mai? Neue Ar­bei­ter, ei­nen neu­en Hel­ler-Ro­man und al­te Stadt­pro­ble­me.

An den 1. Mai hat And­re´ Hel­ler be­son­de­re Kind­heits­er­in­ne­run­gen. Sein Va­ter, ein Fa­b­ri­kant, woll­te von den Ar­bei­ter­auf­mär­schen par­tout nichts se­hen und hö­ren. Des­halb ließ er an die­sem Tag das Hiet­zin­ger Fa­mi­li­en­haus ab­dun­keln und ex­tra lau­te Mu­sik spie­len. And­re´ Hel­lers Ver­hält­nis zur So­zi­al­de­mo­kra­tie hat sich seit­her deut­lich ent­spannt, mit Kreis­ky oder spä­ter auch mit Gu­sen­bau­er ging er so man­ches Stück des Wegs. Bei Wer­ner Fay­mann hin­ge­gen war in­tel­lek­tu­el­le Ge­folg­schaft per se nicht mög­lich. Zum Bun­des­kanz­ler hat sich Hel­ler in sei­nem In­ter­view mit An­ne-Ca­the­ri­ne Si­mon nicht ge­äu­ßert. Da gibt es nicht viel zu sa­gen. Die bei­den streif­ten im Ge­spräch Po­li­ti­sches, zu­mal die Bun­des­prä­si­den­ten­wahl und das To­tal­ver­sa­gen von SPÖVP, re­de­ten aber vor al­lem über Hel­lers neu­en Ro­man, das „Buch vom Sü­den“.

Um Po­li­tik, aber nicht nur, ging es auch in den Ge­sprä­chen, die Iris Bo­na­vi­da, Ju­lia Neu­hau­ser, Jeannine Bin­der, Karl Et­tin­ger und Clau­dia Lagler in Salz­burg, Steyr und Wi­en ge­führt ha­ben. Sie ha­ben sich auf die Su­che nach der sich auf­lö­sen­den Ar­bei­ter­klas­se be­ge­ben. Nor­bert Rief war in der ster­ben­den Ar­bei­ter­stadt Mürz­zu­schlag. Die SPÖ kann je­den­falls nicht mehr auf die Pro­le­ta­ri­er zäh­len: Ei­ne fet­te Mehr­heit wähl­te zu­letzt den FPÖ-Kan­di­da­ten. Den ro­ten Que­re­len wid­me­te sich noch­mals Et­tin­ger. Der Kanz­ler wird am heu­ti­gen 1. Mai viel lau­te Mu­sik und dunk­le Bril­len brau­chen, um den Zorn der Ge­nos­sen aus­blen­den zu kön­nen. Un­schön. Ganz zu Be­ginn, von 1890 bis 1918, mar­schier­ten die Ar­bei­ter üb­ri­gens nicht auf der Ring­stra­ße, son­dern im Pra­ter. Dort trübt sich das Idyll mitt­ler­wei­le man­cher­orts ein. Man­fred Seeh, Chris­ti­ne Im­lin­ger, Andre­as Wetz und An­na Thal­ham­mer durch­leuch­te­ten die ge­walt­be­rei­te Sze­ne rund um den Pra­ter­stern. Lei­der än­dert es drau­ßen nichts, wenn man die Ja­lou­si­en her­un­ter­zieht.

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