»Die SPÖ ist bis heu­te die Ar­bei­ter­par­tei«

Die Presse am Sonntag - - Inland -

Der ge­lern­te Ei­sen­bie­ger Chris­ti­an Sambs, Be­triebs­rat bei ei­ner Bau­fir­ma, wünscht sich von der SPÖ mehr Ge­hör für die Ba­sis. Be­denk­lich sei das Nein zu Ver­hand­lun­gen mit der FPÖ.

Die kräf­ti­gen Hän­de sind wie ein Er­ken­nungs­merk­mal. Chris­ti­an Sambs (50) hat als Ei­sen­bie­ger an­ge­fan­gen. Als Ar­bei­ter, der bei Wind und Wetter auf Bau­stel­len Ei­sen­tei­le ge­legt hat. Gut 30 Jah­re spä­ter ist der ge­bür­ti­ge Schär­din­ger, der in Ybbs zu Hau­se ist, nun Ar­bei­ter­be­triebs­rat in ei­ner Bau­fir­ma mit rund 200 Be­schäf­tig­ten. Um halb fünf Uhr steht er auf, pen­delt täg­lich, um ab 6.30 Uhr in Wi­en-Fa­vo­ri­ten zu sein. Am Tisch im Bau­hof sei­ner Fir­ma hebt der Mann die­se wuch­ti­gen Hän­de, wenn er Pro­ble­me der SPÖ und die Frus­tra­ti­on vie­ler Kol­le­gen am Bau schil­dert.

In Po­li­ti­scher Bil­dung in der Han­dels­schu­le muss­te er die Par­tei­pro­gram­me ler­nen. „Für mich war im­mer die SPÖ die Ar­bei­ter­par­tei – bis heu­te“, sagt er. Nach­satz: „Be­vor ich dem Po­pu­lis­mus nach­lau­fe.“Für den Ro­ten ist das Pro­gramm Le­bens­mot­to: „Die SPÖ ist die Par­tei: Le­ben und le­ben las­sen.“Frei­lich räumt der Va­ter zwei­er Söh­ne (13 und 16 Jah­re, „um die mach’ ich mir Sor­gen“) ein: „Man muss nicht im­mer über­ein­stim­men, man kann trotz­dem So­zi­al­de­mo­krat sein.“

Da ist die Ent­wick­lung in der EU mit mehr und bil­li­ge­ren aus­län­di­schen Ar­beits­kräf­ten, ob­wohl man­chem mit stren­ge­ren Ge­set­zen ge­gen Sozialdumping ein ge­setz­li­cher Rie­gel vor­ge­scho­ben wur­de. Klingt wie aus Mün­dern von FPÖ-Po­li­ti­kern. Da­ge­gen ver­wahrt sich Sambs aber ve­he­ment. Die FPÖ sa­ge „Aus­län­der raus“, er sei hin­ge­gen da­für, dass die Be­schäf­ti­gung „in ge­re­gel­ter Form und fair ge­macht wird“. Angst um Ar­beits­platz. Die Ar­beits­platz­angst sei Grund, war­um es „an der Ba­sis bro­delt“. Die SPÖ-Füh­rung sol­le mehr auf die Ba­sis hö­ren. Auch wenn Sambs das Wort FPÖ nicht in den Mund nimmt, hält er Wer­ner Fay­manns Nein zu ei­ner Ko­ali­ti­on für ei­nen Feh­ler: „Ich fin­de es im­mer wie­der be­denk­lich, dass man sich da­ge­gen ver­wehrt, mit den Par­tei­en zu ver­han­deln, weil man sich Chan­cen nimmt.“Soll der SPÖ-Chef blei­ben? Viel­sa­gen­de Ant­wort: „Herr Fay­mann muss selbst ein­mal ein Re­sü­mee zie­hen.“

Fei­er­abend. Mit ei­nem Ar­beits­kol­le­gen geht es heim nach Ybbs. ett

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