JÖRG MEU­THEN

Die Presse am Sonntag - - Ausland -

Von ei­nem Par­tei­tag kann die Er­in­ne­rung an ei­ne his­to­ri­sche St­un­de blei­ben. Oder an lan­ge St­un­den. Beim Bun­des­par­tei­tag der AfD in der Stutt­gar­ter Mes­se scheint zu Be­ginn für vie­le der mehr als 2000 Be­tei­lig­ten eher Va­ri­an­te zwei in­fra­ge zu kom­men. Denn die Ver­an­stal­tung, bei der man sich ein Par­tei­pro­gramm ge­ben will, ist zu­nächst vor al­lem ei­ne Wan­de­rung durch die Mü­hen der de­mo­kra­ti­schen Ent­schei­dungs­fin­dung. In­klu­si­ve Ab­stim­mun­gen, ob über ei­nen An­trag statt mit Ant­wort­kar­ten elek­tro­nisch ab­ge­stimmt wer­den soll. Har­te Wor­te und kna­cki­ge Zi­ta­te fin­den sich zu Be­ginn nur spär­lich. Ein an­stren­gen­der, zeit­wei­se lang­wie­ri­ger Pro­zess – aber auch et­was, das die Par­tei­gran­den als ge­wünscht be­zeich­nen. „Wir sind ja kei­ne CDU-Du­ra­cell-Klatsch­häs­chen“, sagt Ko-Par­tei­vor­sit­zen­der Jörg Meu­then mit Blick auf Par­tei­ta­ge der po­li­ti­schen Mit­be­wer­ber. „Wir pfle­gen den auf­rech­ten, of­fe­nen und ehr­li­chen de­mo­kra­ti­schen Dis­kurs.“ Pe­try in Rot-Grün. Oh­ne das nö­ti­ge Pa­thos geht es auch bei der AfD nicht. Wenn Meu­then et­wa auf SPD-Jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas an­spielt, der das AfD-Pro­gramm als „Fahr­plan in ein an­de­res Deutsch­land“be­zeich­net hat. „Wo der Mann recht hat, hat er recht. Weg vom links-rot-grün-ver­seuch­ten 68er-Deutsch­land, von dem wir die Na­se voll ha­ben.“Der Ap­plaus und das Joh­len im Saal ge­ben ihm recht. Rot­grün, das ideo­lo­gi­sche Feind­bild der jun­gen Par­tei, ist aber auch in un­er­war­te­ter Form auf dem Par­tei­tag prä­sent. Par­tei­vor­sit­zen­de Frau­ke Pe­try tritt mit ro­tem Rock und grü­nem Bla­zer auf. Ein Si­gnal sei das, meint sie, dass die­se par­tei­po­li­tisch be­leg­ten Far­ben in Zu­kunft nicht mehr so wich­tig sei­en. „Wir als Blaue soll­ten die­se Far­ben ein­neh­men und wie­der ih­rer wah­ren Be­deu­tung zu­füh­ren.“

Und Klei­dung spielt auch im wei­te­ren Ver­lauf ih­rer Re­de ei­ne Rol­le. Wenn sie et­wa An­ge­la Mer­kel in die Mär­chen­welt von „des Kai­sers neue Klei­der“ver­pflanzt. Und da­nach fragt, wann „das mu­ti­ge Kind“auf­taucht, das aus­spricht, „dass die Kanz­le­rin der Al- Der AfD-Co-Chef über sei­ne Zie­le

Frau­ke Pe­try und das Mär­chen der »nack­ten Kanz­le­rin der Al­ter­na­tiv­lo­sig­keit«.

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