Kon­trol­len für höchs­te Qua­li­tät

Die Presse am Sonntag - - Ausland -

Andre­as Herr­mann hat ei­ne ver­ant­wor­tungs­vol­le Tä­tig­keit: Der AMA-Qua­li­täts­ma­na­ger und Ex­per­te für Nach­hal­tig­keit ist auch ei­ner von 13 Kon­trol­leu­ren, die bei hei­mi­schen Rin­der- und Schwei­ne­bau­ern die Ein­hal­tung der stren­gen Re­geln des AMA-Gü­te­sie­gels über­prü­fen. Auf­grund de­ren Tä­tig­keit kön­nen Kon­su­men­ten si­cher sein, dass mit dem rot-weiß-ro­ten AMA-Gü­te­sie­gel aus­ge­zeich­ne­tes Fleisch aus Ös­ter­reich stammt und die Tier­hal­tung ge­nau de­fi­nier­ten Kri­te­ri­en ent­spricht. Bei den Kon­trol­len auf dem Bau­ern­hof geht es um Tier­schutz so­wie um die Qua­li­tät des End­pro­dukts.

Ein wich­ti­ges The­ma stellt et­wa die kor­rek­te Ver­wen­dung von An­ti­bio­ti­ka dar. Es ist vor­ge­schrie­ben, dass die­se nur bei Er­kran­kung der Tie­re un­ter Kon­trol­le des Tier­arz­tes ge­ge­ben wer­den dür­fen. Au­ßer­dem muss der Land­wirt über die An­ti­bio­ti­ka-Ga­be ge­naue Auf­zeich­nun­gen füh­ren, er­läu­tert Herr­mann: „Wir über­prü­fen vor Ort die Kenn­zeich­nung der be­han­del­ten Tie­re, se­hen uns die Do­ku­men­ta­tio­nen so­wie die ver­ab­reich­ten Me­di­ka­men­te und vie­les an­de­re an.“Da­mit wird si­cher­ge­stellt, dass die Prä­pa­ra­te rich­tig ver­wen­det und die Tie­re erst nach ei­ner War­te­zeit, in der die Wirk­stof­fe ab­ge­baut wer­den, ver­kauft wer­den. Die­se War­te­zeit ist beim AMA-Gü­te­sie­gel dop­pelt so lang wie ge­setz­lich vor­ge­schrie­ben.

Vom Bau­ern­hof ins La­bor

Dass punk­to Me­di­ka­men­ten­ga­be al­les kor­rekt ab­läuft, wird – wie bei Sport­lern – im­mer wie­der mit Harn­pro­ben über­prüft. Herr­mann ver­wen­det zum Ein­sam­meln des Urins ei­ne cir­ca zwei Me­ter lan­ge Te­le­skop­stan­ge, an de­ren En­de ein Pro­be­be­häl­ter be­fes­tigt ist. Die Pro­ben wer­den in ein zer­ti­fi­zier­tes La­bor ge­schickt und dort nach ver­schie­dens­ten Kri­te­ri­en un­ter­sucht. Auch Pro­ben von Kot und Fut­ter­mit­teln wer­den ge­mäß Ri­si­ko­be­rech­nung ge­zo­gen: „Wir ent­schei­den bei je­der Kon­trol­le, was letzt­lich im La­bor un­ter­sucht wird“, schil­dert Herr­mann. Er ist stolz dar­auf, dass im Rah­men des AMAGü­te­sie­gels eu­ro­pa­weit ein­zig­ar­tig be­reits im Zu­ge der Tier­hal­tung auf das Rück­stands­mo­ni­to­ring be­son­de­rer Wert ge­legt wird und nicht erst nach der Schlach­tung: „Wir le­gen ei­nen Schwer­punkt auf Pro­zess­kon­trol­le, da­mit sind wir den ent­schei­den­den Schritt vor­aus. Da­nach kom­men noch die Kon­trol­len im Schlacht­hof und der End­pro­duk­te.“

Ei­ne gro­ße Rol­le bei der Ar­beit der Kon­trol­leu­re spielt das Tier­wohl. So ha­ben sie ein Lux­me­ter mit, um zu über­prü­fen, ob der Stall hell ge­nug ist. „Licht ist ein we­sent­li­cher Wohl­fühl­fak­tor für die Tie­re“, be­rich­tet Herr­mann. Des­halb ist ein Min­dest­wert von 40 Lux vor­ge­schrie­ben. Ist er nicht ein­ge­hal­ten, muss der Land­wirt ent­spre­chen­de Maß­nah­men set­zen, et­wa ein Licht­pro­gramm mit künst­li­cher Be­leuch­tung, zu­sätz­li­che Fens­ter oder ei­nen Licht­first ein­bau­en. „Und manch­mal ge­nügt es schon, den Busch vor dem Fens­ter weg­zu­schnei­den.“

Be­leg­dich­te ist ent­schei­dend

Licht ist nur ei­ner der Aspek­te des Tier­wohls. Der AMA-Kon­trol­leur über­prüft al­le auf der Checkliste an­ge­führ­ten Kri­te­ri­en. Die für das AMA-Gü­te­sie­gel gel­ten­den Re­ge­lun­gen über­tref­fen teils die ge­setz­li­chen Tier­schutz­vor­schrif­ten, sie müs­sen strikt ein­ge­hal­ten wer­den, er­klärt Herr­mann: „Haupt­the­ma ist oft die Be­leg­dich­te, des­halb wer­den Buch­ten mit Zoll­stab oder La­ser ver­mes­sen.“So­wohl dem Wohl­be­fin­den des Tie­res als auch der Ge­sund­heit der Kon­su­men­ten dient die Kon­trol­le der Fut­ter­mit­tel. Was Tie­re im Rah­men des AMA-Gü­te­sie­gels zu fres­sen be­kom­men, ist ge­nau ge­re­gelt, und dar­über müs­sen pe­ni­ble Auf­zeich­nun­gen ge­führt wer­den. Die Land­wir­te dür­fen ne­ben dem auif dem ei­ge­nen Hof pro­du­zier­ten Fut­ter er­gän­zen­de Fut­ter­mit­tel nur von pas­tus+-zer­ti­fi­zier­ten Un­ter­neh­men zu­kau­fen, die kei­ne tie­ri­schen Ei­wei­ße wie Fisch­mehl ent­hal­ten: „Das wird ge­nau kon­trol­liert, ich schaue mir in den Un­ter­la­gen an, von wo die Fut­ter­mit­tel be­zo­gen wer­den, aber auch wo und wie sie ge­la­gert wer­den, ob Fut­ter nicht schimm­lig ge­wor­den ist, ob kei­ne frem­den Tie­re ins Fut­ter­mit­tel­la­ger kom­men und noch ei­ni­ges an­de­re“, er­läu­tert Herr­mann.

Sei­ne Kon­trol­len wer­den von den Land­wir­ten un­ter­schied­lich auf­ge­nom­men, er­zählt er. Oft sind sie froh, wenn Män­gel auf­ge­zeigt wer­den und ih­nen da­mit die Mög­lich­keit zur Op­ti­mie­rung ih­res Be- Für Bau­ern im AMA-Gü­te­sie­gel­pro­gramm gel­ten für die Tier­hal­tung kla­re Vor­schrif­ten. Für je­des Tier sind be­stimm­te Pa­ra­me­ter vor­ge­ge­ben, un­ab­hän­gig da­von, wie groß oder klein der Be­trieb ist. So ist bei­spiels­wei­se für Schwei­ne na­tür­li­ches, or­ga­ni­sches Be­schäf­ti­gungs­ma­te­ri­al vor­ge­schrie­ben. trie­bes ge­ge­ben wird. „Ei­ni­ge fin­den die Kon­trol­lo­re aber als Pa­ra­gra­fen­rei­te­rei und sa­gen dann: Jetzt habt ihr doch noch ein Punk­terl ge­fun­den.“

Ge­ahn­det wer­den Ab­wei­chun­gen nach ei­nem Sank­tio­nen­ka­ta­log. Bei klei­nen Ver­feh­lun­gen wird die Be­he­bung des Kri­tik­punk­tes bzw. das Nach­lie­fern von Do­ku­men­ten ge­for­dert. Sel­ten, aber doch kommt es vor, dass Bau­ern auf­grund von grö­ße­ren Ver­stö­ßen und man­geln­der Be­reit­schaft zu de­ren Be­he­bung aus dem AMAPro­gramm aus­ge­schlos­sen wer­den: „Zwi­schen drei und fünf Sper­ren ha­ben wir im Jahr“, er­zählt Herr­mann. Für die be­trof­fe­nen Bau­ern kann die­se Maß­nah­me hart sein. Aber die stren­gen Kon­trol­len, die min­des­tens ein­mal jähr­lich statt­fin­den, sind schließ­lich im In­ter­es­se der Kon­su­men­ten, da­mit sie sich auf die durch das AMA-Gü­te­sie­gel do­ku­men­tier­te ho­he Le­bens­mit­tel­qua­li­tät ver­las­sen kön­nen. Der AMA-Kon­trol­lor zieht Pro­ben aus al­len Fut­ter­mit­tel­la­gern auf dem Hof. Im La­bor wer­den die­se an­schlie­ßend auf even­tu­ell vor­han­de­ne Rück­stän­de, Ve­r­un­rei­ni­gun­gen oder schäd­li­che Mi­kro­or­ga­nis­men un­ter­sucht. Au­ßer­dem wer­den im Zu­ge ei­ner Kon­trol­le sämt­li­che Be­le­ge ei­nes Fut­ter­mit­tel­zu­kau­fes an­ge­schaut. Zu­ge­kauf­tes Fut­ter muss als AMAGü­te­sie­gel-taug­lich ge­kenn­zeich­net sein. An­ti­bio­ti­ka dür­fen im Rah­men des AMA-Gü­te­sie­gels aus­schließ­lich the­ra­peu­tisch, al­so nach Dia­gno­se und Ver­ord­nung durch ei­nen Tier­arzt an­ge­wen­det wer­den. Ein vor­beu­gen­der Ein­satz (zur Leis­tungs­stei­ge­rung) ist ver­bo­ten. Sind Tie­re krank, müs­sen sie al­ler­dings be­han­delt wer­den. Dies re­gelt das Bun­des­tier­schutz­ge­setz. Wer­den Me­di­ka­men­te (wie An­ti­bio­ti­ka) ein­ge­setzt, müs­sen die­se im Rah­men des AMA-Gü­te­sie­gels ge­nau do­ku­men­tiert wer­den. Da­nach ist die dop­pel­te der ge­setz­lich vor­ge­schrie­be­nen War­te­frist ein­zu­hal­ten, be­vor die Schwei­ne ge­schlach­tet wer­den dür­fen. Das ga­ran­tiert, dass das An­ti­bio­ti­kum si­cher ab­ge­baut wur­de. Beim AMA-Gü­te­sie­gel gilt : Zu 100 Pro­zent gen­tech­nik­frei ge­füt­tert müs­sen Rin­der für die Milch­pro­duk­ti­on sein. Das gilt in der Pra­xis auch für Ge­flü­gel­fleisch und Eier so­wie Schaf- und Zie­gen­fleisch. Das AMA-Gü­te­sie­gel er­laubt GVO-Fut­ter (noch) in der Schwei­ne­mast, denn So­ja ist als wich­ti­ge Ei­wei­ßquel­le in der Fut­ter­ra­ti­on schwer zu er­set­zen, da al­ter­na­ti­ve Ei­weiß­kom­po­nen­ten (et­wa hei­mi­sches So­ja) der­zeit nicht aus­rei­chend ver­füg­bar sind. Es gibt aber in­ten­si­ve Be­mü­hun­gen, die­se Lü­cke in der hei­mi­schen Ei­weiß­ver­sor­gung zu schlie­ßen. In den AMA-Richt­li­ni­en gibt es ein frei­wil­li­ges Mo­dul für gen­tech­nik­freie Füt­te­rung, dies ist dann ex­pli­zit ge­kenn­zeich­net. Wer Wert auf GVO-Frei­heit bei Schwei­ne­fleisch legt, kann auch zu Bio grei­fen, dort wird aus­schließ­lich GVO-frei ge­füt­tert.

Schaut dar­auf, dass al­les in Ord­nung ist: Andre­as Herr­mann, AMA-Qua­li­täts­ma­na­ger für die Be­rei­che Land­wir­te Rind/Schwein und Nach­hal­tig­keit.

Auch die Fut­ter­mit­tel sind Ge­gen­stand der Kon­trol­le. Wie wird das Fut­ter auf dem Bau­er­hof über­prüft? Wie re­gelt die AMA die Ver­ab­rei­chung von Ant­bio­ti­ka?

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