»Ein­kau­fen am Pra­ter­stern macht kei­nen Spaß«

Die Ge­schäfts­leu­te for­dern mehr Si­cher­heit.

Die Presse am Sonntag - - Wien - VON AN­NA THAL­HAM­MER

„Na ja, den schöns­ten Ar­beits­platz ha­be ich nicht“, sagt ei­ne Tra­fi­kan­tin am Pra­ter­stern. Stän­dig ge­be es Po­li­zei­ein­sät­ze, sie selbst und an­de­re Ge­schäf­te hät­ten re­gel­mä­ßig mit Dieb­stahl, stark al­ko­ho­li­sier­ten oder dro­gen­ab­hän­gi­gen Men­schen im Ge­schäft zu tun, die man dann müh­sam hin­aus­bug­sie­ren müs­se. „Ein­kau­fen am Pra­ter­stern macht kei­nen Spaß. Dar­um kauft man nur das Nö­tigs­te“, sagt die Frau.

Ähn­li­ches sagt auch ein Ke­ba­bVer­käu­fer ne­ben dem Haupt­ein­gang: „Es ist dre­ckig hier, die Leu­te auch. Und dann glau­ben die Kun­den, mein Es­sen ist auch so. Da­zu noch die Pö­be­lei­en und re­gel­mä­ßi­gen Schlä­ge­rei­en. Es ist müh­sam“, sagt er. Er selbst wür­de hier auch nicht ver­wei­len und es­sen wol­len, „au­ßer ich wä­re knapp vorm Ver­hun­gern“. Der Im­biss­stand ne­ben­an hat zu­ge­sperrt. „Ich glaub’, dem war es zu viel“, sagt der Mann. Auf der Su­che nach Lö­sun­gen. Ver­tre­ter des Han­dels in der Wirt­schafts­kam­mer ha­ben erst vor Kur­zem ge­mein­sam mit der da­ma­li­gen In­nen­mi­nis­te­rin (und nun­meh­ri­gen nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Vi­ze-Lan­des­haupt­frau) Jo­han­na Mikl-Leit­ner (ÖVP) den Pra­ter­stern be­sucht und be­gut­ach­tet. Ein­hel­li­ge Mei­nung der Ge­schäfts­leu­te: Die Po­li­zei ar­bei­te her­vor­ra­gend, wei­ter­ge­hen kön­ne es so aber nicht. Wirt­schafts­kam­mer-Chef Wal­ter Ruck sag­te: „Der Pra­ter­stern ist mit mehr als 110.000 Fahr­gäs­ten und Be­su­chern täg­lich ei­ner der meist­fre­quen­tier­ten Plät­ze Wi­ens. Der Pra­ter­stern darf nicht der neue Karls­platz wer­den. Nur, wo sich Men­schen si­cher füh­len, kön­nen Ge­schäf­te er­folg­reich be­trie­ben wer­den.“Der­zeit lau­fen Ge­sprä­che zwi­schen Wirt­schafts­kam­mer, Po­li­zei und Be­zirk.

In der Bil­la-Fi­lia­le ist man­geln­des Ge­schäft hin­ge­gen kein Pro­blem. Sie ist nicht zu­letzt we­gen der Sonn­tags­öff­nung und den lan­gen Öff­nungs­zei­ten am Abend ei­ne der meist­fre­quen­tier- ten, und so­mit wohl um­satz­stärks­ten, des Lan­des. Rewe sei es ge­wöhnt, Fi­lia­len auch an so­zi­al schwie­ri­gen Or­ten zu be­trei­ben, heißt es aus der Zen­tra­le. Da­für ge­be es ex­ter­ne Si­cher­heits­diens­te für sol­che Fi­lia­len. Wei­ters un­ter­stüt­ze der Kon­zern das So­zi­al­ar­bei­ter­team SAM auch fi­nan­zi­ell. Man wol­le so­zia­le Ver­ant­wor­tung.

Da­mit ar­gu­men­tiert auch der Leo­pold­stadt-Be­zirks­vor­ste­her, Karl-Heinz Ho­ra (SPÖ), wenn er Ge­schäfts­leu­te am Pra­ter­stern auf­for­dert, am Abend frei­wil­lig kei­nen Al­ko­hol mehr zu ver­kau­fen. Rewe hält da­von nichts: „Wir se­hen kei­nen Sinn in rei­ner Sym­ptom­be­kämp­fung. Das wür­de ei­ne klei­ne Grup­pe be­tref­fen, die sich dann ein­fach vor 19 Uhr mit Al­ko­hol ver­sor­gen könn­te“, sagt Spre­che­rin Ines Schu­rin.

Der Be­zirk will, dass die Ge­schäf­te auf Ver­kauf von Al­ko­hol ver­zich­ten.

Als Hoff­nungs­schim­mer am Pra­ter­stern gilt das ve­ge­ta­ri­sche Re­stau­rant Yamm!, das in der ehe­ma­li­gen Po­li­zei­sta­ti­on vor dem Haupt­ein­gang – und so­mit mit­ten im Ge­sche­hen – schon im April auf­sper­ren woll­te. Der Scha­ni­gar­ten ist dort ge­plant, wo sich der­zeit vor­nehm­lich Al­ko­ho­li­ker den Tag ver­trei­ben. Ge­gend mit „Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al“. „Wir woll­ten schon auf­sper­ren – dass wir es noch nicht ge­tan ha­ben liegt dar­an, dass uns noch Ge­neh­mi­gun­gen feh­len“, sag He­ri­bert Scheikl, der Lei­ter der Yamm!-Fi­lia­le am Uni­ver­si­täts­ring. Man bli­cke der Er­öff­nung, für die es noch kein Da­tum gibt, po­si­tiv ent­ge­gen. „Die Ge­gend ist et­wa auch durch die Nä­he zum Nord­bahn­hof auf­stre­bend, sie hat Ent­wick­lungs­po­ten­zi­al“, sagt er. Die Si­tua­ti­on am Pra­ter­stern emp­fin­de er we­ni­ger als be­droh­lich, denn als „Chan­ce“.

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