Der Con­cier­ge als Ho­tel­ar­chi­var

Micha­el Mo­ser, der le­gen­dä­re Con­cier­ge des Ho­tels Im­pe­ri­al, ar­bei­tet der­zeit 143 Jah­re Ho­tel­ge­schich­te auf. Ta­ge­buch­ein­trä­ge, Gäs­te­bü­cher und an­de­re Er­in­ne­rungs­stü­cke ge­ben Ein­blick in die lan­ge His­to­rie des Ho­tels am Ring.

Die Presse am Sonntag - - Wien - VON MIR­JAM MARITS

Für je­man­den, des­sen Be­rufs­bild so stark mit Dis­kre­ti­on ver­bun­den ist, re­det er un­glaub­lich viel. Oh­ne da­bei, das ver­steht sich von selbst, auch nur ein in­dis­kre­tes De­tail aus­zu­plau­dern, de­rer er in mehr als 30 Jah­ren als Con­cier­ge im Ho­tel Im­pe­ri­al oh­ne Zwei­fel ei­ne gan­ze Men­ge mit­er­lebt hat.

Micha­el Mo­ser, un­über­trie­bener­wei­se ei­ne Le­gen­de des Im­pe­ri­al, ist, kaum hat man ihn schwe­ren Her­zens als Con­cier­ge in die Pen­si­on ver­ab­schie­det, aus eben­die­ser wie­der zu­rück­ge­kehrt. Dies­mal in ei­ner neu­en Funk­ti­on: Als Ar­chi­var ver­sucht der ge­bür­ti­ge Kärnt­ner der­zeit im Al­lein­gang („Da­bei kann mir nie­mand hel­fen“), die lan­ge Ge­schich­te des Ho­tels, das in die­ser Wo­che sei­nen 143. Ge­burts­tag ge­fei­ert hat, auf­zu­ar­bei­ten. Und auch sicht­bar zu ma­chen: Wo und wie ist noch nicht ganz klar, denk­bar wä­re aber et­wa ei­ne klei­ne Dau­er­aus­stel­lung im Ho­tel.

Her­zu­zei­gen gibt es viel: Al­te Post­kar­ten, das Ge­schirr, das ei­gens für den Be­such von Queen Eliz­a­beth 1969 an­ge­fer­tigt wur­de, his­to­ri­sche Fo­tos – auch wenn aus den frü­hen Jah­ren des Ho­tels nur noch we­nig er­hal­ten ist. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg, er­zählt Mo­ser, sei das Ho­tel rus­si­sches Haupt­quar­tier ge­we­sen. „Als es dann wie­der zum Ho­tel wur­de, ist es voll­kom­men ent­leert wor­den“, sagt Mo­ser. „Da­mals wur­de al­les weg­ge­schmis­sen, was nicht niet- und na­gel­fest war.“ Chap­lins Au­to­gramm. Zu den fas­zi­nie­ren­den Zeit­zeu­gen zäh­len zwei­fel­los die Gäs­te­bü­cher, in de­nen Mo­ser – auch wenn er es wohl schon Hun­der­te Ma­le ge­macht hat – im­mer noch mit kind­li­cher Be­geis­te­rung und viel Re­spekt blät­tert. Ein­mal ha­be er den Ein­trag von Char­lie Chap­lin schät­zen las­sen, „al­lein sei­ne Un­ter­schrift hät­te ei­nen Aus­ru­fungs­preis von 1000 Eu­ro. Das ge­sam­te Gäs­te­buch ist zwi­schen 30.000 und 40.000 Eu­ro wert.“Ver­ewigt ha­ben sich, um nur ei­ni­ge we­ni­ge zu nen­nen, die frü­he­ren US-Prä­si­den­ten Her­bert Hoo­ver (1938) und Bill Cl­in­ton, bei­de je­weils nach ih­rer Amts­zeit. Ein am­tie­ren­der US-Prä­si­dent war noch nie Gast im Im­pe­ri­al, weil das Ho­tel für die rie­si­ge En­tou­ra­ge des US-Prä­si­den­ten zu klein ist. Al­f­red Hitch­cock hat 1964 sein cha­rak­te­ris­ti­sches Selbst­por­trät ins Gäs­te­buch ge­zeich­net. Ei­nen Ein­trag von Her­bert von Ka­ra­jan, ei­nem Dau­er­gast („Er hat­te ei­nen ei­ge­nen Schlüs­sel und konn­te je­der­zeit durch den Hin­ter­ein­gang hin­ein“), gibt es auch. Und auch Ar­nold Schwar­ze­negger hat vie­le, vie­le Jah­re spä­ter sein un­ver­meid­li­ches „I’ll be back“hin­ter­las­sen.

His­to­ri­sche Spei­se­kar­ten, zum Teil auf Sei­de ge­druckt, zei­gen, „dass im Im­pe­ri­al auch in Kriegs­zei­ten nicht so schlecht ge­ges­sen wur­de“: Im Ju­li 1917 et­wa gab es Hüh­ner­sup­pe, ge­dämpf­ten Rin­der­bra­ten, Eis­bom­be und Kaf­fee. Man­ches ha­ben ihm auch Gäs­te zur Ver­fü­gung ge­stellt, et­wa al­te Ta­ge­buch­ein­trä­ge von Ho­tel­gäs­ten. Am 24. Fe­bru­ar 1945 et­wa schrieb ein Stamm­gast

Cle­mens Fa­b­ry

Micha­el Mo­ser mit ei­nem his­to­ri­schen Be­steck im Ho­tel Im­pe­ri­al.

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