Ran an die Wä­sche

Jah­re­lang gab es we­nig Aus­wahl, mitt­ler­wei­le steigt die Zahl der Des­sous­ge­schäf­te in Wi­en. In der Lin­ge­rie Ma­nu­fak­tur fer­tig Da­nie­la Pa­ra­deis Da­men­un­ter­wä­sche nach Maß.

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - VON EVA WINROITHER

Aus­ge­rech­net in ei­ner Vor­le­sung für Un­ter­wä­sche fühl­te sich Da­nie­la Pa­ra­deis zum ers­ten Mal rich­tig wohl. Jah­re­lang war sie auf der Su­che nach ei­ner Ni­sche in der Mo­de­bran­che ge­we­sen, klas­si­sche Da­men­be­klei­dung wür­de ja eh je­der ma­chen. Nach dem Ab­schluss des Kol­legs in der Mo­de­schu­le Herbst­stra­ße schnup­per­te sie zu­erst bei ei­nem La­bel, das Ta­schen aus re­cy­cel­ten Fahr­rad­schläu­chen macht, spä­ter in der Ko­s­tüm­ab­tei­lung im Thea­ter („Das klingt gla­mou­rö­ser als es ist.“) und schließ­lich auch bei ei­nem La­bel für Her­ren­mo­de. Aber so rich­tig be­geis­tert hat sie das al­les nicht – bis sie in je­ner Kunst­ge­schich­te-Vor­le­sung über Un­ter­wä­sche lan­de­te. „Das hat mir to­tal ge­fal­len, ei­ne Ho­se ist noch im­mer ei­ne Ho­se, aber der BH hat sich im Lau­fe der Ge­schich­te am meis­ten ver­än­dert“, sagt die heu­te 30-Jäh­ri­ge. We­nig spä­ter fand sie bei ei­nem ös­ter­rei­chi­schen Un­ter­wä­sche­her­stel­ler ein Prak­ti­kum, de­sign­te BHs, die in Chi­na pro­du­ziert wur­den. Spä­ter ver­schlug es sie nach Lon­don zum heu­ti­gen Trend­la­bel Bor­del­le, an dem Stars mitt­ler­wei­le Ge­fal­len ge­fun­den ha­ben. In Lon­don, sagt Pa­ra­deis, ge­be es schon seit Jah­ren ei­ne Un­ter­wä­sche-Sze­ne. In Wi­en wür­de sich das erst jetzt ent­wi­ckeln.

Und wie. Die An­zahl der Lä­den, in de­nen sich Des­sous ab­seits von be­kann­ten Ket­ten wie H&M oder Pal­mers kau­fen las­sen, ha­ben sich in letz­ter Zeit emp­find­lich ver­mehrt. Da wä­re das La­bel I wan­na, das Lin­ge­rie für klei­ne Grö­ßen pro­du­ziert, oder das Des­sousGe­schäft Lin­ge­ria Mac­chia­to. Seit Sep­tem­ber 2015 ist auch Da­nie­la Pa­ra­deis mit ih­rem ei­ge­nen La­bel tä­tig. Nach zehn Jah­ren Be­rufs­er­fah­rung hat sie sich mit dem La­bel Da­nie­la Pa­ra­deis und der Lin­ge­rie Ma­nu­fak­tur selbst­stän­dig ge­macht. Kopf­lo­se Schau­fens­ter­pup­pe. In ih­rem klei­nen Ein­zim­merate­lier im zehn­ten Be­zirk emp­fängt Pa­ra­deis ih­re Kun­den. Der Ar­beits­be­reich hat gro­ße Fens­ter und ist in Schwarz-Weiß ge­hal­ten. An den Wän­den hän­gen Bil­der, dar­un­ter auch ein al­ter Aus­schnitt aus der Vo­gue mit Un­ter­wä­sche­mo­dels. Ih­re wich­tigs­ten Werk­zeu­ge, die Näh­ma­schi­ne und die Over­lock, ste­hen beim Fens­ter, wo hel­les Son­nen­licht das klei­ne Woh­nate­lier in ein an­ge­neh­mes Licht taucht. In der Ecke hängt ei­ne Schau­fens­ter­pup­pe kopf­los an ei­nem Ha­ken, was man­chen ih­rer Kun­den „schon schreckt“. Ent­schei­dend ist oh­ne­hin, was die Pup­pe an­hat. Ei­ne ih­rer selbst ge­näh­ten Krea­tio­nen, ein BH aus schwar­zem Kunst­le­der. Da­ne­ben trägt ei­ne an­de­re Pup­pe ei­nen wei­ßen Spit­zen-BH aus dem Stoff ei­nes Hoch­zeits­klei­des. „So hat man ei­ne Er­in­ne­rung an die Hoch­zeit, die man stän­dig tra­gen kann“, er­klärt Pa­ra­deis, die sich pri­vat nur in Schwarz klei­det. Ei­ne Vor­lie­be, die vie­le De­si­gner hät­ten. „Beim Klas­sen­tref­fen se­hen wir im­mer al­le aus, als kä­men wir von ei­ner Be­er­di­gung.“

Wer bei Pa­ra­deis ein­kauft, hat zwei Mög­lich­kei­ten. Ent­we­der er be­stellt im Web­shop (oder per Te­le­fon) Stü­cke nach Stan­dard­grö­ßen, oder er lässt sich ei­nen BH nach Maß fer­ti­gen. Die­ser kann wie die De­signs von Pa­ra­deis aus­se­hen oder wird von den Kun­den selbst ent­wor­fen, wie die Skiz­ze, die an ih­rer Pin­wand ne­ben der Näh­ma­schi­ne hängt. Ein BH mit Bän­dern, die wie Strah­len über den Rü­cken lau­fen.

Zu ih­ren Kun­den zäh­len jun­ge Frau­en, die sich ein­mal ei­nen schö­nen BH leis­ten wol­len, und im­mer wie­der auch Män­ner, die mit Fo­tos der Lieb­lings-BHs ih­rer Freun­din­nen bei ihr auf­tau­chen. Ein Gut­teil der Kun­den sei­en aber Frau­en mit gro­ßen Brüs­ten, die durch ei­nen fal­schen BH stän­dig Rü­cken­pro­ble­me hät­ten. Ein viel zu klei­ner Ver­schluss („Rü­cken“in der Fach­spra­che) und zu schma­le Trä­ger kön­nen das bei Kun­din­nen mit ei­ner gro­ßen Körb­chen­grö­ße aus­lö­sen. Ei­ne Freun­din, die Ver­käu­fe­rin sei, er­zählt Pa­ra­deis, hät­te nach ei­nem lan­gen Tag im Ge­schäft je­des Mal star­ke Rü­cken-

Vie­le Frau­en tra­gen ei­nen BH, der nicht rich­tig sitzt. Das kann zu Schmer­zen füh­ren.

schmer­zen ge­habt, aus­ge­hend von der Stel­le, wo der BH-Ver­schluss lag. Die meis­ten BHs hät­ten stan­dard­mä­ßig nur drei Ver­schluss­haken. Bei ei­ner gro­ßen Körb­chen­grö­ße brau­che man dort aber ein brei­te­res Stück Stoff mit mehr Ha­ken. Da­durch ver­tei­le sich das Ge­wicht bes­ser, und der BH ver­ur­sa­che kei­ne Schmer­zen. Auch die Trä­ger sind bei Pa­ra­deis meis­tens ein Stück brei­ter, manch­mal setzt sie auch Gel­padträ­ger ein, da­mit der BH an­ge­nehm sitzt. Die Rü­cken­schmer­zen der Freun­din wa­ren mit dem maß­ge­schnei­der­ten BH je­den­falls schnell ver­schwun­den.

„Ein gu­ter BH darf ei­gent­lich nicht zu spü­ren sein“, er­klärt Pa­ra­deis. Trotz­dem wür­den die meis­ten Frau­en den fal­schen BH tra­gen. Nicht, weil es so we­nig Aus­wahl ge­be, „son­dern weil die meis­ten ein­mal mit der Mut­ter in ein Ge­schäft ge­hen, und dann blei­ben sie dort. Egal, ob der Schnitt passt oder nicht.“Das rich­ti­ge Aus­wäh­len ei­nes BHs, das ler­nen die we­nigs­ten. Da­bei gibt es ei­ni­ges zu be­ach­ten. Et­wa, dass die Brust nicht un­ter dem Körb­chen

Je­nis

Da­nie­la Pa­ra­deis in ih­rem klei­nen Woh­nate­lier im zehn­ten Be­zirk.

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