On­line-Hass trifft ech­te Men­schen

Hass im Netz ist ein all­ge­gen­wär­ti­ges Pro­blem. In dem ak­tu­el­len Vi­deo die­se an­ony­men Be­schimp­fun­gen ech­te Men­schen. Mo­reThanMe­an tref­fen

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug - VON BAR­BA­RA GRECH

Der Mo­de­ra­tor Jim­my Kim­mel lässt seit ei­ni­gen Jah­ren Pro­mis ge­mei­ne Tweets über sich vor­le­sen. Das ist meist sehr wit­zig, aber es zeigt ganz klar, dass auf On­line-Netz­wer­ken die letz­ten Däm­me ei­ner lang hoch­ge­hal­te­nen Ge­sprächs­kul­tur ge­bro­chen sind. Die Tweets, die Jim­my Kim­mel Ge­or­ge Cloo­ney, Sha­ron Sto­ne und so­gar Ba­rack Oba­ma vor­le­sen lässt, sind oft hart an der Gren­ze, aber nicht von der schlimms­ten Sor­te. Ei­ne Kam­pa­gne von Just Not Sports ging die­sen Schritt und setz­te männ­li­che Sport­fans ge­gen­über von Sa­rah Spain und Ju­lie DiCa­ro: zwei Sport­mo­de­ra­to­rin­nen, die täg­lich mit ei­ner Flut an se­xis­ti­schen Ver­bal­at­ta­cken und Ge­walt­an­dro­hun­gen via Twit­ter zu kämp­fen ha­ben. Was zu Be­ginn noch aus­sieht wie ein Ab­le­ger von Jim­my Kim­mels „Me­an Tweets“ent­wi­ckelt sich schnell zu ei­ner be­drü­cken­den Si­tua­ti­on: für die Sport­mo­de­ra­to­rin­nen, die Män­ner, die zum Teil das Vor­le­sen ver­wei­gern, und den Zu­schau­er.

„Ich hof­fe, ein Ho­ckey­spie­ler schlägt dich tot“, „Ich hof­fe, du wirst wie­der ver­ge­wal­tigt“, „Ich hof­fe, du wirst das nächs­te Op­fer von Bill Cos­by“, und die An­ein­an­der­rei­hung von Schlam­pe, Hu­re und an­de­ren Be­lei­di­gun­gen ist nur ein klei­ner Aus­zug des­sen, was die Mo­de­ra­torin­nen täg­lich zu hö­ren be­zie­hungs­wei­se zu le­sen be­kom­men. Kein Frau­en­pro­blem. Das Vi­deo

Mo­reThanMe­an soll da­bei nicht nur dar­auf auf­merk­sam ma­chen, dass nach wie vor ei­ni­ge Men­schen Pro­ble­me da­mit ha­ben, Frau­en in ty­pi­schen Män­ner­po­si­tio­nen zu se­hen, son­dern viel­mehr dar­auf, dass die­se Be­lei­di­gun­gen ei­ne rea­le Per­son tref­fen. Da­bei han­delt es sich bei Cy­ber-Mob­bing um kein Pro­blem, das nur Frau­en be­trifft.

Das hat auch die ös­ter­rei­chi­sche Re­gie­rung ver­stan­den. Denn seit 1. Jän­ner 2016 gilt das Cy­ber-Mob­bing als ei­ge­ner Straf­tat­be­stand. Der Pa­ra­graf 107c, Fort­ge­setz­te Be­läs­ti­gung im We­ge ei­ner Te­le­kom­mu­ni­ka­ti­on oder ei­nes Com­pu­ter­sys­tems, sieht ei­ne Frei­heits­stra­fe von bis zu ei­nem Jahr vor, oder ei­ne Geld­stra­fe mit bis zu 720 Ta­ges­sät­zen. Die Stra­fen kön­nen emp­find­lich hö­her aus­fal­len, wenn das Mob­bing­op­fer auf­grund der nicht en­den wol­len­den Be­schimp­fun­gen, Ver­leum­dun­gen und der da­durch ent­ste­hen­den so­zia­len Aus­gren­zung Sui­zid be­geht. Drei Jah­re Haft kann in sol­chen Fäl­len eben­so dro­hen.

Bei die­sem Pa­ra­gra­fen geht es nicht dar­um, dass Mei­nungs­frei­heit nicht mehr zu­läs­sig ist, son­dern dar­um, dass die Art der Äu­ße­rung auf dem Prüf­stand steht. Man kann Kri­tik äu­ßern. Ein al­tes Sprich­wort bringt es da­bei auf den Punkt: „Der Ton macht die Mu­sik“; da ha­ben Be­lei­di­gun­gen nichts zu su­chen.

Die Angst als Re­gu­la­tiv. Der Hass im Netz ist un­wi­der­leg­bar. Es gibt vie­le The­sen dar­über, wie es zu ei­ner der­art ver­roh­ten und bru­ta­len Kom­mu­ni­ka­ti­on im In­ter­net kom­men konn­te.

Dass da­bei vor al­lem als ers­ter Grund die An­ony­mi­tät ge­nannt wird, über­rascht nicht, ist aber nur ein Teil der Wahr­heit. Auf Twit­ter pos­ten vie­le mit ech­tem Na­men und Pro­fil­bild. Die Kon­se­quen­zen nicht be­den­kend, denn das war bis An­fang 2016 nicht wirk­lich not­wen­dig. Die Angst vor ei­nem ge­richt­li­chen Ver­fah­ren könn­te hel­fen. Es muss ein Um­den­ken pas­sie­ren. On­line-Trol­ling ist nicht harm­los.

In dem Vi­deo von Just Not Sports wird den Zu­se­hern ein wich­ti­ger Tipp ge­ge­ben: „Wür­de man sich nicht trau­en, das Ge­schrie­be­ne je­man­dem ins Ge­sicht zu sa­gen, dann soll­te man es auch nicht schrei­ben.“

Fa­b­ry

Cy­ber-Mob­bing kann schlim­me Fol­gen ha­ben.

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