Frei für die nächs­te Il­lu­si­on

Die Presse am Sonntag - - Lesenhören - THO­MAS KRAMAR

Bri­an Eno: „I’m Set Free“. Düs­ter und si­nis­ter, das sind die Ad­jek­ti­ve, die vie­len zu Vel­vet Un­der­ground ein­fal­len. Doch die­se gro­ße Band war viel­leicht am be­we­gends­ten, wenn sie sich der Hoff­nung zu­wand­te, dem Licht am En­de des Tun­nels, in „Be­gin­ning To See the Light“oder eben in „I’m Set Free“. Ge­wiss, Re­si­gna­ti­on schwang da mit, aber schö­ne Re­si­gna­ti­on, die in der Zei­le gip­fel­te: „I’m set free to find a new il­lu­si­on.“Wei­ser wur­de der wei­se Lou Reed nicht mehr. 2013 ist er ge­stor­ben. Bri­an Eno, ein an­de­rer gro­ßer Al­ter des Pop, der zwar nicht mit Reed, aber des­sen Vel­vetCom­pa­gnon John Ca­le mu­si­ziert hat, singt nun den Song nach, als drit­ten Teil ei­nes Stücks na­mens „Fick­le Sun“. Na­tür­lich klingt das äl­ter, rei­fer als im Ori­gi­nal, aber nicht mü­de. Und Eno, der al­te Sphä­ren­geist, hat ei­ne wun­der­ba­re Stim­me. Wie er von den „me­mo­ries of yes­ter­day’s clouds“singt, das ver­söhnt ei­nen so­gar mit den et­was gar schwel­ge­ri­schen Gei­gen.

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