Der Fuchs im Schafs­pelz

Wie rechts ist FPÖ-Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat Nor­bert Ho­fer? Ei­ne Spu­ren­su­che zwi­schen Bur­schen­schaft, Frei­heit­li­cher Par­tei und Par­la­ment.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON THO­MAS PRIOR

So schnell kann es ge­hen. Als Nor­bert Ho­fer nur Drit­ter Na­tio­nal­rats­prä­si­dent war, galt er als freund­li­ches Ge­sicht der FPÖ, das auch der ÖVP gut ste­hen wür­de. Als dann be­kannt wur­de, dass er in die Hof­burg möch­te, be­gan­nen die ers­ten, ei­nen Wolf un­ter Ho­fers Schafs­pelz zu ver­mu­ten. Mitt­ler­wei­le – und ei­ni­ge frag­wür­di­ge Aus­sa­gen spä­ter – nennt man ihn, wie Ar­min Thurn­her im ak­tu­el­len „Spie­gel“, nur noch ei­nen „stram­men Rech­ten“. Aber ist er das wirk­lich?

Das kommt auf die Per­spek­ti­ve an. Je­mand, der in der FPÖ ist, wird schon auch ei­ne ent­spre­chen­de Wel­t­an­schau­ung ha­ben und deut­lich rechts von, sa­gen wir, Hans Niessl, ste­hen. Von links be­trach­tet ist er al­so ein Rech­ter. Aber von rechts eher nicht. An­ders als Hein­zChris­ti­an Stra­che oder Jörg Hai­der kom­me Ho­fer „nicht aus dem frei­heit­li­chen Hard­core-Be­reich, son­dern aus der ge­mä­ßig­ten Mit­te“, sagt ein FPÖ­ler. „Er ist in ei­nem klein­bür­ger­lich­schwar­zen Mi­lieu auf­ge­wach­sen und erst als Er­wach­se­ner zur FPÖ ge­sto­ßen. Da muss­te er erst hin­ein­wach­sen.“

Das ge­lang ihm aber recht schnell, nach­dem er nach der Par­tei­spal­tung im Jahr 2005 – aus dem Bur­gen­land kom­mend – Kar­rie­re in der Stra­che-FPÖ ge­macht hat­te. Ho­fer gilt als loya­ler Vi­ze­par­tei­chef, wes­halb auch Kon­kur­renz­ge­rüch­te weit her­ge­holt sind. Am En­de, meint ein Frei­heit­li­cher, sei er im­mer dort, wo der Par­tei­chef ihn ha­ben wol­le.

Vor fünf Jah­ren wur­de Ho­fer be­auf­tragt, ein neu­es Par­tei­pro­gramm zu ent­wi­ckeln. Das Er­geb­nis war nicht un­bri­sant und wird jetzt ge­gen ihn ver­wen­det. Denn die FPÖ be­kennt sich seit­her wie­der zur „deut­schen Sprach- und Kul­tur­ge­mein­schaft“. Wo­bei die Idee da­zu vom da­ma­li­gen EU-Man­da­tar Andre­as Möl­zer ge­kom­men war. Ho­fer hat sich al­ler­dings nicht da­ge­gen ge­wehrt.

Ver­däch­tig er­scheint vie­len auch Ho­fers Eh­ren­mit­glied­schaft in der Mar­ko-Ger­ma­nia zu Pin­ka­feld, ei­ner Bur­schen­schaft, die ein schlam­pi­ges Ver­hält­nis zum ös­ter­rei­chi­schen Staat hat. In ih­ren Sta­tu­ten be­kennt sie sich näm­lich zum „deut­schen Va­ter­land, un­ab­hän­gig von be­ste­hen­den staat­li­chen Gren­zen“. Das passt nicht ganz zu ei­nem an­ge­hen­den Staats­ober­haupt, auch wenn Ho­fer ver­si­chert, dass we­der er noch sei­ne Bur­schen­schaft Ös­ter­reich in­fra­ge stell­ten. Man­chem Frei­heit­li­chen ringt das nur ein Schmun­zeln ab: „Ich bin mir nicht si­cher, ob er über­haupt weiß, wo­zu er da steht.“

In sei­ner Hei­mat­ge­mein­de Pin­ka­feld nimmt man den 45-Jäh­ri­gen in Schutz. Die Mar­ko-Ger­ma­nia ste­he dann doch rechts von Ho­fer, glaubt et­wa Bür­ger­meis­ter Kurt Mac­zek, im­mer­hin ein SPÖ-Po­li­ti­ker. „Ich wür­de ihn nicht als ex­trem ein­schät­zen.“Ähn­lich sieht das Gün­ter Ko­vacs, auch ein So­zi­al­de­mo­krat, der Ho­fer aus zehn ge­mein­sa­men Jah­ren im Ge­mein­de­rat von Ei­sen­stadt kennt. „Er ist ein of­fe­ner, sach­ori­en­tier­ter Po­li­ti­ker. Es ge­fällt mir nicht, dass er in die rech­te Ecke ge­drängt wird. Dort ge­hört er nicht hin.“ Ver­bin­der zu Is­ra­el. Da­für spricht auch, dass sich Ho­fer seit Jah­ren um gu­te Kon­tak­te zu Is­ra­el be­müht. Er war der ers­te Frei­heit­li­che, der in die Knes­set ein­ge­la­den wur­de. An­ti­se­mi­ten müss­ten wis­sen, dass die FPÖ nicht ih­re Hei­mat sein kön­ne, sag­te er un­längst in ei­nem „Pres­se“-In­ter­view. Au­ßer­dem hat Ho­fer sei­ne Mei­nung zum NS-Ver­bots­ge­setz, das er ein­mal in Rich­tung Mei­nungs­frei­heit auf­wei­chen woll­te, re­vi­diert. Wenn auch mög­li­cher­wei­se nur aus wahl­tak­ti­schen Grün­den.

Al­ler­dings sag­te er im Wahl­kampf dann doch Din­ge, die vie­len zu den­ken ga­ben. Dass er das Recht des Bun­des­prä­si­den­ten aus­rei­zen und nö­ti­gen­falls die Re­gie­rung ent­las­sen wür­de. Und dass man sich noch wun­dern wer­de, was al­les mög­lich sei. Das hat vor al­lem je­ne ge­wun­dert, die Ho­fer aus dem Par­la­ment ken­nen. „Das passt gar nicht zu ihm“, sagt ein Schwar­zer. „Ich neh­me an, das war dem Wahl­kampf ge­schul­det. Denn Ho­fer steht si­cher nicht wei­ter rechts als der durch­schnitt­li­che Ro­te in ei­nem Wie­ner Flä­chen­be­zirk.“

Viel­leicht ist Stra­ches Stell­ver­tre­ter ja gar nicht der bö­se Wolf, für den ihn nun vie­le hal­ten, viel­leicht muss­te er ihn nur spie­len, um ge­wis­se Wäh­ler­schich­ten zu mo­bi­li­sie­ren. Das wä­re nicht un­ty­pisch für die FPÖ, in der am­bi­va­len­te Si­gna­le part of the ga­me sind. Es ist ja schon vor­ge­kom­men, dass Stra­che die Ho­lo­caust-Ge­denk­stät­te Yad Vas­hem be­sucht und da­bei ein Bur­schen­schaf­ter-Käp­pi trägt. Da kann dann je­der her­aus­le­sen, was er möch­te.

Ex-Um­welt­mi­nis­ter Ni­ko­laus Ber­la­ko­vich (ÖVP), der Ho­fer vor al­lem als Um­welt­spre­cher ken­nen­ge­lernt hat, sieht in ihm „kei­nen Wolf, son­dern ei­nen Fuchs im Schafs­pelz“– im Sin­ne ei­nes „Schlau­mei­ers, der ge­nau weiß, was er zu tun hat“. Ge­ne­rell, sagt Ber­la­ko­vich, sei Ho­fer nicht nur lieb und nett, son­dern här­ter, als er sich ge­be. „Wenn auch nicht un­mensch­lich.“

Zu­letzt hat sich Ho­fer aber wie­der in den Schafs­pelz ge­hüllt. Im ers­ten Du­ell mit Alex­an­der Van der Bel­len war er zahm wie ein Lamm. Von den Iden­ti­tä­ren hat er sich die­se Wo­che aus­drück­lich dis­tan­ziert („Ich will mit die­ser Grup­pe nichts zu tun ha­ben“). Und sei­ne Dro­hun­gen, ei­ne un­tä­ti­ge Re­gie­rung zu ent­las­sen, hat er deut­lich ent­schärft.

Auch das er­klärt sich ver­mut­lich aus der Stra­te­gie. Um Bun­des­prä­si­dent wer­den zu kön­nen, braucht Ho­fer in der Stich­wahl am 22. Mai auch die Mo­de­ra­ten – und die mö­gen kei­ne ab­so­lu­tis­ti­schen Tö­ne. Al­so er­zählt er ih­nen jetzt, was sie hö­ren wol­len. Das ist nicht rechts, son­dern be­rech­nend.

APA

An­ders als ein Heinz-Christian Stra­che oder ein Jörg Hai­der kom­me Hof­burg-An­wär­ter Nor­bert Ho­fer „nicht aus dem frei­heit­li­chen Hard­core-Be­reich, son­dern aus der ge­mä­ßig­ten Mit­te“, heißt es in der FPÖ.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.