Die Zeit der ro­ten Gue­ril­la-Tak­ti­ker

»Wir ãrŻu­chen ei­nen MŻcher­typ, kei­nen PŻr­teiŻp­pŻrŻt­schik«: BŻu­ge­werk­schŻf­ter Mu­chitsch ist für ÖBB-Boss Kern stŻtt FŻymŻnn Żls SPÖ-Chef. DŻ­für ern­tet er ei­ne öf­fent­li­che Aã­reiãung. Auch Mi­nis­ter Do­sko­zil leis­tet ©em KŻnz­ler Beis­tŻn©.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON KARL ETTINGER

Zu­fäl­lig, so wur­de hin­ter­her ver­si­chert, ha­ben sie ein­an­der zu Wo­chen­be­ginn im Wie­ner In­nen­stadt-Ca­fe´ Landt­mann ge­trof­fen. Jo­sef Mu­chitsch, Stei­rer mit Ku­gel­sto­ßer-Sta­tur, SPÖ-Par­la­men­ta­ri­er, um­trie­bi­ger Vor­sit­zen­der der Ge­werk­schaft Bau-Holz und Christian Kern, drah­ti­ger, smart wir­ken­der Spit­zen­ma­na­ger, einst Pres­se­spre­cher im SPÖ-Klub, mit 50 Ge­ne­ral­di­rek­tor der rot do­mi­nier­ten Bun­des­bah­nen (ÖBB). Aus sei­ner Un­zu­frie­den­heit und sei­ner Sor­ge über den Ab­wärts­trend der SPÖ un­ter Bun­des­kanz­ler Wer­ner Fay­mann hat Mu­chitsch in ver­trau­li­cher Run­de zu­letzt kein Hehl mehr ge­macht. Vor­ges­tern, Frei­tag, um sechs Uhr früh nach dem Le­sen der Nach­rich­ten und der ein­ge­lang­ten E-Mails ent­schloss er sich dann, Fay­mann öf­fent­lich auf­zu­for­dern, das Steu­er­rad in Par­tei und Re­gie­rung Kern zu über­las­sen. Vor den Vor­hang. „Ich sa­ge, was vie­le an­de­re auch sa­gen, die sich aber nicht ge­traut ha­ben, vor den Vor­hang zu tre­ten“, schil­dert Mu­chitsch am Sams­tag im Ge­spräch mit der „Pres­se am Sonn­tag“. Sei­ne Prä­fe­renz gel­te Kern. Denn er sei über­zeugt, „dass wir mit Wer­ner Fay­mann kei­ne ein­zi­ge Wahl mehr ge­win­nen“. Der Ge­werk­schaf­ter bringt sein An­for­de­rungs­pro­fil an ei­nen Kan­di­da­ten für die Nach­fol­ge von Fay­mann als Bun­des­kanz­ler und Par­tei­chef auf fol­gen­den Nen­ner: „Wir brau­chen ei­nen Ma­cher­typ mit so­zia­ler Ein­stel­lung und nicht ir­gend­ei­nen Ap­pa­rat­schik aus der Par­tei.“Auf Nach­fra­ge er­gänzt Mu­chitsch, Kern sei „be­reit, die Funk­tio­nen zu über­neh­men“.

Sein Ap­pell rich­tet sich an Fay­mann und auch an sei­ne Par­tei­freun­de im SPÖ-Bun­des­par­tei­vor­stand. Die­ser hat ab Mon­tag­nach­mit­tag zu ent­schei­den, wie es an der Spit­ze der (Noch-) Kanz­ler­par­tei wei­ter­ge­hen soll. Mu­chitsch rief zu­vor in ei­nem of­fe­nen Brief im „Pro­fil“auf: „Wer­ner, bit­te lass los!“Für den Ge­werk­schaf­ter ist Kern „ein Mann, der un­be­ein­flusst in der Po­li­tik“agie­ren kön­ne, „oh­ne gro­ßes Tam­tam und Tra­ra“. Er schätzt Sach­lich­keit, Ru­he und Aus­ge­wo­gen­heit des ÖBB-Chef in in­halt­li­chen Fra­gen. Er­neue­rung mit Fay­mann. An Fay­mann schei­den sich aber auch un­ter ro­ten Ge­werk­schaf­tern die Geis­ter. Rai­ner Wim­mer, Chef der Pro­duk­ti­ons­ge­werk­schaft Pro-Ge, einst die Me­tal­ler, ließ je­nen Ge­nos­sen, „die mit Gift­pfei­len schie­ßen“, via SPÖ-Pres­se­dienst aus­rich­ten: „Die Par­tei be­nö­tigt ei­ne Er­neue­rung. Und die­se Er­neue­rung funk­tio­niert nur mit Wer­ner Fay­mann.“

Dem er­di­gen Bau­ge­werk­schafts­boss war zwar mit dem Schlacht­ruf zur Ab­lö­se Fay­manns durch Kern die Auf­merk­sam­keit ge­wiss. Aber es ist nur ein Schach­zug im gue­ril­laar­tig ge­führ­ten Kampf um die Par­tei­füh­rung und den künf­ti­gen Kurs. Die Chan­cen für den hart­nä­ckig kämp­fen­den ro­ten Wa­gen­burg-Herrn Fay­mann schie­nen na­he­zu un­ver­än­dert. Die grö­ße­ren Bun­des­län­der Wi­en, Nie­der­ös­ter­reich und dem Ver­neh­men nach auch Ober­ös­ter­reich he­gen den Wunsch, vor­erst oh­ne ein Köp­fe­rol­len mit ei­ner Stra­te­gie­grup­pe auch die SPÖ-Hal­tung zu Heinz-Christian Stra­ches FPÖ neu fest­zu­le­gen. Kärn­tens Lan­des­haupt­mann, Pe­ter Kai­ser, galt bis Sams­tag als un­si­che­rer Kan­to­nist, der auch of­fen mit Kern lieb­äu­gelt. Wie bei der stei­ri­schen SPÖ se­hen vie­le Funk­tio­nä­re in Kärn­ten mit Fay­mann kei­ne Zu­kunft.

Zu­gleich kom­men stän­dig neue So­li­da­ri­täts­adres­sen für Fay­mann aus dem ro­ten Team in der Bun­des­re­gie­rung. Am Sams­tag war des­sen Ver­trau­ter Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Jo­sef Os­ter­may­er an der Rei­he. Der sah im ORFRa­dio ab­ge­se­hen von Ein­zel­mei­nun­gen und den Salz­bur­gern die SPÖ-Lan­des­par­tei­en hin­ter sei­nem Chef. Da­zu ge­sell­te sich ein po­ten­zi­el­ler Ri­va­le des Kanz­lers. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Hans Pe­ter Do­sko­zil stärk­te Fay­mann den Rü­cken: „Ge­ra­de in schwie­ri­gen Zei­ten ver­dient er Un­ter­stüt­zung.“Bei man­chen, et­wa bei Alois Stö­ger, hängt das Mi­nis­ter­amt am Ver­bleib Fay­manns. Kein Vor­zie­hen des Par­tei­tags. Ober­ös­ter­reichs SPÖ-Ge­schäfts­füh­rer Pe­ter Bin­der ver­rät mit kei­ner Sil­be, wel­che Po­si­ti­on sei­ne Lan­des­par­tei im Bun­des­vor­stand in der Per­so­nal­fra­ge ein­neh­men wer­de. Aber er dämpft Er­war­tun­gen auf ein Vor­zie­hen des SPÖBun­des­par­tei­tags von No­vem­ber auf den Früh­som­mer. Es ge­he auch je­nen, die Fay­mann los­wer­den möch­ten, um ei­ne Kurs- und Rich­tungs­ent­schei­dung, ver­si­chert Bin­der der „Pres­se am Sonn­tag“: „Des­we­gen wä­re ein Par­tei­tag vor dem Som­mer ein Schnell­schuss und si­cher nicht die bes­te Lö­sung.“„Grä­ben zu­schüt­ten“lau­te­te die Lo­sung nach dem Tref­fen von Wi­ens Bür­ger­meis­ter Michael Häupl mit Bur­gen­lands Lan­des­chef Hans Niessl am Frei­tag in Ei­sen­stadt. Lan†tags­wahl 2014 Michael Ritsch Lan†tags­wahl 2013 In­go Mayr

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