»Ehe­ver­trag mit dem Ge­nuss«

Am Sams­tag wur­de im Re­stau­rant Stei­rer­eck im Wie­ner Stadt­park die neue »Char­ta Ku­li­na­ri­sches Ös­ter­reich« prä­sen­tiert – stil­echt mit Me­nüs aus je­dem Bun­des­land.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON KÖKSAL BALTACI

Wenn es um le­gen­dä­re Zi­ta­te rund ums Es­sen und Trin­ken geht, kann man be­kannt­lich aus dem Vol­len schöp­fen. Ein dank­ba­rer Ein­stieg in ei­ne sonst un­dank­ba­re Mo­de­ra­ti­on, dach­ten sich wohl die Schau­spie­ler Kris­ti­na Spren­ger und Pe­ter Fa­er­ber und über­tra­fen ein­an­der mit ei­nem re­gel­rech­ten Feu­er­werk an mehr oder we­ni­ger ori­gi­nel­len Sprü­chen von be­rühm­ten Per­sön­lich­kei­ten – et­wa vom ita­lie­ni­schen Opern­sän­ger Lu­cia­no Pa­va­rot­ti („Ko­chen ist ei­ne Kunst und kei­nes­wegs die un­be­deu­tends­te“), vom fran­zö­si­schen Li­te­ra­ten Fran­cois¸ de La Ro­che­fou­cauld („Es­sen ist ein Be­dürf­nis, Ge­nie­ßen ist ei­ne Kunst“) oder vom ös­ter­rei­chi­schen Schau­spie­ler Max Böhm („Bes­ser zu viel ge­ges­sen als zu we­nig ge­trun­ken“).

Der deut­sche Ko­mi­ker Bernd Stel­ter soll ei­nen Re­stau­rant­be­such so­gar ein­mal mit der Ehe ver­gli­chen ha­ben: „Man denkt im­mer, man hat das Bes­te ge­wählt, bis man sieht, was der Nach­bar be­kommt.“ „Ku­li­na­ri­scher Weg: Ös­ter­reich“. An­lass die­ses bi­zar­ren Ein­stiegs in ei­ne Ver­an­stal­tung war die Prä­sen­ta­ti­on der „Char­ta Ku­li­na­ri­sches Ös­ter­reich“, die un­ter dem Mot­to „Un­ser ku­li­na­ri­scher Weg: Ös­ter­reich“am Sams­tag­vor­mit­tag im Re­stau­rant Stei­rer­eck im Wie­ner Stadt­park un­ter an­de­rem von Wirt­schafts- und Tou­ris­mus­mi­nis­ter bzw. Vi­ze­kanz­ler Rein­hold Mit­ter­leh­ner so­wie Land­wirt­schafts­mi­nis­ter An­drä Rupp­rech­ter un­ter­schrie­ben wur­de – „als Start­schuss zur Po­si­tio­nie­rung ös­ter­rei­chi­scher Ku­li­na­rik an der Welt­spit­ze“, wie be­tont wur­de.

„Ös­ter­reichs Ku­li­na­rik hat viel zu bie­ten und wird ge­ra­de für das Tou­ris­mus­land Ös­ter­reich im­mer be­deu­ten­der“, sag­te Mit­ter­leh­ner. „Um­so wich­ti­ger ist es, dass wir hei­mi­sche Le­bens­mit­tel und gas­tro­no­mi­sche Spit­zen­leis­tun­gen noch stär­ker in die Aus­la­ge stel­len.“Von den 135 Mil­lio­nen Näch­ti­gun­gen pro Jahr in Ös­ter­reich kom­me min­des­tens je­der zwei­te Gast we­gen der ku­li­na­ri­schen An­ge­bo­te. Da­her sei es höchs­te Zeit ge­we­sen, die­se Char­ta ins Le­ben zu ru­fen, um Ös­ter­reich „welt­weit als Top­na­ti­on“zu po­si­tio­nie­ren. „Ich wun­de­re mich ei­gent­lich nur, war­um wir das nicht schon frü­her ge­tan ha­ben“, mein­te Mit­ter­leh­ner. „Denn von die­ser Qua­li­täts­mit­glied­schaft pro­fi­tie­ren Pro­du­zen­ten eben­so wie Kon­su­men­ten.“ „Reich­tum der Re­gio­nen“. Mit der „Char­ta Ku­li­na­ri­sches Ös­ter­reich“wer­de der „Reich­tum der Wie­ner Kü­che mit dem Reich­tum der Re­gio­nen in Ös­ter­reich un­ter ein Dach ge­bracht“, füg­te Rupp­rech­ter hin­zu. Auf sei­ne Initia­ti­ve hin wur­de die Char­ta er­ar­bei­tet.

„Gäs­te aus al­ler Welt sol­len da­für be­geis­tert wer­den, in Ös­ter­reich Gast­freund­schaft, Kul­tur­land­schaft und Ge­nuss re­gio­na­ler Le­bens­mit­tel zu er­le­ben“, sag­te Rupp­rech­ter. „Un­se­re Spe­zia­li­tä­ten aus bäu­er­li­cher Pro­duk­ti­on ge­nie­ßen ho­hes in­ter­na­tio­na­les An­se­hen.“Die „brei­te Pa­let­te an tra­di­tio­nel­len Pro­duk­ten und Ge­rich­ten“ma­che Ös­ter­reich zu ei­nem ein­zig­ar­ti­gen Ge­nuss­land mit welt­wei­ter Vor­bild­wir­kung.

Dass sich die „brei­te Pa­let­te“am Sams­tag fast aus­schließ­lich auf Fleisch- und Fisch­ge­rich­te be­schränk­te, be­ka­men die Ve­ge­ta­ri­er un­ter den rund 100 ge­la­de­nen Gäs­ten beim an­schlie­ßen­den Zehn-Gän­ge-Me­nü schmerz­lich zu spü­ren. Zu­be­rei­tet wur­den sie von Spit­zen­kö­chen aus al­len Bun­des­län­dern (zwei aus Nie­der­ös­ter­reich) – dar­un­ter Thors­ten Pro­bost, Jo­sef Steff­ner, Hu­bert Wall­ner, Phi­lip Ra­chin­ger, Richard Rauch, Jo­sef Floh, Tho­mas Dor­fer, Max Stiegl, Gast­ge­ber Heinz Reit­bau­er und Paul Ivic – Letz­te­rer (Ös­ter­reichs ers­ter ve­ge­ta­ri­scher Drei-Hau­ben-Koch aus Ti­rol) Wirt­schafts- und Tou­ris­mus­mi­nis­ter so­wie Vi­ze­kanz­ler Prä­si­dent des Ku­ra­to­ri­ums Ku­li­na­ri­sches Er­be Ös­ter­reich ver­zich­te­te bei sei­ner Krea­ti­on „Na­tur­ver­bun­den“als Ein­zi­ger auf Fisch und Fleisch.

Mo­de­ra­tor Fa­er­ber ver­such­te ver­geb­lich zu be­schwich­ti­gen. Man­che Ve­ge­ta­ri­er wür­den Fisch oh­ne­hin als Ge­mü­se be­trach­ten, sag­te er und ern­te­te ziem­lich pi­kier­te Bli­cke ei­ni­ger Gäs­te, ehe wie­der die Un­ter­zeich­ner der Char­ta zur Tat schrit­ten und laut Fa­er­ber ei­nen „Ehe­ver­trag mit dem Ge­nuss“ein­gin­gen. „Seit Jah­ren lie­gen mir höchs­ter Ge­nuss, Gast­lich­keit und re­gio­na­le Le­bens­mit­tel aus­ge­zeich­ne­ter Qua­li­tät am Her­zen“, mein­te et­wa Fer­ry Mai­er, Prä­si­dent des Ku­ra­to­ri­ums Ku­li­na­ri­sches Er­be Ös­ter­reich, das un­ter an­de­rem das Ge­nuss­fes­ti­val im Stadt­park or­ga­ni­siert. „Mit un­se­rem ku­li­na­ri­schen En­ga­ge­ment ver­su­chen wir, der Glo­ba­li­sie­rung des Ge­schmacks ent­ge­gen­zu­wir­ken.“

Spit­zen­kö­che aus al­len Bun­des­län­dern be­rei­te­ten ih­re Spe­zia­li­tä­ten zu. »Wir ver­su­chen, der Glo­ba­li­sie­rung des Ge­schmacks ent­ge­gen­zu­wir­ken.«

Das Ku­ra­to­ri­um wol­le statt­des­sen die „Be­son­der­heit des ku­li­na­ri­schen Er­bes Ös­ter­reichs“nüt­zen und die Welt von des­sen Ein­zig­ar­tig­keit über­zeu­gen. „Die­se Char­ta und ei­ne Bün­de­lung al­ler Kräf­te sind ein wich­ti­ger Schritt in die­se Rich­tung.“ Zehn Mil­lio­nen Gäs­te. Ur­laub in Ös­ter­reich sei un­trenn­bar mit der ös­ter­rei­chi­schen Ku­li­na­rik ver­bun­den, sag­te Pe­tra Stoi­ba, Ge­schäfts­füh­re­rin der Ös­ter­reich Wer­bung. Für rund zehn Mil­lio­nen Gäs­te sei­en die „re­gio­na­len Spei­sen und Ge­trän­ke“ein ent­schei­den­der Grund, den Ur­laub in Ös­ter­reich zu ver­brin­gen.

Für Vi­ze­kanz­ler Mit­ter­leh­ner wa­ren sie am Sams­tag ein Grund, et­was län­ger zu blei­ben als ge­plant. Als er kurz nach Mit­tag von ei­nem Be­glei­ter dar­an er­in­nert wur­de, dass sie lang­sam auf­bre­chen müss­ten, bat er ihn, noch ein we­nig zu blei­ben, es sei „so nett hier“.

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