Wenn der Wein Ge­sell­schaft be­kommt

Fa­mi­lie Mai­er setzt bei ih­rem Bio­wein­gut Gey­er­hof auf ei­nen ganz­heit­li­chen An­satz. Statt Bö­schun­gen zu ro­den, ha­ben bei dem Pro­jekt Wild­wux im Krems­tal auch Wie­de­hopf, Laub­frö­sche, Bie­nen und so­gar Fleck­vieh Platz. Das nützt auch dem Wein.

Die Presse am Sonntag - - Essen Und Trinken - VON KA­RIN SCHUH

Für die ei­nen ist es ei­ne Gstät­ten, die schlam­pig aus­sieht und zu dem Schluss ver­lei­ten könn­te, dass der In­ha­ber der Flä­che eben­so un­or­dent­lich ist. Für die an­de­ren ist es ein wich­ti­ger und schüt­zens­wer­ter Le­bens­raum, der er­hal­ten wer­den muss und der auch den an­de­ren Flä­chen, sprich der ge­sam­ten Land­wirt­schaft, zu­gu­te­kommt.

Fa­mi­lie Mai­er, die das Wein­gut Gey­er­hof in Ober­fu­cha im Krems­tal be­wirt­schaf­tet, ge­hört de­fi­ni­tiv zur zwei­ten Ka­te­go­rie. „Mei­ne El­tern ha­ben das un­be­wusst ge­macht und die He­cken ge­pflegt. Wir ma­chen das jetzt ge­ziel­ter und schau­en uns an, wel­che Tie­re ge­fähr­det sind“, sagt Jo­sef Mai­er, der ge­mein­sam mit sei­ner Mut­ter Il­se und sei­ner Le­bens­ge­fähr­tin, Ma­ria Bei­ring, das Wein­gut be­treibt. Erst­mals ur­kund­lich er­wähnt wur­de der Hof im Jahr 1135, seit dem 16. Jahr­hun­dert ist er in Fa­mi­li­en­be­sitz. Il­se Mai­er hat den Gey­er­hof 1988 von ih­rer Mut­ter über­nom­men und da­mals auf bio­lo­gi­sche Wirt­schafts­wei­se um­ge­stellt. „Ich ge­hö­re zur Hain­burg-Ge­ne­ra­ti­on und war auch auf der Bo­ku. Es hät­te für mich kei­nen an­de­ren Weg ge­ge­ben, als bio­lo­gisch zu ar­bei­ten.“Die jun­ge Ge­ne­ra­ti­on sieht das heu­te ge­nau­so. Jo­sef Mai­er hat öko­lo­gi­sche Land­wirt­schaft an der Bo­ku stu­diert, Ma­ria Bei­ring Land­schafts­pla­nung. „Es gibt vie­le Na­tur­schutz­pro­jek­te von NGOs, aber man kann auch im Klei­nen viel be­wir­ken“, sagt Ma­ria Bei­ring. Sie war et­wa ganz be­geis­tert, als sie hör­te, dass es auf den Flä­chen na­he dem Stift Gött­weig noch Laub­frö­sche gibt – oder den eben­so be­droh­ten Wie­de­hopf. Kampf dem Ord­nungs­sinn. „Vie­len ist das gar nicht be­wusst, dass das wich­tig ist. Es herrscht ein Ord­nungs­sinn vor. Je­de Bö­schung wird ra­di­kal ge­ro­det, ob­wohl das wirt­schaft­lich gar kei­nen Sinn hat“, sagt Jo­sef Mai­er. Vor al­lem in den ver­gan­ge­nen vier, fünf Jah­ren, seit es Bö­schungs­mä­her für den Trak­tor ge­be, wer­de im Ort sehr viel ge­ro­det. Die Fa­mi­lie ver­sucht aber ge­nau das zu ver­hin­dern, nicht nur, weil sie Ge­fal­len an den He­cken ge­fun­den hat, son­dern viel­mehr, weil der Wild­wuchs dem Bo­den und so­mit auch dem Wein gut­tut.

Ge­mein­sam mit der bur­gen­län­di­schen Win­ze­rin Birgit Braun­stein hat Il­se Mai­er – die nächs­te Ge­ne­ra­ti­on ist erst im Vor­jahr ein­ge­stie­gen – be­reits 2011 das Pro­jekt Wild­wux ins Le­ben ge­ru­fen. Die Idee, der Na­tur mehr Platz zu ge­ben und sich nicht über­all ein­zu­mi­schen, hat al­so ei­nen Na­men be­kom­men, un­ter dem ei­ge­ne Wei­ne ver­kauft wer­den. „Wir ma­chen auch re­gel­mä­ßig Vor­trä­ge oder Spa­zier­gän­ge, das kommt bei den Dorf­be­woh­nern sehr gut an“, sagt Ma­ria Bei­ring. Nur die Kol­le­gen, al­so die an­de­ren Land­wir­te, sind teil­wei­se noch ein biss­chen schwer zu über­re­den. Wo­bei ein Nach­bar, ein Obst­bau­er, un­längst be­gon­nen hat, auf che­mi­sche Spritz­mit­tel zu ver­zich­ten.

Il­se Mai­er geht es nicht dar­um, an­de­re zum Bio-Wein­bau zu be­keh­ren. „Ich will nicht be­leh­rend sein, man kann auch sehr viel von kon­ven­tio­nel­len Win­zern ler­nen.“Viel­mehr ist es ihr An­lie­gen, die Land­wirt­schaft ganz­heit­lich zu se­hen.

Seit es den Bö­schungs­mä­her gibt, wird im Ort viel ge­ro­det. Wirt­schaft­lich ist das nicht. »Je in­tak­ter die Um­welt ist, des­to wi­der­stands­fä­hi­ger ist die Re­be«, sagt Il­se Mai­er.

Acker­bau wird bei Fa­mi­lie Mai­er schon seit je­her be­trie­ben. Der­zeit wer­den Wei­zen, Kür­bis, Son­nen­blu­men und Spei­se­so­ja an­ge­baut. Je­weils 23 Hekt­ar Acker- und Wein­flä­chen be­wirt­schaf­tet die Fa­mi­lie, auf­ge­teilt auf 32 Feld­stü­cke. Seit Kur­zem sind auch Wei­der­in­der und Bie­nen da­zu­ge­kom­men. Das Fleck­vieh wei­det na­tür­lich nicht im Wein­gar­ten selbst, son­dern je­des Jahr auf ei­ner an­de­ren Acker­flä­che. „Wir wol­len die Rin­der­hal­tung in die Frucht­fol­ge in­te­grie­ren, da brau­chen wir nicht dün­gen“, sagt Jo­sef Mai­er.

Im Vor­der­grund ste­he nach wie vor der Wein­bau. Ei­nen di­rek­ten Nut­zen hat der Wild­wuchs nicht. Auf den zwei­ten Blick wir­ke sich der An­satz aber sehr wohl auf den Wein aus. „Je in­tak­ter die Um­welt ist, des­to wi­der­stands­fä­hi­ger ist die Re­be“, sagt Il­se Mai­er. Ihr Sohn hat ein paar Bei­spie­le aus der Uni pa­rat: So ge­be es Un­ter­su­chun­gen, dass Bie­nen den Er­trag bei Son­nen­blu­men um 30 Pro­zent er­hö­hen. Ähn­lich

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