Wenn Ge­sund­heit bil­lig ist

Ak­ti­en aus der Ge­sund­heits­in­dus­trie ha­ben zu­letzt an Wert ver­lo­ren. In der Ver­gan­gen­heit sind die Pa­pie­re da­für durch die De­cke ge­gan­gen. Lockt die Kor­rek­tur nun zum Ein­stieg?

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld - VON NI­CO­LE STERN

Zehn Mil­li­ar­den Men­schen wer­den die Er­de im Jahr 2050 be­völ­kern. Das ist ein An­stieg von fast drei Mil­li­ar­den ge­gen­über dem Vor­jahr. Und es ist ein Plus von rund 300 Pro­zent im Ver­gleich zu den 1950er-Jah­ren.

Mit dem wach­sen­den Wohl­stand der Mensch­heit steigt auch die Le­bens­er­war­tung der Be­völ­ke­rung. So weit, so er­freu­lich. Doch die Al­te­rung der Ge­sell­schaft wird ein zu­neh­men­des Pro­blem. In den kom­men­den 35 Jah­ren wird sich die Zahl der über 60-Jäh­ri­gen ver­drei­fa­chen. Die Ge­sund­heits­sys­te­me (und nicht nur die­se) ste­hen so­mit vor ei­ner ge­wal­ti­gen Her­aus­for­de­rung. Was für die So­zi­al­sys­te­me der Staa­ten we­nig er­freu­lich klin­gen mag, hat den An­le­gern in den ver­gan­ge­nen Jah­ren je­doch schö­ne Ge­win­ne be­schert.

Al­lein seit 2011 stieg der MSCI World He­alth Ca­re In­dex um rund 70 Pro­zent. Da­mit hat er den brei­ten Ak­ti­en­markt deut­lich hin­ter sich ge­las­sen. Der schaff­te es im glei­chen Zei­t­raum näm­lich nur, um knapp ein Fünf­tel zu stei­gen. Lang­fris­tig sind die Ge­sund­heits­in­ves­to­ren al­so im Plus, kurz­fris­tig zeigt sich ein an­de­res Bild. Der Sek­tor hat in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten stark kor­ri­giert.

Schuld dar­an ist un­ter an­de­rem Hil­la­ry Cl­in­ton, die sich um das Amt des US-Prä­si­den­ten be­wirbt. Aus­sa­gen, wo­nach die Me­di­ka­men­ten­prei­se über­höht sei­en, schick­ten die Bran­che auf Tal­fahrt. Die Markt­teil­neh­mer be­fürch­te­ten, die Fir­men könn­ten ih­re Preis­macht ver­lie­ren, sagt Ha­rald Ko­ber, Fonds­ma­na­ger bei der Ers­te As­set Ma­nage­ment.

Bio­tech spielt sich in ers­ter Li­nie in den USA ab. Die Un­ter­neh­men fin­den dort For­schungs­ein­rich­tun­gen, In­fra­struk­tur und mehr Ri­si­ko­ka­pi­tal vor. Für In­ves­to­ren ein Grund, sich auf der an­de­ren Sei­te des At­lan­tiks um­zu­se­hen, fin­det Ko­ber. Die jüngs­te Tal­fahrt bie­te sich zu­dem als Ein­stiegs­mög­lich­keit an. Die Kur­se ha­ben sich seit An­fang Fe­bru­ar zwar wie­der er­holt, die Ver­lus­te wur­den seit ver­gan­ge­nem Som­mer aber nicht ge­tilgt. Bio­tech ist – im Ver­gleich zu den gro­ßen Phar­maFir­men – we­sent­lich ris­kan­ter, die Bran­che wächst im bes­ten Fall da­für stär­ker. Ko­ber emp­fiehlt des­halb ei­nen lan­gen An­la­ge­ho­ri­zont. Im Os­ten viel Neu­es. Wäh­rend die west­li­chen Staa­ten schon ei­nen zwei­stel­li­gen Pro­zent­satz ih­res Brut­to­so­zi­al­pro­duk­tes für Ge­sund­heit auf­wen­den, hin­ken die Schwel­len­län­der noch hin­ter­her. Ge­nau das macht die­se Re­gi­on für Tho­mas Har­tau­er, den Vor­stand des Fonds­an­bie­ters La­cu­na, in­ter­es­sant.

Bis zum Jahr 2020 sol­len bei­spiels­wei­se al­le Chi­ne­sen über ei­ne staat­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung ver­fü­gen. Schon in den ver­gan­ge­nen Jah­ren bau­te die Volks­re­pu­blik zahl­rei­che Kran­ken­häu­ser und nahm Hun­der­te Me­di­ka­men­te in ei­ne Lis­te auf, de­ren Kos­ten vom Staat rück­erstat­tet wer­den. Har­tau­er rech­net da­mit, dass Chi­na sei­ne Ge­sund­heits­aus­ga­ben mit­tel­fris­tig um 40 Pro­zent stei­gern wird. Al­lein LET’S MAKE MONEY er­scheint wie­der am 15. Mai 2016 auf dem Markt für Me­di­zin­tech­nik er­war­tet man jähr­li­che Wachs­tums­ra­ten zwi­schen 15 und 20 Pro­zent. Die Volks­re­pu­blik soll so bin­nen fünf Jah­ren zum glo­bal zweit­größ­ten Markt auf­stei­gen.

Auch in In­di­en sieht La­cu­na ho­hes Po­ten­zi­al. Der neue Pre­mier Na­ren­dra Mo­di möch­te nicht nur die me­di­zi­ni­sche Gr­und­ver­sor­gung sei­nes Lan­des (mit 1,25 Mil­li­ar­den Ein­woh­nern) aus­bau­en, son­dern setzt eben­falls auf die Ein­füh­rung ei­ner staat­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung.

Mit der stark wach­sen­den Mit­tel­schicht in Asi­en ver­än­dern sich auch die Er­näh­rungs­ge­wohn­hei­ten der Be­völ­ke­rung. Sie pas­sen sich im­mer stär­ker je­nen des Wes­tens an. Da­mit ein­her geht je­doch auch ein An­stieg der Fett­lei­big­keit. Vor an­de­ren (west­li­chen) Er­kran­kun­gen ist man auf dem Kon­ti­nent wohl eben­falls nicht ge­feit. Schon heu­te er­krankt welt­weit rund ein Vier­tel der über 65-Jäh­ri­gen an Krebs, mehr als die Hälf­te kämpft et­wa mit Blut­hoch­druck.

Liu Ying pic­tu­re­desk.com Xin­hua/Eye­vi­ne/

Chi­na ist ein Mil­li­ar­den­markt. Nicht nur, weil bis spä­tes­tens 2020 mehr als ei­ne Mil­li­ar­de Chi­ne­sen kran­ken­ver­si­chert sein sol­len.

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