Ver­kaufs­zah­len als Phi­lo­so­phie

Red Bull ist dank des Sport­spon­so­rings glo­bal prä­sent. Die­ses Mar­ke­ting­kon­zept lie­fert Ti­tel in Se­rie, nur die Me­tho­de des Kon­zerns von Dietrich Ma­te­schitz ist nicht un­um­strit­ten.

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON MARKKU DATLER

Ro­sa Helm, ro­ter Bul­le, Gie­bel­kreuz, Kre­dit­kar­ten, Bier, Ban­ken, Ver­si­che­run­gen, Air­lines etc. – die Welt­wirt­schaft in­ves­tiert in den Sport, und der Wie­der­er­ken­nungs­wert ih­rer Lo­gos und Far­ben ist Gold wert. Spon­so­ring macht at­trak­tiv, und so­fern Skan­da­le aus­blei­ben, hat die­ses sim­ple Stil­mit­tel un­ge­heu­re Wirk­sam­keit. Es ist ein loh­nen­des Ge­schäft mit dem Wer­be­wert, und ein ös­ter­rei­chi­sches Un­ter­neh­men ist laut Wirt­schafts­ex­per­ten von „For­bes“in die­ser Spar­te nebst Sport­ar­ti­kel­her­stel­ler Adi­das welt­weit füh­rend: Red Bull.

Salz­burg wird in die­ser Sai­son zum drit­ten Mal in Se­rie Fuß­ball­meis­ter. Mit Ra­sen­ball Leipzig (heu­te ab 15.30 Uhr ge­gen Karls­ru­he, Sky) spielt der Ener­gy­drink nächs­te Sai­son nach dem Durch­marsch aus der vier­ten Spiel­klas­se und al­len an­fäng­li­chen Pro­tes­ten zum Trotz in der deut­schen Bun­des­li­ga mit. In der For­mel 1 rol­len so­gar zwei Renn­stäl­le im „Na­men der Do­se“. Erst ver­höhnt als Par­ty­team, dann jah­re­lang er­folg­reich und mit Ti­teln in Se­rie de­ko­riert, zu­letzt je­doch ent­täu­schend schwach und nach Sebastian Vet­tels Ab­gang – er war das Aus­hän­ge­schild der kon­zern­ei­ge­nen Mo­tor­sport­schu­le – vor­wie­gend mit Mo­tor­pro­ble­men kon­fron­tiert. Wag­hal­sig, ex­trem – po­pu­lär? Es gibt ei­ne ei­ge­ne Renn­stre­cke in Spiel­berg, Flug­zeu­ge voll­brin­gen beim selbst ent­wi­ckel­ten Air Race wahr­lich Kunst­stü­cke. Men­schen sprin­gen wag­hal­sig aus dem Wel­tall, mu­tig von Dä­chern oder Sta­tu­en und auch längst wie­der fi­li­gran von Klip­pen. Von Berg­spit­zen: mit oder oh­ne Fall­schirm. Je ex­tre­mer und „coo­ler“, des­to bes­ser, dem Mil­li­ar­den­kon­zern von Dietrich Ma­te­schitz und des­sen Mar­ke­ting­ab­tei­lung kann es gar nicht pla­ka­tiv ge­nug sein.

Die­ses Spiel hat aber sei­nen Preis. Es gibt enor­me Ris­ken, und Ski­fah­rer, Ski­sprin­ger, Renn­fah­rer und an­de­re müs­sen die ge­bran­de­te Trink­fla­sche oder das Kap­perl aus­nahms­los für Fo­tos und In­ter­views zü­cken. Es gibt auch ei­nen Con­tent-Fo­to­pool, oder man lie- fert staat­lich-recht­li­chen Sen­dern – so­fern nicht die Ge­werk­schaft da­zwi­schen­funkt und die Ein­stel­lung im Raum steht – selbst das Ma­te­ri­al. Das Lo­go muss im­mer im Bild sein.

Ser­vus TV zeigt die Eis­ho­ckey-Li­ga live bis 2019 – da­mit ist das Über­le­ben die­ser Spar­te ge­si­chert. Al­ler­dings, das ist Fak­tum: Nur Live-Ren­nen der Mo­to GP, frei­lich mit ge­spon­ser­ten Fah­rern, lie­fern Topquo­ten. Im Du­ell um die Fuß­ball-Bun­des­li­ga zog Ma­te­schitz – ge­gen ORF und Sky – den Kür­ze­ren. An­geb­lich trotz sei­nes um ei­ne Mil­li­on Eu­ro bes­se­ren Of­ferts. Das wür­de er­klä­ren, war­um der Mil­li­ar­där wei­ter­hin so ei­nen Groll auf Po­li­tik, Funk­tio­nä­re und Ge­werk­schaft hegt.

Flä­chen­de­cken­des Spon­so­ring im Sport ist gän­gig, aber in die­sem Punkt über­nimmt die in Fu­schl an­säs­si­ge Fir­ma mit über 11.000 Mit­ar­bei­tern in 169 Län­dern, ei­nem TV-Ka­nal und di­ver­sen Print­me­di­en ei­ne Vor­rei­ter­rol­le. Die aus­sa­ge­kräf­tigs­te Zahl fin­det sich im Jah­res­ab­schluss wohl un­ter der Ru­brik „be­trieb­li­che Auf­wen­dun­gen“. Sie be­läuft sich auf ein Drit­tel des Um­sat­zes, 2015 ver­buch­te Red Bull ei­nen Um­satz von 5,9 Mil­li­ar­den Eu­ro. Das Geld dient dem „Wohl“von Fuß­bal­lern, For­mel-1-Fah­rern, Ex­trem­sport­lern etc. – aber vor­wie­gend dem Glanz der Do­se. Ge­wiss spie­len auch steu­er­li­che Grün­de ei­ne Rol­le, doch dar­über schweigt sich die in der Me­di­en­welt auf­grund ih­rer Me­tho­den und zu­gleich ex­tre­men Dünn­häu­tig­keit über­aus um­strit­te­ne Mar­ke­ting­ab­tei­lung tun­lichst aus.

Es ist frei­lich kei­ne rei­ne Lie­be zum Sport, ein Mä­ze­na­ten­tum, wie es Ma­te­schitz einst bei Salz­burgs Eis­ho­ckey in den 1980er-Jah­ren pfleg­te, son­dern pe­ni­bel auf­be­rei­te­te Wer­bung. Egal, ob Er­folg oder Miss­er­folg – Fir­ma, Na­me und Lo­go des 1984 vom Thai­län­der Cha­leo Yoo­vid­hya († 2012) und vom Stei­rer, 71, ge­grün­de­ten Un­ter­neh­mens sind om­ni­prä­sent. Das Ziel liegt auf dem Ra­sen, dem Eis, dem As­phalt je­der Renn­stre­cke, und wenn es sein muss und sich ver­kau­fen lässt, so­gar im Welt­raum – Image und Ver­kaufs­zah­len (be-)stim­men. Dass we­nig spä­ter ein Com­pu­ter­ma­na­ger mit weit­aus ge­rin­ge­rem Auf­se­hen und Auf­wand Ähn­li­ches im All voll­brach­te, steht auf ei­nem an­de­ren Blatt Pa­pier.

5,9 Mil­li­ar­den Eu­ro Um­satz im ver­gan­ge­nen Jahr – ein Drit­tel wan­dert di­rekt ins Spon­so­ring.

Mil­lio­nen der „Red­bul­li­sie­rung“. Da­zu kom­men Auf­trit­te der Ein­zel­sport­ler. Mar­cel Hir­scher er­wirt­schaf­te­te 2015 al­lein über 400 TV-Mi­nu­ten, 1000 Ar­ti­kel – und ei­ne Me­dialeis­tung über 4,7 Mil­lio­nen Eu­ro. Auch ei­ne wei­te­re Zahl be­legt, dass Sport­spon­so­ring in Ös­ter­reich neue Sphä­ren im Wer­be­wert er­reicht. 2014 stand er bei 811 Mil­lio­nen Eu­ro, Ten­denz stei­gend. Auch die­se Mil­li­ar­de ist bald ge­knackt, mit welt­weit über 500 Sport­lern dank der „Red­bul­li­sie­rung“ein Leich­tes.

Das Du­ell um die Bun­des­li­ga soll Ser­vus TV trotz bes­se­ren Of­ferts ver­lo­ren ha­ben.

Woran Ma­te­schitz seit der Über­nah­me der Li­zenz von Aus­tria Salz­burg 2005 bis­lang ge­schei­tert ist, ist die Teil­nah­me an der Cham­pi­ons Le­ague. Nicht al­les ist al­so käuf­lich, Salz­burg wird Mit­te Ju­li den­noch den neun­ten An­lauf star­ten. Es wird wie­der ein Buh­len um Gunst, das Su­chen und Kau­fen neu­er Spie­ler. Du­el­le ge­gen Mes­si, Ro­nal­do und Co. wä­ren will­kom­men in der TV-Prime­time.

Zu Sport, Lo­gos, Klub­far­ben, Li­ga­richt­li­ni­en, Kri­tik, Ak­zep­tanz, klas­si­schem Nicht­un­ter­neh­mer­geist, Pro­tes­ten, Bü­ro­kra­tie und Ge­werk­schafts­mit­glied­schaft spricht ein Ma­te­schitz-Zi­tat Bän­de: „Letzt­lich geht es im­mer um die Be­kannt­heit der Mar­ke. Es ist uns mit die­ser Phi­lo­so­phie ge­lun­gen, dass Red Bull zu den wert­volls­ten Mar­ken der Welt ge­hört.“

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