»Es ist ein Kampf mit dir selbst, sehr viel spielt sich im Kopf ab«

Zlat­ko Ju­nu­zo­vi´c droht im vier­ten Jahr mit Wer­der Bre­men der Ab­stieg aus der Bun­des­li­ga. Der 28-Jäh­ri­ge spricht über die psy­cho­lo­gi­sche Her­aus­for­de­rung, An­sprü­che und das Selbst­ver­ständ­nis des ÖFB-Teams. Bei der Eu­ro er­war­tet er »Gän­se­haut-Mo­men­te«.

Die Presse am Sonntag - - Sport - VON CHRISTOPH GASTINGER

Ihr Klub, Wer­der Bre­men, kämpft um den Klas­sen­er­halt in der Bun­des­li­ga. Macht Fuß­ball im Ab­stiegs­kampf noch Spaß? Zlat­ko Ju­nu­zo­vi´c: Na­tür­lich wä­re es an­ge­neh­mer, wenn wir oben mit­spie­len wür­den. Im Ab­stiegs­kampf ver­spürt man die­sen Druck. Je­des Spiel ist enorm wich­tig, man macht sich un­end­lich vie­le Ge­dan­ken. Das wie­der­um nimmt dir die Lo­cker­heit, die im Fuß­ball so enorm wich­tig ist. Fuß­ball hat sehr viel mit Spaß zu tun, man braucht die­se Lo­cker­heit. Lässt sich die­se ne­ga­ti­ve Stim­mung denn über­haupt ab­schüt­teln, oder wird sie auch im pri­va­ten Um­feld zur Be­las­tung? Ich wer­de über­all mit dem Ab­stiegs­kampf kon­fron­tiert. In den Zei­tun­gen, im Fern­se­hen, ir­gend­et­was be­kom­me ich im­mer mit. Ich kann den Ab­stiegs­kampf nicht ein­fach aus­blen­den. Na­tür­lich ist es auch The­ma zu Hau­se, ob­wohl ich ver­su­che, es zu mi­ni­mie­ren. Mit die­ser Si­tua­ti­on um­zu­ge­hen ist nicht ein­fach. Aber wenn du es schaffst, wirft dich so schnell nichts mehr zu­rück. Es ist ein Lern­pro­zess. Spre­chen Sie ganz be­wusst mit Ih­ren Ver­trau­ten über die mo­men­ta­ne Si­tua­ti­on, oder wird sie zum Ta­bu­the­ma er­klärt? Das The­ma ist im­mer prä­sent. Du sprichst über die Din­ge, ver­suchst zu ana­ly­sie­ren, dis­ku­tierst. Mit den Mann­schafts­kol­le­gen gibt es oh­ne­hin kein an­de­res The­ma. Du ver­suchst, dich ab­zu­len­ken. Mal ge­lingt es, mal nicht. Es ist auch ein Kampf mit dir selbst. Die Hoff­nung in Bre­men ist nicht ge­wi­chen. In der letz­ten Run­de steht ein Du­ell mit Frank­furt be­vor. Wir ha­ben noch al­les selbst in der Hand, spie­len ge­gen ei­nen di­rek­ten Kon­kur­ren­ten, da­her es ist ei­ne gu­te Aus­gangs­po­si­ti­on. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen ha­ben wir stets von Spiel zu Spiel ge­schaut. Je­der Punkt, je­der Sieg war über­le­bens­not­wen­dig. Und so schwie­rig es auch sein mag: Man muss im­mer po­si­tiv blei­ben. Wel­che Rol­le spielt die Kör­per­spra­che im Ab­stiegs­kampf und im Fuß­ball ge­ne­rell?

Zlat­ko Ju­nu­zo­vi´c

wur­de am 26. Sep­tem­ber 1987 in Loz­ni­ca im ehe­ma­li­gen Ju­go­sla­wi­en ge­bo­ren. Sei­ne Pro­fi­kar­rie­re be­gann Ju­nu­zo­vi´c beim GAK, spä­ter spiel­te er für Aus­tria Kla­gen­furt. In Kärn­ten emp­fahl sich der Mit­tel­feld­spie­ler für ei­nen Wech­sel zur Aus­tria (2009), das Tri­kot der Veil­chen trug er drei Jah­re. 2012 folg­te der Trans­fer ins Aus­land zu Ju­nu­zo­vi´c ent­wi­ckel­te sich rasch zu ei­nem Leis­tungs­trä­ger, im Vor­jahr ver­län­ger­te er sei­nen Ver­trag bis Som­mer 2018.

Wer­der Bre­men.

Wie bei Wer­der ist Ju­nu­zo­vi´c auch im

ei­ne gro­ße Stüt­ze. Er ab­sol­vier­te bis­lang 46 Län­der­spie­le und er­ziel­te sie­ben To­re.

Na­tio­nal­team 33 Ta­ge

Noch zum An­pfiff. bis Für mich sind die Kör­per­spra­che und der men­ta­le Aspekt ganz ele­men­ta­re Be­stand­tei­le des Spiels. Wenn du mit Angst und Un­si­cher­heit auf dem Platz stehst, wird es kom­pli­ziert. Aber wir Fuß­bal­ler sind auch nur Men­schen, wir ge­hen mit Emo­tio­nen und teil­wei­se Ag­gres­sio­nen ans Werk. Sehr, sehr viel spielt sich im men­ta­len Be­reich, im Kopf ab. Es ist ganz ent­schei­dend, wie du dich ver­hältst, wie du an ge­wis­se Si­tua­tio­nen her­an­gehst: Das kann den Geg­ner ver­un­si­chern oder so­gar ein­schüch­tern. Die­se Klei­nig­kei­ten kön­nen ein gan­zes Spiel ent­schei­den. Für den Ab­stiegs­kampf be­deu­tet das: Du musst nach Rück­schlä­gen so­fort wie­der auf­ste­hen, darfst nie auf­ge­ben. Sie ha­ben die­ses Be­wusst­sein, aber ha­ben es auch Ih­re Kol­le­gen? Je­der ist in­di­vi­du­ell ge­strickt. Es wä­re ja ein Un­ding, wenn je­der funk­tio­nie­ren wür­de wie ein Ro­bo­ter, wie ei­ne Ma­schi­ne. Wür­de nie­mand Emo­tio­nen zei­gen, dann wür­de das den Fuß­ball doch in ir­gend­ei­ner Form auch zer­stö­ren. Sie sind ei­nes der Aus­hän­ge­schil­der des Ver­eins, sehr be­liebt. Wie wich­tig ist Ih­nen die­se Wert­schät­zung? Ich möch­te ak­zep­tiert und re­spek­tiert wer­den. Von Fans und Ver­ein wert­ge­schätzt zu wer­den, ein Mit­spra­che­recht zu ha­ben – das sind Punk­te, die mich per­sön­lich wei­ter­ge­bracht ha­ben, mir aber al­le­samt nicht in den Schoß ge­fal­len sind. Ich muss­te mir die­ses Stan­ding hart er­ar­bei­ten, es ist nichts Selbst­ver­ständ­li­ches. Zum Glück durf­te ich es auch schon bei der Wie­ner Aus­tria spü­ren. Sie sind im bes­ten Fuß­bal­ler-Al­ter, spie­len nun schon Ih­re vier­te Sai­son bei Wer­der. Seh­nen Sie sich im Som­mer nach ei­ner Ve­rän­de­rung? Dar­über ma­che ich mir jetzt kei­ne Ge­dan­ken. Wich­tig ist für mich, dass wir mit Wer­der in der Bun­des­li­ga blei­ben, weil die­ser Klub dort­hin ge­hört. Mo­men­tan bin ich durch den Kampf um den Klas­sen­er­halt ge­nug be­schäf­tigt, möch­te mich aus­schließ­lich dar­auf kon­zen­trie­ren. In zwei Ih­rer vier Sai­so­nen bei Bre­men ha­ben Sie ge­gen den Ab­stieg ge­spielt. Ist das für ei­nen Spie­ler Ih­res For­mats nicht ir­gend­wann zu we­nig? Ich will nicht ge­gen den Ab­stieg spie­len, ich will ei­gent­lich das Ge­gen­teil. Auch ich ha­be Am­bi­tio­nen, wei­ter oben zu spie­len, des­halb sind Spie­le mit dem Na­tio­nal­team mo­men­tan auch ei­ne kom­plett an­de­re Welt als je­ne mit Wer­der Bre­men. Lei­der hat sich die­se Sai­son da­hin­ge­hend ent­wi­ckelt, dass wir ge­gen den Ab­stieg spie­len. Ich ver­su­che den­noch, im­mer das Bes­te ab­zu­ru­fen, bin auch die­se Bun­des­li­ga-Sai­son im ab­so­lu­ten Spit­zen­feld der Tor­vor­la­gen­ge­ber. Das ist mir per­sön­lich wich­tig. Aber klar: Ich wä­re lie­ber zu­min­dest im Mit­tel­feld der Ta­bel­le, kei­ne Fra­ge. Las­sen Sie uns über das Na­tio­nal­team spre­chen. In ei­nem In­ter­view mit „Go­al“mein­ten Sie, gro­ße Na­men ma­chen der Mann­schaft kei­ne Angst mehr. War das denn in der Ver­gan­gen­heit an­ders? Wir hat­ten kei­ne Angst, aber viel­leicht zu viel Re­spekt. Na­tür­lich musst du vor je­dem Geg­ner Re­spekt ha­ben, aber nicht so viel, dass du nicht mehr den Fuß­ball spielst, den du ei­gent­lich spie­len willst. Wir ha­ben die­ses Man­ko in der jün­ge­ren Ver­gan­gen­heit ab­ge­legt, kon­zen­trie­ren uns jetzt ver­stärkt auf un­ser Spiel. Und wir wis­sen: Wenn wir un­se­re Qua­li­tä­ten auf dem Platz zei­gen, dann sind wir sehr schwer zu schla­gen. Die­ser Ein­druck bleibt. Die an­de­ren Na­tio­nen ha­ben jetzt Re­spekt vor Ös­ter­reich. Und trotz­dem: Das al­les ist kein Selbst­läu­fer. In den ver­gan­ge­nen Wo­chen ver­letz­ten sich Ih­re Team­kol­le­gen Marc Jan­ko, Aleksan­dar Dra­go­vi´c und Mar­ko Arn­au­to­vi´c. Be­un­ru­hi­gen Sie der­ar­ti­ge Mel­dun­gen in die­ser Pha­se, we­ni­ge Wo­chen vor Be­ginn der Eu­ro? Bei Dra­go ist al­les ab­ge­heilt, auch für Marc geht es sich oh­ne Pro­ble­me aus. So­lan­ge es kei­ne schlim­me­ren Ver­let­zun­gen sind, zer­bre­che ich mir nicht

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