Ma­schi­nen­raum

VOLLE KRAFT VOR­AUS DURCH DIE TECHNIKWELT

Die Presse am Sonntag - - Spielzeug -

Es pas­siert nicht oft im Le­ben ei­nes Jour­na­lis­ten, dass man ei­ne Ko­lum­ne zwei­mal schreibt. Wenn, gibt es da­für trif­ti­ge Grün­de. Ei­ner da­von ist, dass sich die Fak­ten­la­ge, zu der man sei­ne – mehr oder min­der poin­tier­te – Mei­nung ab­son­dert, ver­än­dert. Even­tu­ell so­gar in ihr dia­me­tra­les Ge­gen­teil.

Der­lei pas­sier­te im Lauf die­ser Wo­che in der Cau­sa Ser­vus TV. Was letzt­lich den ent­schei­den­den Im­puls gab, den An/Aus-Schal­ter in die­se und dann wie­der in je­ne Rich­tung zu be­tä­ti­gen, kann nur ein ein­zel­ner Mann be­ant­wor­ten. Der, der ihn in der Hand hat – weil er seit vie­len Jah­ren ein Pro­jekt be­treibt, das Me­di­en- und Mar­ke­ting­ex­per­ten Ach­tung ab­ringt al­lein ob der schie­ren Di­men­si­on und Kon­se­quenz des Un­ter­fan­gens. Die Re­de ist von Dietrich Ma­te­schitz und je­nem Sen­der, der ex­em­pla­risch zeigt, dass Pri­vat­fern­se­hen (im wahrs- ten Sinn des Wor­tes) auch so et­was wie ei­nen öf­fent­lich-recht­li­chen Im­pe­tus ha­ben kann. Oh­ne Rück­sicht auf Ver­lus­te.

Die Sa­ga von der Be­triebs­rats­grün­dung als An­lass­fall – die recht­li­che wie po­li­ti­sche Di­men­sio­nen be­inhal­tet, aber auch ei­ne bi­zar­re ex­zen­tri­sche Deu­tung – möch­te ich hier nicht wei­ter aus­brei­ten. Die ei­gent­li­che Bot­schaft lau­tet: Fern­se­hen ist tot. Soll hei­ßen: li­nea­res, ter­res­tri­sches Fern­se­hen, wie wir es kann­ten, ist tot. Es hat mit­tel- bis lang­fris­tig aus­ge­dient. Ein or­dent­li­cher Kauf­mann, der nicht auf öf­fent­li­che (Teil-)Fi­nan­zie­rung zu­rück­grei­fen kann und mag, wird sich das Trau­er­spiel nicht ewig an­se­hen. Geld als Mit­tel zum Zweck – dem der Emo­tio­na­li­sie­rung und Sinn­stif­tung rund um ein letzt­lich ba­na­les Pro­dukt – be­nö­tigt ei­ne Vi­si­on, die mit der Rea­li­tät auf De­ckungs­glei­che zu zwin­gen ist.

Aber wel­che? Ser­vus TV als sen­ti­men­ta­les Re­gio­nal-TV-Fens­ter? Red-Bull-Con­tent mit ganz an­de­rem Ziel­pu­bli­kum via In­ter­net? Strict­ly Mo­bi­le? On De­mand? Pay per View? Vi­su­al Ra­dio? Vir­tu­al Rea­li­ty? Wir wer­den (es) se­hen. Nur ein klei­ner Fin­ger­zeig auf ei­nen zeit­lich ko­in­zi­den­ten Fall: Plötz­lich spre­chen Jan Böh­mer­mann – das ist der durch ein Er­do­gan-˘Schmäh­ge­dicht weit­hin be­rühmt ge­wor­de­ne Sa­ti­ri­ker – und sein Kol­le­ge Ol­li Schulz nicht mehr deutsch­land­weit im Ra­dio. Son­dern wech­seln zum Strea­m­ing­dienst Spo­ti­fy. Aber geht’s dort nicht nur um Mu­sik? Und wie funk­tio­niert Per­so­na­li­ty Broad­cas­ting auf Ab­ruf? Und sagt uns das et­was über die Per­spek­ti­ven von li­nea­rem, ter­res­tri­schem Rund­funk? Span­nen­de Zei­ten. Ser­vus TV, hal­lo Zu­kunft!

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