Wie man Darm­krebs am bes­ten er­kennt

Es muss nicht im­mer ei­ne Ko­lo­sko­pie sein: Mit ein­fa­chen Stuhl­tests kŻnn DŻrm­kreãs ãe­reits in ©er Vor­stu­fe er­kŻnnt wer©en. Kri­ti­ker hŻl­ten ©Żge­gen: Nur ei­ne DŻrm­spie­ge­lung sei für ©ie Pr´ven­ti­on ge­eig­net.

Die Presse am Sonntag - - Leben - VON CLAU­DIA RICH­TER

Die Un­ter­su­chung ist un­ter Pa­ti­en­ten gar nicht be­liebt: Wer hat schon gern ein 1,70 Me­ter lan­ges und ei­ni­ge Zen­ti­me­ter brei­tes Rohr in sei­nem Kör­per? Kein Wun­der, dass sich vie­le Pa­ti­en­ten vor ei­ner Ko­lo­sko­pie fürch­ten. Ob­wohl: Die mo­der­ne Darm­spie­ge­lung wird sanft und mehr oder we­ni­ger schmerz­frei durch­ge­führt. Der Pa­ti­ent wird vom Arzt in ei­ne Art Däm­mer­schlaf ver­setzt. Er spürt we­nig – be­kommt gar nicht so wirk­lich mit, was pas­siert. Den­noch las­sen nur rund zehn Pro­zent der an­spruchs­be­rech­tig­ten Ös­ter­rei­cher die­se Vor­sor­ge­un­ter­su­chung ma­chen.

Die Fol­gen: An die 5000 Men­schen er­kran­ken jähr­lich an Dick­darm­krebs, rund 2500 ster­ben Jahr für Jahr dar­an. Sehr vie­le könn­ten noch le­ben, wenn sie ei­ne Ko­lo­sko­pie hät­ten durch­füh­ren las­sen. Man­che Ärz­te pro­pa­gie­ren da­her mitt­ler­wei­le ei­ne Al­ter­na­ti­ve: „Es muss nicht im­mer der Schlauch sein, es gibt ei­nen an­de­ren ef­fi­zi­en­ten Weg der Vor­sor­ge, bei dem vor­erst auch die läs­ti­ge Vor­be­rei­tung, al­so die Darm­rei­ni­gung weg­fällt“, sagt Ger­fried Le­xer, Chir­urg und In­ten­siv­me­di­zi­ner. Das neue Vor­sor­ge­mo­dell sieht am An­fang ein oder zwei ein­fa­che, aber hoch­wer­ti­ge Stuhl­tests vor. Erst wenn ei­ner da­von po­si­tiv ist, geht es zur Ko­lo­sko­pie. Auf die­se Art kön­ne man wahr­schein­lich 60 Pro­zent der in­fra­ge kom­men­den Ös­ter­rei­cher ei­ne Darm­spie­ge­lung er­spa­ren und den­noch die Fäl­le von Dick­darm­krebs re­du­zie­ren, ist der Arzt über­zeugt. 80 Eu­ro für DNA-Test. Für die Er­st­ab­klä­rung soll­te ein im­mu­no­lo­gi­scher Stuhl­test auf Blut ver­wen­det wer­den. Doch selbst, wenn der Test ne­ga­tiv ist, gibt es noch nicht gleich ei­ne Ent­war­nung. Zur Si­cher­heit folgt ein zwei­ter Stuhl­test, mit dem man ei­ne Krebs­DNA er­ken­nen kann. Wird hier ein pa­tho­lo­gi­sches Gen ge­or­tet, ist ei­ne Ko­lo­sko­pie un­um­gäng­lich. „Der DNA-Test kos­tet der­zeit 80 Eu­ro. Zu­sam­men mit dem Blut­test deckt er 85 Pro­zent al­ler Ve­rän­de­run­gen auf, die bös­ar­tig sind oder wer­den kön­nen“, sagt Le­xer.

Ganz an­ders sieht das Gas­tro­en­te­ro­lo­gin Mo­ni­ka Fer­litsch, Pro­fes­so­rin an der me­di­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wi­en und Bei­rä­tin für Darm­krebs­vor­sor­ge der Ös­ter­rei­chi­schen Ge­sell­schaft für Gas­tro­en­te­ro­lo­gie und He­pa­to­lo­gie. „Hin­sicht­lich Krebs­vor­stu­fen ist der DNA-Test nicht op­ti­mal, er hat da ei­ne Ge­nau­ig­keit von nur 42 Pro­zent, das heißt 58 Pro­zent der Krebs­vor­stu­fen wer­den über­se­hen. Erst wenn ein Kar­zi­nom vor­han­den ist, ist der DNA-Test zu 90 Pro­zent zu­ver­läs­sig. Aber das se­he ich nicht als Krebs­prä­ven­ti­on.“

Le­xer wi­der­spricht. Die Darm­spie­ge­lung, kon­tert er, sei we­ni­ger ver­läss­lich als der DNA-Test. „Mit der Ko­lo­sko­pie sieht man bei­spiels­wei­se nicht die Hin­ter­sei­te der Darm­fal­te, so kön­nen laut in­ter­na­tio­na­ler wis­sen­schaft­li­cher Pu­bli­ka­tio­nen bis zu 40 Pro­zent der Pa­tho­lo­gi­en über­se­hen wer­den.“Der Pa­ti­ent wie­ge sich in Si­cher­heit, hät­te aber mög­li­cher­wei­se Krebs oder ei­ne Vor­stu­fe da­von. Erst ein Weit­win­kelen­do­skop kön­ne die­se Män­gel be­he­ben, „doch da­mit ist kaum ein Arzt aus­ge­rüs­tet“.

Doch auch über die Wir­kung ei­ner Un­ter­su­chung mit dem Weit­win­kelen­do­skop schei­den sich die Geis­ter. „Ich ha­be so ein Weit­win­kel­ob­jek­tiv aus­pro­biert und bin nicht wirk­lich da­von über­zeugt. Au­ßer­dem ver­teu­ert das die Un­ter­su­chung un­ge­mein“, sagt Fried­rich A. Wei­ser, Grün­der der Wie­ner Grup­pen­pra­xis Me­di­co Chir­ur­gi­cum, in der mo­nat­lich rund 1000 bis 1200 Ko­lo­sko­pi­en durch­ge­führt wer­den. „Bei ei­ner Darm­spie­ge­lung blei­ben nur sechs Pro­zent der Po­ly­pen un­ent­deckt, 40 Pro­zent ist viel zu hoch.“

Le­xer hält an der Zahl fest. Sie stam­me von ei­ner in­ter­na­tio­na­len Stu­die aus den USA, den Nie­der­lan­den und Is­ra­el. Die Pro­ban­den sei­en so­wohl mit der her­kömm­li­chen als auch mit der Weit­win­kel-Ko­lo­sko­pie un­ter­sucht wor­den. „Ob ein Arzt Po­ly­pen ent­deckt oder über­sieht, hängt vor al­lem mit der Qua­li­tät der Ko­lo­sko­pie zu­sam­men und nicht un­be­dingt nur mit dem Ein­satz des Weit­win­kel­ob­jek­tivs“, ent­geg­net Mo­ni­ka Fer­litsch. Kon­trol­le al­le vier Jah­re. Krebs­vor­stu­fen schlum­mern üb­ri­gens zehn bis 15 Jah­re im Kör­per, ehe aus ei­nem Po­ly­pen ein Darm­kar­zi­nom wird. „Des­we­gen soll­te die Dick­darm­krebs-Vor­sor­ge nicht wie bis­her ab 50, son­dern be­reits ab 40 erst­mals durch­ge­führt wer­den. Ein ne­ga­ti­ver DNA-Test soll­te al­le vier Jah­re kon­trol­liert wer­den“, sagt Le­xer. Er ist sich si­cher, dass die­se neue Art der Vor­sor­ge von der Be­völ­ke­rung stär­ker an­ge­nom­men wer­de als die jet­zi­ge Ko­lo­sko­pie. „War­um soll je­mand, der sich ge­sund fühlt, die­se Pro­ze­dur über sich er­ge­hen las­sen?“, ar­gu­men­tiert er. Sei aber ei­ner der Stuhl­tests po­si­tiv, se­he wohl je­der die Not­wen­dig­keit ei­ner Darm­spie­ge­lung ein. „Und dann ist sie ja auch sinn­voll. Ich bin über­zeugt, dass man die Zahl der Fäl­le von Dick­darm­krebs mit der Vor­sor­ge neu um bis zu 80 Pro­zent sen­ken kann.“Vor­aus­set­zung frei­lich: Es neh­men ge­nug Ös­ter­rei­cher dar­an teil.

Mo­ni­ka Fer­litsch will der neu­en Vor­sor­ge­va­ri­an­te nicht so recht trau­en, die Ko­lo­sko­pie sei ab­so­lut durch nichts zu er­set­zen. „Aber ein Stuhl­test ist si­cher bes­ser als gar nichts“, fügt sie hin­zu.

Vie­le PŻ­ti­en­ten ver­zich­ten Żuf ©ie Vor­sor­ge, weil ©ie Ko­lo­sko­pie un­Żn­ge­nehm ist.

Chris­ti­ne Pich­ler

Ger­fried Le­xer for­dert ei­ne neue Art der Vor­sor­ge­un­ter­su­chung.

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