Das Le­ben – ein Ro­man

Die Presse am Sonntag - - Kultur - HAK

Ins­ge­samt über 4000 Sei­ten. Karl Ove Kn­ausg˚ards Le­bens­kampf. Ein di­ckes Buch im Le­ben zu schrei­ben mag ja an­ge­hen. Aber in we­ni­gen Jah­ren sechs Schmö­ker mit je­weils weit über 500 Sei­ten – das ist ei­ne Zu­mu­tung. Ein Schreib-Ber­ser­ker, die­ser Karl Ove Kn­aus­gard.˚ Zu­mal es sich um ei­ne scho­nungs­lo­se Au­to­bio­gra­fie han­delt. Der fünf­te Band, „Träu­men“, er­schien En­de 2015. Da muss sich ei­ner schon sehr wich­tig neh­men! Dass die­ser Vor­wurf von der Li­te­ra­tur­kri­tik kaum er­ho­ben wur­de, hat da­mit zu tun, dass Kn­aus­gard˚ nicht sehr freund­lich über sich be­rich­tet. Es ist viel­mehr ei­ne Abrech­nung: Er trinkt zu viel, ist des­halb ag­gres­siv und un­be­re­chen­bar, lei­det an Min­der­wer­tig­keits­kom­ple­xen, be­trügt sei­ne Frau und bringt nichts zu­stan­de. Kein wirk­lich net­ter Zeit­ge­nos­se. Doch See­len­strip­tease ist das ei­ne, le­ben­de Per­so­nen zu ver­un­glimp­fen et­was an­de­res. Die Le­ser­schaft dürf­te aber ge­ra­de die Echt­heit an Kn­aus­gards˚ Bü­chern fas­zi­niert ha­ben. An­schei­nend lässt der Ver­lust an Wirk­lich­keit (Stich­wort Di­gi­ta­li­sie­rung) die Sehn­sucht nach ei­nem vor­geb­lich Au­then­ti­schen blü­hen. Dass die Bü­cher kaum (zum Kunst­werk) ge­stal­tet sind, war denn auch ei­ner der Vor­wür­fe der Li­te­ra­tur­kri­tik.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.