Wie links ist Van der Bel­len?

In der ver­gan­ge­nen Wo­che war­fen wir an die­ser Stel­le die Fra­ge auf: Wie rechts ist Nor­bert Ho­fer? Heu­te ist Alex­an­der Van der Bel­len dran, Alt-68er, Ex-So­zi­al­de­mo­krat, ehe­ma­li­ger Frei­mau­rer und neu­er­dings TTIP-Geg­ner.

Die Presse am Sonntag - - Inland - VON OLI­VER PINK

Ein Ost­block-Spi­on? Alex­an­der Van der Bel­len, des­sen Fa­mi­lie vor den So­wjets ge­flüch­tet war? Das war qua­si das En­tree des heu­ti­gen Prä­si­dent­schafts­kan­di­da­ten auf der öf­fent­li­chen Büh­ne.

Ein ge­wis­ser Peter Pilz hat­te in den frü­hen 1980er-Jah­ren ei­nen For­schungs­auf­trag zum The­ma Rüs­tungs­kon­ver­si­on (Um­stieg von Waf­fen- auf Zi­vil­pro­duk­ti­on) er­gat­tert. Der Auf­trag war vom da­ma­li­gen Wis­sen­schafts­mi­nis­ter – er hieß Heinz Fi­scher – an ei­nen Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor für Volks­wirt­schafts­leh­re an der Uni Wi­en na­mens Alex­an­der Van der Bel­len ver­ge­ben wor­den. Peter Pilz war bei die­sem wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter und nun fe­der­füh­rend mit dem Rüs­tungs­kon­ver­si­ons­pro­jekt be­traut. Die Ver­staat­lich­te war da­mals auch noch Waf­fen­pro­du­zent.

1985 er­hob ein ÖVP-Ab­ge­ord­ne­ter den al­ler­dings nie be­leg­ten Vor­wurf der Ost­spio­na­ge. Denn Pilz soll im Zu­ge sei­ner Rei­sen in die­ser Sa­che un­ter an­de­rem auch Kon­tak­te zu ei­nem schwe­di­schen In­sti­tut ge­habt ha­ben, das un­ter die­sem Ver­dacht stand. We­gen Pilz zu den Grü­nen. Peter Pilz war es dann auch, der Alex­an­der Van der Bel­len zu den Grü­nen hol­te. Wie die­ser, im­mer­hin ein­mal Mit­glied der Grup­pe Re­vo­lu­tio­nä­rer Mar­xis­ten, war auch Alex­an­der Van der Bel­len wie vie­le an­de­re sei­ner Al­ters­ko­hor­te auch vom Geist der 68er ge­prägt.

Re­al­po­li­tisch war das da­mals die Zeit der ÖVP-Al­lein­re­gie­rung von Jo­sef Klaus – als „die Gams­bär­te“die Macht über­nom­men hat­ten, wie Van der Bel­len ein­mal be­fand. Van der Bel­len, ei­gent­lich aus bür­ger­li­chem Haus, der Va­ter Un­ter­neh­mer, die Mut­ter Sän­ge­rin und Pia­nis­tin, schlug sich auf die Seite von Bru­no Kreis­ky, war fas­zi­niert von ihm, trat so­gar der SPÖ bei. Und aus der evan­ge­li­schen Kir­che aus.

Wirk­lich ak­tiv tä­tig war er in der SPÖ aber nicht, er hat­te kei­ne Funk­ti­on, zahl­te Mit­glieds­bei­trä­ge und ei­nes Ta­ges auch das nicht mehr, so­dass er aus der Kar­tei der Par­tei ent­fernt wur­de. Das scheint über­haupt ein Spe­zi­fi­kum bei Van der Bel­len zu sein: Auch den Frei­mau­rern trat er in den 1970er-Jah­ren bei – war aber nach ei­ge­nen An­ga­ben nur ein Jahr ak­tiv, dann ha­be er noch zehn Jah­re als rein pas­si­ves Mit­glied Mit­glieds­bei­trä­ge be­zahlt und sei dann ganz aus­ge­schie­den. Ar­ro­gan­ter An­ti­ka­pi­ta­list. In Chris­ti­an Neu­wirths Van-der-Bel­len-Bio­gra­fie aus dem Jahr 2001 cha­rak­te­ri­sier­te sich der Por­trä­tier­te selbst so: „Ich ha­be mei­nen Weg ge­macht: von ei­nem ar­ro­gan­ten An­ti­ka­pi­ta­lis­ten zum groß­zü­gi­gen Links­li­be­ra­len.“In sei­ner vor­jäh­ri­gen (Au­to-)Bio­gra­fie spiel­te das Links im Links­li­be­ra­len ei­ne noch un­ter­ge­ord­ne­te­re Rol­le. Er sei ein Li­be­ra­ler, gibt Van der Bel­len hier zu ver­ste­hen. Mit ei­nem Frei­heits­be­griff, der an­gel­säch­sisch ge­prägt sei, nicht zu­letzt im Sin­ne John Stuart Mills.

Im sel­ben Buch gab sich Alex­an­der Van der Bel­len auch noch als TTIP-Be­für­wor­ter aus (wenn be­stimm­te Be­din­gun­gen er­füllt sei­en). „Die Vor­tei­le lie­gen doch auf der Hand. Vor lau­ter Alarm­schla­gen wird man all­zu leicht taub und blind für die lang­fris­ti­ge Per­spek­ti­ve.“Da­von ist heu­te kei­ne Re­de mehr. Da po­siert er im Wahl­kampf, wenn ge­wünscht, mit An­ti-TTIP-Trans­pa­ren­ten. Das hat al­ler­dings we­ni­ger mit links oder rechts zu tun, son­dern mehr mit Op­por­tu­nis­mus. Mit der „Kro­nen Zei­tung“wol­len es sich auch die Grü­nen nicht mut­wil­lig ver­scher­zen. Mit gro­ßen Tei­len der ei­ge­nen Wäh­ler­schaft na­tür­lich auch nicht.

Alex­an­der Van der Bel­len ist zwei­fel­los in der po­li­ti­schen Mit­te an­ge­kom­men. Auch Kon­ser­va­ti­ve, von Chris­ti­an Kon­rad über Jo­sef Pröll bis Oth­mar Ka­ras, wer­ben nun für ihn. Die lin­ke Ver­gan­gen­heit – zu­letzt ge­stand er auch ein, bei ei­ner Wahl in Inns­bruck ein­mal KPÖ ge­wählt zu ha­ben – ist in der Ru­brik Ju­gend­sün­den ab­ge­legt. Schon als Grü­nen-Po­li­ti­ker war er sei­ner Par­tei auf dem Weg zur Mit­te meist ei­nen Schritt vor­aus: Als die Grü­nen vor der Volks­ab­stim­mung ge­gen den EU-Bei­tritt kam­pagni­sier­ten, nahm er sich die Frei­heit, da­für zu stim­men. „Ich tat mir bei den Grü­nen mit po­si­ti­ven Äu­ße­run­gen zu gro­ßen Un­ter­neh­men, ins­be­son­de­re mul­ti­na­tio­nal agie­ren­den Kon­zer­nen, lan­ge Zeit schwer.“

Und sein bür­ger­li­cher Ha­bi­tus tat ein Üb­ri­ges – al­ler­dings durch­aus im Sin­ne der Grü­nen: Dem Li­be­ra­len Fo­rum blieb kaum noch Luft, als Van der Bel­len 1997 die Grü­nen über­nahm. 1999 wa­ren sie den Kon­kur­ren­ten im Par­la­ment dann los.

Vom dog­ma­ti­schen Lin­ken, der er ein­mal war, ist Alex­an­der Van der Bel­len heu­te dann doch ein gro­ßes Stück ent­fernt. In­ner­halb des Grü­nen-Uni­ver­sums ist er fast schon ein Rech­ter. Aber mit de­nen hat er ja – of­fi­zi­ell – nichts zu tun.

Sei­ner ei­ge­nen Par­tei war er auf dem Weg zur Mit­te meist ei­nen Schritt vor­aus.

APA

Alex­an­der Van der Bel­len: vom dog­ma­ti­schen Lin­ken zum (Links-)Li­be­ra­len.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.