Ein »Hat­zerl« mit Wi­en­blick

Die Wie­ner Hö­hen­strŻ­ße ist seit je ãei Au­to­fŻh­rern ãe­lieãt, Aus­flugs­ziel für FŻ­mi­li­en, n´cht­li­cher Treff für Jun­ge – un© müss­te ©rin­gen© sŻ­niert wer©en. Ei­ne Spu­ren­su­che.

Die Presse am Sonntag - - Österreich - VON GER­HARD BITZAN

Auf der Wie­ner Hö­hen­stra­ße wur­de in den ver­gan­ge­nen Wo­chen ein Kri­mi ge­dreht: Ni­cho­las Ofc­zarek und Rai­mund Wal­lisch spie­len da­rin fal­sche Po­li­zis­ten, die auf der Pan­ora­ma­stra­ße ihr Un­we­sen trei­ben. Die Dreh­ar­bei­ten wur­den die­se Wo­che ab­ge­schlos­sen, aus­ge­strahlt wird der TV-Kri­mi „Hö­hen­stra­ße“zum Jah­res­wech­sel.

Im Zu­ge die­ser Film­drehs wur­de auch im­mer wie­der über den Cha­rak­ter der Hö­hen­stra­ße dis­ku­tiert. Ist sie ei­ne Aus­flugs­stra­ße, Au­to­pis­te, Lo­kal­mei­le? Re­gis­seur Da­vid Schal­ko er­in­nert sich bei der Pres­se­kon­fe­renz über den Kri­mi, dass sich hier frü­her „viel Ju­gend­le­ben“ab­ge­spielt ha­be. Und Schal­ko wei­ter: „Das ist ei­ne Stra­ße, zu der je­der ei­ne As­so­zia­ti­on hat: vom kif­fend Fah­ren bis zu Sex im Au­to.“

Ei­ne Darstel­lung, die Dö­blings VPBe­zirks­chef Adi Til­ler so nicht gel­ten las­sen will. Die Hö­hen­stra­ße sei ei­ne Pan­ora­ma­stra­ße mit wun­der­ba­rem Blick auf Wi­en und gu­ten Aus­flugs­lo­ka­len. Und ja, hin und wie­der wür­den wohl Au­to­fah­rer et­was auf das Gas stei­gen. Das war üb­ri­gens dort schon in den 1950er-Jah­ren so: Da gab es be­reits zahl­rei­che Au­to- und Mo­tor­rad­ren­nen.

Doch heu­te sto­ßen die be­lieb­ten „Hat­z­erln“auf an­de­re, rea­le Pro­ble­me, näm­lich den schlech­ten Zu­stand der Stra­ße. Be­son­ders in den Kur­ven, so er­zählt Til­ler, leg­ten sich Pflas­ter­stei­ne quer. In stren­gen Win­tern rinnt Was­ser in die Rit­zen, ge­friert und he­belt St­ei­ne aus. Ei­ne Sa­nie­rung wird seit Jah­ren an­ge­peilt, schei­tert aber am Bun­des­denk­mal­amt (BDA). Denn die­ses will die Hö­hen­stra­ße auf ei­ner Län­ge von elf Ki­lo­me­tern un­ter Schutz stel­len und da­mit das klein­tei­li­ge Gra­nitstein­pflas­ter, das in der Zwi­schen­kriegs­zeit weit­ge­hend in Hand­ar­beit ver­legt wur­de, er­hal­ten.

Der Stadt, kon­kret der MA 28, sind die da­für kol­por­tier­ten Sa­nie­rungs­kos­ten von 30 Mio. Eu­ro zu hoch, zu asphal­tie­ren wä­re bil­li­ger. Da­her hat sie den Fall vor das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ge­bracht, doch ei­ne Ent­schei­dung lässt auf sich war­ten. Be­zirks­chef Til­ler kann sich dar­über ziem­lich är­gern, vor al­lem über das BDA: „Was das kos­tet! 30 Mil­lio­nen Eu­ro – und das nur, da­mit die in der Säu­len­stie­ge ei­ne Freu­de ha­ben. ( Die BDA-Adres­se lau­tet 1010 Wi­en, Hof­burg, Säu­len­stie­ge, Anm.).“

Für ei­nen Kom­pro­miss spricht sich Ger­hard Hei­ling­brun­ner, Chef des Re­stau­rants Ok­t­a­gon am Him­mel und Prä­si­dent des Ku­ra­to­ri­um Wald, aus. In Teil­be­rei­chen sol­le die Pflas­te­rung bei­be­hal­ten wer­den. Aber ei­ne Sa­nie­rung sei drin­gend nö­tig, denn die Stra­ße sei de­so­lat, das Ban­kett bröck­le. Kei­ne Me­tro­po­le ha­be ei­ne ver­gleich­ba­re Pracht­stra­ße mit ei­nem sol­chen Pan­ora­ma. Aber in Wi­en ver­fal­le sie, ob­wohl sie im­mer mehr zu ei­nem Aus­flugs­ge­biet für Fa­mi­li­en wer­de, sagt Hei­ling­brun­ner.

Er ap­pel­liert des­halb an die Stadt, ei­nen „Mas­ter­plan Hö­hen­stra­ße“mit neu­en Ide­en zu kon­zi­pie­ren. Et­wa: deut­li­che Ver­bes­se­rung der An­bin­dung an den öf­fent­li­chen Ver­kehr. Die Bus­ver­bin­dun­gen sei­en der­zeit näm­lich sehr schlecht. Au­ßer­dem kann er sich mehr Fahr­rad­we­ge mit Er­leb­nis­sta­tio­nen oder E-Bi­ke-Stre­cken vor­stel­len.

Ein an­de­res Hö­hen­stra­ßen-Ka­pi­tel ist die Gas­tro­no­mie. Ab­ge­se­hen von dem Ho­tel am Kah­len­berg gibt es ent­lang der Hö­hen­stra­ße fast durch­ge­hend Aus­flugs­lo­ka­le, die stark vom Wet­ter ab­hän­gig sind – und de­ren Kon­zept sich über die Jah­re nur mi­ni­mal ge­än­dert hat: Urig, ge­müt­lich soll es sein, mit we­ni­gen Neue­run­gen.

Man­che kämp­fen um ih­re Zu­kunft. Et­wa das Fi­scher­haus, über Jah­re ein Pro­mi­nen­ten­treff, das heu­te noch ein gu­tes Gas­tro-An­ge­bot hat. Ja, es ge­be ein In­sol­venz­ver­fah­ren, sagt Be­trei­ber Ste­phan Blasch­ko. Aber das sei ge­gen ihn per­sön­lich we­gen klei­ne­rer of­fe­ner Be­trä­ge an­ge­strengt wor­den. Das Lo­kal sei da­von nicht be­trof­fen, „und es ist auch wei­ter­hin of­fen.“

Ki­lo­me­ter

ist die Hö­hen­stra­ße im Wes­ten Wi­ens lang – und ist da­mit die längs­te Stra­ße in der Haupt­stadt. Sie be­ginnt na­he der Mars­wie­se und führt über den Co­ben­zl und den Kah­len­berg zum Leo­polds­berg.

Am 16. Ok­to­ber 1935

wur­de der ers­te Ab­schnitt – vom Co­ben­zl zum Leo­polds­berg – er­öff­net. 1939 fand das ers­te Au­to­ren­nen statt. 1940 wur­de ein Teil­stück nach Klos­t­er­neu­burg er­rich­tet.

Auch bei ei­nem an­de­ren GastroKlas­si­ker an der Hö­hen­stra­ße mit schö­nem Blick auf die Stadt, dem Co­ben­zl Ca­fe­re­stau­rant,´ sind der­zeit Ju­ris­ten ak­tiv. Vor drei­ein­halb Jah­ren hat die Stadt Wi­en den Pacht­ver­trag Olaf Au­ers, des Alt­päch­ters, ge­kün­digt. Aber die­ser wehrt sich: 18 Kla­gen von Ma­gis­trats­ab­tei­lun­gen sei­en ge­gen ihn ein­ge­stellt wor­den, sagt er. Die letz­te Räu­mungs­kla­ge im Jän­ner hat je­doch die Stadt ge­won­nen, aber da­ge­gen hat Au­er be­ru­fen. „Das Lo­kal ist wei­ter of­fen, je­den Tag“, sagt der Co­ben­zl-Chef.

Je©er hŻt Żn©ere As­so­ziŻ­tio­nen: Wi­en-Blick, Lo­kŻ­le, Sex im Au­to. Der Bür­ger­meis­ter hŻt hier ge­heirŻ­tet, StŻŻtsg´ste sin© Żuf Be­such ge­kom­men.

Aber war­um der Streit? Er ha­be vor 35 Jah­ren viel Geld in ei­ne ab­ge­brann­te Rui­ne in­ves­tiert, sagt Au­er. Staats­gäs­te sei­en hier ge­we­sen, Bür­ger­meis­ter Häupl ha­be da ge­hei­ra­tet – und es ge­be ei­nen un­be­fris­te­ten Pacht­ver­trag. Dass es ein Aus­flugs­lo­kal im Stil frü­he­rer Jah­re ist, dür­fe doch nicht stö­ren.

Of­fen­bar doch. Denn die Be­grün­dung der Stadt lau­tet: Das Lo­kal sei in den Acht­zi­ger­jah­ren ste­cken ge­blie­ben, ei­ne Mo­der­ni­sie­rung sei mit dem der­zei­ti­gen Päch­ter nicht mög­lich. Wie ein „zeit­ge­mä­ßer Gas­tro­no­mie­be­trieb“an der Hö­hen­stra­ße aus­se­hen soll, kann frei­lich nie­mand so ge­nau sa­gen.

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