Mensch und Pferd – Kult und Lei­den­schaft

Die Presse am Sonntag - - Wien -

Die OÖ Lan­des­aus­stel­lung in Stadl-Pau­ra und Stift Lam­bach wid­met sich bis 6. No­vem­ber 2016 dem The­ma Pferd.

Schon 4000 Jah­re lang ist das Pferd der treue Be­glei­ter des Men­schen. In der ab­wechs­lungs­rei­chen Ge­schich­te wa­ren die klu­gen Tie­re ein­mal Kriegs­ge­rät, dann Ar­beits­tier, Reit­tier, Freund und Ge­fähr­te bis hin zum ab­göt­tisch ver­ehr­ten Kult­we­sen. Bei der Lan­des­aus­stel­lung 2016 in Oberösterreich kann man er­le­ben, was die Fas­zi­na­ti­on die­ser Tie­re aus­macht.

Zwei recht un­ter­schied­li­che Or­te füh­ren durch die Welt der Be­zie­hung von Pferd und Mensch: Die ehr­wür­di­gen Ge­mäu­er des Stif­tes Lam­bach mit Kreuz­gang, Som­mer­re­fek­to­ri­um, Bi­b­lio­thek und Am­bu­la­to­ri­um zei­gen die Ver­eh­rung des Pfer­des in Kunst und Kult. Im Kom­pe­tenz­zen­trum für Pfer­de­sport in Stadl-Pau­ra wie­der­um ha­ben Be­su­cher die Mög­lich­keit, die Tie­re aus nächs­ter Nä­he zu er­le­ben. Ne­ben den bei­den Haupt­aus­stel­lun­gen im Stift Lam­bach und im Pfer­de­sport­zen­trum er­war­tet die Be­su­cher im his­to­ri­schen Ross­stall ei­ne be­ein­dru­cken­de Mul­ti­me­dia-Ins­ze­nie­rung zum The­ma Pferd.

Ver­ste­hen ler­nen

Wer schon im­mer ein­mal die Welt aus der Per­spek­ti­ve ei­nes Pfer­des er­le­ben woll­te, hat bei der Lan­des­aus­stel­lung die Ge­le­gen­heit da­zu. Was sieht, schmeckt und hört ein Pferd, wie klug ist es, wie stark, wel­che Fä­hig­kei­ten hat es? In Oberösterreich kann man in die Welt der Pfer­de ein­tau­chen und auf un­ter­halt­sa­me Wei­se die Be­son­der­hei­ten der Pfer­de­a­na­to­mie und da­mit das fas­zi­nie­ren­de Le­be­we­sen Pferd ken­nen- und ver­ste­hen ler­nen.

Krieg, Ka­val­le­rie & har­te Ar­beit

Das Pfer­de­sport­zen­trum Stad­lPau­ra zeigt den krie­ge­ri­schen Be­ginn der ge­mein­sa­men Ge­schich­te von Mensch und Pferd. Be­rit­te­ne Krie­ger setz­ten in Eu­ro­pa vom 16. bis 19. Jahr­hun­dert auf die Kraft des Pfer­des – meist oh­ne Rück­sicht auf Ver­lus­te. Doch auch in fried­li­chen Zei­ten war das Le­ben für die ed­len Tie­re oft kein leich­tes. In­s­tal- la­tio­nen zei­gen an­schau­lich, wie Pfer­de noch bis weit ins 20. Jahr­hun­dert schwe­re Las­ten zie­hen muss­ten.

Die Kul­tur des Rei­tens zeigt sich an­schau­lich in no­blen Kut­schen und auf­wen­dig ver­ar­bei­te­ten Sät­teln, in lie­be­voll de­ko­rier­ten Zir­kus­pfer­den und in der ho­hen Schu­le des Dres­sur­rei­tens. Spie­le­risch wird es wie­der bei ei­nem Ritt auf dem Si­mu­la­tor. Auf je­den Fall auf ih­re Kos­ten kom­men die Klei­nen beim Spie­len mit Schau­kel-, Ste­cken- und Pup­pen­pfer­den. Wei­te­re Pfer­de­aben­teu­er war­ten im Frei­are­al des Pfer­de­zen­trums: Im Stall kann man Pfer­de­hal­tung und -pfle­ge im All­tag er­le­ben und in der Huf­schmie­de beim Be­schla­gen zu­se­hen. Oder man ge­nießt ei­ne der span­nen­den Vor­füh­run­gen in der Reit­hal­le oder auf der Renn­bahn.

Ei­ne Rei­se im Stift

In den Prunk­räu­men des Stif­tes Lam­bach mit sei­nem herr­schaft­li­chen Am­bi­en­te geht es auf ei­ne sa- gen­haf­te Rei­se durch Ge­schich­te und My­tho­lo­gie. Kai­ser, Kö­ni­ge und gro­ße Heer­füh­rer wa­ren lan­ge Zeit die Ein­zi­gen, die sich mit dem Pferd als Sta­tus­sym­bol und Zei­chen ih­rer Macht schmü­cken durf­ten.

In grie­chi­schen und ger­ma­ni­schen Sa­gen sind es Gott­hei­ten zu Ross und fa­bel­haf­te Mi­sch­we­sen, die über das Schick­sal der Men­schen be­stim­men. In der Bi­bel sind es die Hei­li­gen, die be­rit­ten Gu­tes tun und die apo­ka­lyp­ti­schen Rei­ter, die der Mensch­heit Tod und Ver­der­ben brin­gen. In un­se­re All­tags­spra­che hat das Kult­we­sen Pferd längst Ein­zug ge­hal­ten – als Amts­schim­mel, Steig­bü­gel­hal­ter oder beim Pfer­de­fuß.

Kunst und Kom­merz

Zum Ab­schluss der Lan­des­aus­stel­lung 2016 lenkt in der Bi­b­lio­thek des Stif­tes ei­ne fei­ne Aus­wahl von Bil­dern und Zeich­nun­gen von Künst­lern wie Jo­hann Ge­org Ha­mil­ton und Al­f­red Ku­bin schließ­lich den Blick des Be­su­chers auf die mo­der­ne Kon­sum­ge­sell­schaft: Fer­ra­ri, Por­sche, Po­wer Hor­se – Pro­duk­te aus un­ter­schied­lichs­ten Ka­te­go­ri­en set­zen auch heu­te noch auf die strah­len­de Kraft der Pfer­de.

PIA ODORIZZI

Kai­ser, Kö­ni­ge, Heer­füh­rer schmück­ten sich mit ihm: Das Pferd war lang auch Sym­bol der Herr­schaft.

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