Let’s ma­ke mo­ney

EMP­FEH­LUN­GEN FÜR ZEIT­GE­NOS­SEN, DIE AUF IHR GELD SCHAU­EN

Die Presse am Sonntag - - Mein Geld -

Man soll al­te Bör­sen­re­geln ja nicht zu sehr stra­pa­zie­ren, aber am viel zi­tier­ten „sell in may and go away“scheint et­was dran zu sein. In den ers­ten bei­den Wo­chen ist der Mai zu­min­dest un­ter Bör­sia­nern sei­nem sons­ti­gen Ruf als Won­ne­mo­nat nicht wirk­lich ge­recht ge­wor­den. Die eu­ro­päi­schen Märk­te no­tie­ren über­wie­gend un­ter den zu Mo­nats­be­ginn er­reich­ten Mar­ken. Die ame­ri­ka­ni­schen Leit­in­di­zes grun­deln rund um die­se Mar­ken her­um, sind al­so auch nicht wirk­lich wei­ter­ge­kom­men.

Vor dem Som­mer ist da auch we­nig zu er­war­ten. Die Chart­tech­ni­ker run­zeln zur­zeit je­den­falls be­denk­lich die Stirn und mur­meln et­was von stär­ker ge­wor­de­nem Ver­kaufs­druck. Und von der fun­da­men­ta­len Seite her ist auch we­nig Licht zu se­hen. Dort geis­tern der­zeit so­gar ei­ni­ge Un­si­cher­hei­ten her­um, die den Markt stär­ker ne­ga­tiv be­ein­flus­sen könn­ten. Et­wa ei­ne Es­ka­la­ti­on des wie­der ein we­nig in den Blickpunkt ge­rück­ten Grie­chen­lan­dPro­blems. Oder die Furcht vor Schock­wel­len durch ei­ne ne­ga­tiv aus­ge­hen­de Br­ex­it-Ab­stim­mung in Groß­bri­tan­ni­en im Ju­ni.

Wer in die­sem Um­feld nicht ent­täuscht wer­den will, setzt kei­ne all­zu gro­ßen Er­war­tun­gen in die nächs­ten Wo­chen und hält den Fuß in der Nä­he des Brems­pe­dals, um im Fall des Fal­les schnell re­agie­ren zu kön­nen. Wo­bei: Die Ge­fahr ei­nes wirk­li­chen Ab­stur­zes ist weit­hin auch nicht zu se­hen. Wir müs­sen uns ganz ein­fach auf ei­ne vor­über­ge­hend eher zäh ver­lau­fen­de Markt­pha­se ein­stel­len.

In ei­ner sol­chen Markt­pha­se be­gibt man sich am bes­ten auf die Su­che nach un­ter­be­wer­te­ten Ti­teln mit Po­ten­zi­al. Ei­ne sol­che sieht die Pri­vat­bank Be­ren­berg in Volks­wa­gen Vzg. (ISIN DE0007664039). Die Be­ren­berg-Ana­lys­ten ha­be in den ver­gan­ge­nen Ta­gen das „Buy“-Ra­ting für die VW-Vor­zü­ge be­stä­tigt und das Kurs­ziel von 160 auf sa­gen­haf­te 210 Eu­ro hoch­ge­setzt. Der­zeit no­tiert das Pa­pier bei 129 Eu­ro, nach­dem es vom Tief­punkt zu Be­ginn der Die­sel­ga­te-Af­fä­re schon mehr als 30 Pro­zent zu­ge­legt hat. Die Bank sieht al­so be­trächt­li­ches Po­ten­zi­al.

Gut ge­mein­ter Rat der Ana­lys­ten: Man sol­le nicht zu lang über­le­gen, um die Ge­gen­be­we­gung nach dem Ab­sturz nicht ganz zu ver­säu­men.

Der Op­ti­mis­mus der Ana­lys­ten fußt auf der Er­kennt­nis, dass die Ab­gas­af­fä­re für den Kon­zern – im Ge­gen­satz zu den Kon­kur­ren­ten, wo Ab­gastrick­se­rei­en ge­ra­de erst nach und nach auf­flie­gen – schon weit­ge­hend „ge­ges­sen“ist. Gro­ße ne­ga­ti­ve Über­ra­schun­gen sei­en nicht mehr zu er­war­ten, der Kon­zern ha­be be­reits mehr als 16 Mil­li­ar­den Eu­ro für die Be­wäl­ti­gung der Af­fä­re zu­rück­ge­stellt, am En­de wür­den His­to­ri­sche VW-Ak­ti­en: Nach dem Ab­sturz be­ginnt VW an der Bör­se wie­der zu lau­fen und zu lau­fen und zu lau­fen – wie sei­ner­zeit der le­gen­dä­re Kä­fer. für VW Kos­ten von 20 Mrd. Eu­ro oder 40 Eu­ro pro Ak­tie üb­rig blei­ben. Ge­naue­res wird man En­de Ju­ni wis­sen. Für die­sen Zeit­punkt wird ei­ne Ei­ni­gung mit den US-Be­hör­den er­war­tet.

Auch von der wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lung her könn­te die Ak­tie ge­pusht wer­den: Die Ver­käu­fe der Kern­mar­ke VW ent­wi­ckeln sich we­gen des Ab­gas­skan­dals zwar sehr flau, die Pre­mium­mar­ken (Bent­ley, Au­di, Por­sche etc.) sei­en vom Skan­dal aber kaum be­trof­fen.

Ho­hes Po­ten­zi­al trau­en Ana­lys­ten auch dem In­ter­net­händ­ler Ama­zon (ISIN US0231351067) zu, der sich in den ver­gan­ge­nen Wo­chen sehr stark ent­wi­ckelt hat. Bern­stein Re­se­arch hat dem Pa­pier in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ein Kurs­ziel von 1000 Dol­lar ver­passt. Zur­zeit ist die In­ter­net-Ak­tie um rund 712 Dol­lar zu ha­ben. Das Ziel klingt zwar sehr am­bi­tio­niert, aber nicht un­rea­lis­tisch. Im­mer­hin wächst das Un­ter­neh­men sehr stark und hat zu­letzt den höchs­ten Quar­tals­ge­winn der Fir­men­ge­schich­te be­rich­tet. So ge­se­hen sind die 1000 Dol­lar mit­tel­fris­tig durch­aus in Reich­wei­te.

Was steht sonst noch an? Der auch in Ös­ter­reich pro­du­zie­ren­de Chip­her­stel­ler In­fi­ne­on (ISIN DE0006231004) hat (eben­falls von Bern­stein) ei­ne Hoch­stu­fung auf „Out­per­form“er­hal­ten. Das Kurs­ziel se­hen die Ana­lys­ten nun bei 17 Eu­ro. Auch das klingt nicht schlecht, wenn man vom ak­tu­el­len Kurs von zwölf Eu­ro aus­geht. Al­ler­dings ist die Mei­nung hier nicht ein­deu­tig: Chart­tech­ni­kern ge­fällt das Kurs­bild nicht, und Gold­man Sachs sieht das Kurs­ziel le­dig­lich bei 12,20 Eu­ro.

Gu­te Un­ter­hal­tung ver­spre­chen die Ex­per­ten des In­vest­ment­hau­ses Equi­net den Ak­tio­nä­ren des Me­di­en­kon­zerns RTL (ISIN LU0061462528). Das Kurs­ziel der mit „Ac­cu­mu­la­te“ein­ge­stuf­ten Ak­tie wird auf 81 Eu­ro ge­ho­ben. Das Po­ten­zi­al ist al­ler­dings be­grenzt, denn bei 76 liegt das Pa­pier schon.

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.